Planlos: Ein stärkeres Controlling wollen alle, in der Praxis schwächeln Unternehmen aber bei der Umsetzung.

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04.12.12
Finanzabteilung

Planung & Reporting: Unternehmen können Ziele nicht umsetzen

Effizient, effektiv und vor allem möglichst ressourcenschonend planen: Das sind die Herausforderungen, mit denen so gut wie jede Controlling-Abteilung aktuell kämpft. Wie inkonsequent Unternehmen dabei vorgehen und sich so selbst auf dem Weg zu ihren Zielen im Weg stehen, zeigen neue Zahlen aus der österreichischen Wirtschaft.

Europaweit und in praktisch allen Branchen hadern Unternehmen mit der anhaltenden Volatilität. Der Wunsch nach einem passgenauen Controlling, das eine zuverlässige Unternehmenssteuerung ermöglicht, ist in aller Munde, Best-Practise-Beispiele und neue Tools auf jeder Tagung ein großes Thema. Allen guten Vorsätzen zum Trotz hakt es bei der Umsetzung allerdings gewaltig: Viele Chef-Controller sehen ihre eigenen Planungsprozesse kritisch – und formulieren darüber hinaus auf der anderen Seite aber oftmals Ziele, die einer Verbesserung der Vorgänge im Weg stehen.

Das zeigt einmal mehr eine Studie, für die das Controller Institut und Contrast Management-Consulting im Auftrag der International Group of Controlling rund 270 Leitende Controller der größten Unternehmen Österreichs befragt haben. Bemerkenswert: Einen kürzeren Planungszeitraum gibt rund ein Drittel der Umfrageteilnehmer als erklärtes Ziel aus; mehr als die Hälfte plant aber nach wie vor bottom-up – und nimmt dabei langwierige und abstimmungsintensive Zyklen in Kauf.

Die inkonsequente Herangehensweise zeigt sich auch bei der Frage nach dem Detaillierungsgrad: Immerhin 22 Prozent wollen trotz Unzufriedenheit detaillierter planen als bislang. Und das, obwohl annähernd ebenso viele österreichische Unternehmen ihre genauen Planungsziele erst festzurren, wenn der Prozess schon längst begonnen hat.

Hohe Kosten, schwache Software

Dass die Planung unter diesen Voraussetzungen bei den schwächsten Unternehmen nicht ohne einen erheblichen Einsatz von Ressourcen von statten geht, ist wenig überraschend. Der Befund trifft aber bei Weitem nicht nur österreichische Unternehmen – auch im europäischen Vergleich zeigt sich eine große Lücke zwischen den schlechtesten und den besten Performern: Die Gesamtkosten, die der Finanzbereich gemessen am Umsatz verschlingt, variieren zwischen 0,29 und 1,39 Prozent.

Auch in Sachen Software-Unterstützung zeigt sich noch deutlicher Nachholbedarf: Knapp die Hälfte der befragten Controller arbeitet bei Planung und Reporting mit Excel. Mit einem echten Umbruch rechnen die Ersteller der Studie allerdings nicht. Die österreichischen Controller befinden sich mit dieser Praxis in bester Gesellschaft: Vor Kurzem erst hatte Audi-CFO Axel Strotbek seinen neuen Ansatz zur Unternehmenssteuerung vorgestellt – und dabei gleichzeitig die Devise ausgegeben, dass man sich von solchen Randlösungen verabschieden müsse.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de