Börsendaten können ein wichtiger Indikator für die zukünftige Wirtschaftsentwicklung sein.

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30.08.18
Finanzabteilung

Wie der CFO die Börse als Frühwarnsystem nutzen kann

Wie werden sich Märkte und Wirtschaft entwickeln? Diese Frage ist für die Unternehmensplanung essentiell. Warum Börsendaten die besten Antworten auf diese Frage liefern, erklärt Prediqma-Geschäftsführer Hartmut Jaensch.

Herr Jaensch, Sie sagen, dass Konjunkturbarometer wie etwa vom Ifo keine guten Indikatoren für die Planung von CFOs sind. Warum?
Der Ifo-Index basiert auf einer Befragung von Unternehmen und kann damit lediglich angeben, wie sich die Stimmung in den Märkten aktuell darstellt. Auch andere Wirtschaftsdaten zeigen meist nur, wie es den Unternehmen Stand jetzt geht. Das ist für den CFO zwar eine durchaus interessante und nützliche Information. Aber er will ja nicht nur wissen, wie die wirtschaftliche Lage aktuell ist, sondern vor allem, wie sie sich weiterhin entwickeln wird. Der Ifo-Index gibt keine Signale, ab wann sich Märkte und Wirtschaft drehen. Wenn er nach unten rauscht, ist das Kind schon in den Brunnen gefallen – es ist dann häufig zu spät, um die Unternehmensplanung noch anzupassen.

Woran sollten sich CFOs Ihrer Meinung nach stattdessen orientieren?
Wir wissen ja, dass die Finanzmärkte der konjunkturellen Entwicklung meistens ein Stück voraus eilen – das lässt sich beispielsweise anhand von Rezessionen gut erkennen, wenn die Aktienmärkte bereits wieder steigen, obwohl sich die Wirtschaft noch mitten im Abschwung befindet. Damit sich Finanzchefs dieses Vorauslaufen der Börse zu nutze machen können, sollten sie bestimmte Indikatoren im Blick behalten, die zuvor einen solchen Aufschwung oder Abschwung andeuten. Zum Beispiel die Entwicklung der Rohstoffpreise, der Zinsen oder der Wechselkurse.

Die Entwicklung dieser Faktoren haben die meisten CFOs beziehungsweise ihre Treasury-Abteilungen doch ohnehin im Blick.
Nun, es geht nicht darum, sich diese einzelnen Zahlen gesondert anzusehen. Vielmehr spielt das Zusammentreffen mehrerer Faktoren zu bestimmten Zeitpunkten eine entscheidende Rolle – richtig analysiert, können daraus die Wendepunkte zuverlässiger bestimmt werden als durch Hochrechnungen von Umfrageergebnissen oder Wirtschaftsdaten. 

Bessere Unternehmensplanung durch Big Data

Woher weiß man, wie genau die einzelnen Faktoren zusammenspielen?
Um das herauszufinden, muss man ökonomische Modelle, Ideen und Erkenntnisse auf die Börsendaten übertragen und die Zusammenhänge überprüfen – und zwar über viele Jahrzehnte hinweg. Eine Analyse in dieser Tiefe wurde in den vergangenen Jahren zunehmend durch moderne Big-Data-Tools ermöglicht, die diese riesigen Datenmengen clustern und in Zusammenhang bringen. Die dabei erkannten Gesetzmäßigkeiten sind dann die Basis für fortlaufende Echtzeitanalysen.

Wie genau kann ein CFO vorgehen, wenn er auf Basis von Börsendaten planen will?
Eine manuelle Analyse der Daten ist kaum möglich. Aber Finanzchefs oder ihre Finanzabteilungen können mithilfe spezieller Softwareprogramme, die mit diesen Algorithmen gefüttert wurden und fortlaufend die Ströme an den Finanzmärkten messen, die Entwicklungen gut im Blick behalten. Wobei ich nochmal betonen möchte: Das Ziel ist es ist nicht, prophetenartig Prognosen zu treffen, das kann niemand. Vielmehr geht es darum, auf Basis der Börsendaten vorherzusagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit und ab wann eine Trendwende ansteht. Wenn der Finanzchef weiß, ob eher mit einem Auf- oder Abschwung zu rechnen ist und erkennt, für welche Regionen, Branchen und Unternehmen es besser oder schlechter läuft, kann er auch leichter Unternehmensentscheidungen treffen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Hartmut Jaensch ist Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Volks- und Betriebswirte und geschäftsführender Gesellschafter des Softwarehauses Prediqma. Er forscht seit Ende der 1980er Jahre über Wirtschafts- und Börsenphasen und hat seine Erkenntnisse in die Entwicklung eines Online-Programms zur Analyse von Aktienmärkten einfließen lassen.