Die Suche nach dem richtigen Weg: Controller und CFOs fischen beim Reporting immer noch häufig im Trüben.

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14.10.13
Finanzabteilung

FINANCE exklusiv: CFOs fischen bei KPIs im Trüben

Das Ziel ist klar, der Weg nicht: Das Reporting verschlingt in den meisten Unternehmen viel zu viele Ressourcen. Eine aktuelle Studie zeigt: Controller und CFOs steuern nicht nach den spezifisch optimalen KPIs. Und sie zeigt, dass Controller und CFOs endlich umdenken müssen, wollen sie aus dem Teufelskreis ausbrechen.

Jedes zweite Unternehmen ist mit seinem Management Reporting unzufrieden. Aber obwohl die Controller wissen, an welchen Stellen es hakt, schaffen sie es nicht, ihre Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. Was die neue „KPI-Studie 2013“ von Horváth & Partners, die FINANCE exklusiv in Auszügen vorliegt, jetzt zutage befördert, sollte CFOs und Controlling-Chefs zu denken geben.
 
An der Umfrage beteiligten sich rund 140 Vertreter von Unternehmen aller Branchen und Größenordnungen aus der DACH-Region. Das Fazit, das Autor Jens Gräf nun zieht, ist bemerkenswert: „Jedes Unternehmen formuliert das Ziel, nur noch über wenige KPIs zu steuern, die zum Geschäft passen. Auch die Rolle, die der Controller haben sollte, ist klar definiert. Aber exakt diese Ziele haben Unternehmen auch schon vor 15 Jahren definiert. In der Realisierung sind sie seitdem wenig vorangekommen.“

KPIs: Unternehmen kleben an Historie

Noch immer krankt das Berichtswesen an elementaren Punkten: 70 Prozent der Unzufriedenen monieren einen fehlenden Zukunftsbezug. Fast genauso hoch ist der Anteil derjenigen, die die richtige IT-Unterstützung vermissen bzw. den Gesamtaufwand als zu hoch betrachten.

Hauptknackpunkt sind die KPIs, die für die Unternehmenssteuerung entscheidenden Kennzahlen. Hier scheinen viele Controller und CFOs mittlerweile die Übersicht zu verlieren: Im Schnitt steuern Unternehmen über 12 Kennzahlen, oft liegt die Anzahl deutlich darüber – in einem Einzelfall sogar bei insgesamt 84 Kennzahlen. Gräf: „In den Unternehmen haben sich über die Jahre immer mehr Kennzahlen angesammelt. Wenn der Markt sich verändert, muss das Controlling aber kontinuierlich die Frage stellen, was wirklich entscheidend ist und nicht an der Historie kleben.“

Die Suche nach dem richtigen Fokus

Insbesondere scheint es den Controllern schwerzufallen, den richtigen Fokus zu finden. Fast alle Unternehmen würden immer noch stark auf finanzielle KPIs setzen, erklärt Johannes Isensee, der die Studie gemeinsam mit Gräf geleitet hat: „Das führt dazu, dass fast alle Unternehmen unter den Top 5 ähnliche Kennzahlen nutzen. Und das heißt gleichzeitig auch, dass sie ihre Spezifika nicht richtig abbilden.“ Damit ist eine effiziente Steuerung praktisch ausgeschlossen – der CFO hat kaum eine Chance, die entscheidenden Werttreiber aufzuspüren.

Dann wundert es auch nicht, dass das Management Reporting in 75 Prozent der befragten Unternehmen bestenfalls eine unterstützende Rolle bei der Entscheidungsfindung spielt – vom viel gepriesenen „Business Partner“, der mehr analysiert und hinterfragt als sich als „Numbercruncher“ zu betätigen, sind die Controller praktisch damit immer noch meilenweit entfernt.

Kein Profil zum Business Partner?

Dabei ist das genau das, was Unternehmen für sich ebenfalls schon länger als Wunsch formulieren: Controller, die sich auch in strategischen Fragen einbringen. Dafür ist aber nicht nur ein Umdenken in den Managements, sondern auch bei den Controllern notwendig: „Ich sehe das Problem, dass vielen Controllern das richtige Profil für die Rolle des ,Business Partners‘ fehlt“, sagt Gräf. „Es gibt immer Controller, die lieber in der Datenwelt arbeiten, als Analysen und Empfehlungen für das Management zu erstellen. Dafür braucht man Fähigkeiten, sie sich auch nicht immer lernen lassen. Das kann dazu führen, dass an bestimmten Stellen ganz neue Personen benötigt werden.“

Eine Erkenntnis, aus der viele Unternehmen Schlussfolgerungen ziehen sollten. Bis sie das tun, dürfte es wohl noch viele Umfragen zum Management Reporting mit ähnlichen Ergebnissen geben.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de