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Pensionen: Dax- und MDax-CFOs haben weiterhin massive Deckungslücke

Die Dax- und MDax-Betriebspensionen weisen erhebliche Deckungslücken auf.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Eine aktuelle Studie von Towers Watson zum Ausfinanzierungsgrad (Deckungsgrad) im Dax beschreibt eine gute Wertentwicklung der Pensionsvermögen in 2012. Die Pensionsverpflichtungen stiegen jedoch aufgrund des gesunkenen Rechnungszinses (3,35% am 31.12.2012) weiter an. Im Dax betrugen die Pensionsverpflichtungen für 2012 317 Milliarden Euro im Vergleich zu 259 Milliarden Euro im Vorjahr – das sind rund 22 Prozent mehr. Für MDax Unternehmen belaufen sich die Ergebnisse auf 41 Milliarden Euro im Vergleich zu 34 Milliarden Euro in 2011. Trotz guter Anlageerträge auf das spezifisch hierfür reservierte Planvermögen, das 2012 184 Milliarden Euro beim Dax und 18 Milliarden Euro beim MDax betrug, sank außerdem der Deckungsgrad der Pensionspläne. Wegen des niedrigen Rechnungszinses sind die Pensionspläne im Dax nur zu 57,9% und im MDax sogar nur zu 43,9% gedeckt.

Erhebliche Pensionsdeckungslücke im Dax und MDax

Das Pensionsrisiko für Konzerne ist  hoch und wirkt sich sowohl auf die Aktiv- und Passivseite der Bilanzen aus. Viele Unternehmen schießen deshalb Cash dazu, um die Pensionsverpflichtungen besser durch Assets zu decken. Beispielweise hat Bayer kürzlich 1 Milliarde Euro in seinen Pensionstreuhandverein investiert und löst so auch einen Teil des Anlagedilemmas. Peter Müller, Leiter der Finanzen bei Bayer, erklärt gegenüber FINANCE, dass der Konzern diesen Schritt unternommen habe, um seine „Liquiditätsposition zu optimieren“ und um „überschüssige Liquidität zu vermeiden, da wir damit unsere Kapitalkosten nicht verdienen können“. Die Dotierung der Pensionsfonds hingegen ermöglicht Bayer sowohl eine Bilanzverkürzung als auch höhere Investmenterträge, sagt  Müller.

Niedriger Rechnungszins erhöht Barwert der Verpflichtungen

Der seit Längerem historisch niedrige Rechnungszins wirkt sich deshalb extrem auf die Bücher aus, weil Pensionsverpflichtungen bei niedrigem Zinssatz mit einem höheren Wert in den Bilanzen angesetzt werden müssen. Bayer hat deshalb bereits mehrfach Kapital zugeschossen, um seine Pensionsverpflichtungen besser zu decken. „Am Ende des dritten Quartals 2012 standen dem Barwert der Pensionsverpflichtungen in Höhe von 22,1 Milliarden Euro Vermögenswerte von 12,4 Milliarden Euro gegenüber“, betont Müller.

Thomas Jasper, Leiter des Beratungsbereichs „Betriebliche Altersvorsorge“ bei Towers Watson erklärt außerdem, dass der niedrige Rechnungszins eine Herausforderung für Unternehmen darstelle, denn er erschwert die Kapitalanlage. Aufgrund dessen steigen die Kosten der Pensionspläne, insbesondere bei Leistungszusagen (defined benefits), so der Berater. General Motors  hat den Ausstieg aus dem traditionellen Pensionsplanschema gewagt und die Posten aus der Bilanz entfernt, indem die 26 Milliarden Dollar Pensionsverpflichtungen für 29 Milliarden Dollar an den Versicherer Prudential verkauft wurden.

Zinsnormalisierung in 2013?

Für die Zukunft prognostiziert Towers Watson jedoch eine Normalisierung der Märkte und eine Abschwächung der Eurokrise, da der Rechnungszins Anfang des Jahres bereits wieder auf 3,7 gestiegen ist. Dies deute auf eine Zinsnormalisierung, sowie ein Entspannung an der Pensionsfront hin.

jennifer.gabler[at]finance-magazin.de

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