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Schlechtes ERP lähmt Unternehmen

Viele CFOs klagen über schlechtes ERP – nur wenige Unternehmen sind da eine Ausnahme.
Thinkstock / Getty Images

Viele deutsche Unternehmen müssen sich immer noch mit mangelhaften ERP-Systemen (Enterprise Resource Planning) herumschlagen – nutzen aber gleichzeitig auch die Chancen des mobilen Internets nicht, das Abhilfe schaffen könnte, meint der Anbieter von ERP-Systemen Epicor Software, der sich dabei auf eine jüngst durchgeführte Studie stützt (Details zur Durchführung siehe Box).

Dabei gaben zwar 80 Prozent der Befragten an, dass ERP für ihr Unternehmen von zentraler Bedeutung ist. Doch immer noch ist vor allem der Zugriff auf Informationen ein Problem, das sich schwer aus der Welt schaffen lässt. Mehr als ein Drittel beklagt, dass es zu lange dauert, bis die nötigen Informationen bereitgestellt werden. Und fast die Hälfte wünscht sich ein ERP, dass den Zugriff auf Informationen einfacher macht.

Die Erfahrung, dass der Zugriff häufig zu langwierig und mühsam ist, hat auch Lanxess gemacht: 2012 hat das Chemieunternehmen eine interne Studie durchgeführt, um die Zufriedenheit der Nutzer mit dem  ERP-System zu evaluieren. „Ein Resultat der Studie war, dass die Informationsbeschaffung für die Nutzer oft mit hohem manuellen Aufwand verbunden war, was teilweise unseren Entscheidungsfindungsprozess verlangsamt hat“, erklärt Florent Durup, Head of Controlling Systems & Processes, gegenüber FINANCE. Auch die Befragten der Epicor-Erhebung beklagten, dass durch die ineffizienten ERP-Systeme Geschäftsvorteile ungenutzt blieben.

ERP: Mobile Nutzung als Chance

Impulse für ein besseres ERP erhoffen sich die Befragten vor allem durch eine bessere Nutzung von mobilen Medien:  Zwei Drittel waren der Meinung, dass Zugriff auf Informationen über Smartphones oder Tablet PCs wichtig sei. Lanxess befindet sich bereits mitten im Umbau: „Unsere web-basierten Dashboards können auch auf Mobilgeräten per Single Sign-on genutzt werden“ – so  ist die aktuelle Lage in dem Chemiekonzern. Auch der Offline-Zugriff, um zum Beispiel direkt beim Kunden wesentliche Informationen verfügbar zu haben, wurde dabei berücksichtigt.

Damit stellt Lanxess unter den deutschen Unternehmen noch immer eher die Ausnahme dar,  denn nur in 45 Prozent der Unternehmen können die Nutzer Informationen tatsächlich mobil anfordern, behauptet Epicor. Im Vergleich dazu sind es in den USA und in Großbritannien jeweils rund 70 Prozent, in China sogar 80 Prozent. Und das ist kein Wunder: 90 Prozent aller befragten chinesischen Unternehmen haben in den beiden vergangenen Jahren Geld in die Hand genommen, um in ihre ERP-Systeme zu investieren, in Deutschland zur zwei von drei.

Kaum Interesse für die Cloud aus Deutschland

Auch das Thema Cloud gewinnt langsam an Relevanz: Nur noch 20 Prozent der Befragten wollen weiterhin in bestehende Systeme in eigenen Rechenzentren investieren, mehr als 60 Prozent hingegen in Cloud-Modelle. Doch auch hier zeigen sich nationale Unterschiede: Während sich China wieder federführend präsentiert und über 80 Prozent der dortigen Unternehmen ihre ERP-Systeme in der Cloud betreiben, ist die Cloud in Deutschland mit 37 Prozent noch eher unpopulär. Auch für Lanxess ist die Cloud derzeit kein Thema.  

Insgesamt erhoffen sich viele der Befragten durch ein besseres ERP-System mehr Wachstum für das Unternehmen. Dass Unternehmenswachstum und steigende Investitionen in ERP Hand in Hand gehen, sieht man auch bei Jenoptik. Der Hightech-Konzern expandiert nach Asien und Nordamerika, wird dabei aber von veralteten Prozessen und IT-Systemen gebremst. Jenoptik-CFO Rüdiger Günther steckt daher 20 Millionen Euro in ein ERP-Projekt, das auf mehrere Jahre angelegt ist. „Unsere ERP-Systeme müssen schneller und transparenter werden“, sagte er im Interview mit FINANCE-TV.  

julia.becker[at]finance-magazin.de

Info

Die Befragung wurde vom Softwarehersteller Epicor Software in Auftrag gegeben und von Redshift Research durchgeführt. Befragt wurden 1.500 Geschäftsexperten aus zehn Ländern, 200 davon aus Deutschland. 39 Prozent alles Befragten sind angestellt bei Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern.