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Laune von CFOs auf dem Tiefpunkt

Weltweit schlagen die Erwartungen von CFOs eine Richtung ein: Es geht abwärts, zeigt eine Studie von Deloitte.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Weltweit ist die Stimmungslage von CFOs im dritten Quartal 2012 im Vergleich zu den vorangegangenen Monaten weiter gesunken. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Zusammenstellung von CFO-Umfragen, die von 14 Mitgliedsfirmen des Beratungsunternehmen Deloitte durchgeführt wurden. Obwohl sich die Situation in der Eurozone mittlerweile leicht entspannt hat, verhilft dieses CFOs aus Argentinien, Australien, Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Nordamerika, Norwegen, Österreich, Schweden und der Schweiz nicht zu einer optimistischeren Grundstimmung verglichen mit den vorangegangenen Quartalen.

Insgesamt erwartet mehr als die Hälfte der befragten CFOs einen Anstieg der Inflationsrate. Das ist mehr als doppelt so viel als im zweiten Quartal. Jedoch variieren die Gründe der Finanzchefs dafür von Land zu Land. In Australien erwarten 50 Prozent der befragten CFOs, dass das hohe Niveau der Unsicherheit noch ein oder zwei Jahre anhalten wird. Für 73 Prozent von ihnen ist der Abschwung in China der Hauptgrund dafür. In der Schweiz sorgen sich die Finanzchefs jedoch vielmehr über einen Nachfragerückgang aus dem Ausland und den starken Franken. Für sie sind das die Hauptverursacher ihrer Rezessionserwartungen. In den USA wiederum führen laut Umfrage die Unsicherheiten über die Fiskalklippe und die Präsidentschaftswahlen im November zu einem nachlassenden Optimismus unter den CFOs.

Die größten Risikofaktoren sehen die 125 befragten deutschen Finanzchefs in einem instabilen Finanzsystem (43 Prozent). Mehr als ein Drittel von ihnen rechnen mit steigenden Energiekosten. „Die Gefahren aus der Energiewende sind auf dem Radar der CFOs sehr weit oben“, sagt Dr. Alexander Börsch, Director Research bei Deloitte, während einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main in dieser Woche. Zudem steigen die Rezessionsängste: 37 Prozent der Befragten erwarten eine schwächere Inlandsnachfrage, fast genauso viele auch eine schwächere Auslandsnachfrage. Die CFOs setzen also derzeit alles daran, ihre Unternehmen krisenfest aufzustellen, wollen gleichzeitig aber auch die sich bietenden Wachstumsmöglichkeiten nutzen.

Fokussiert auf Kostensenkung

Neben den Sorgen über die Inflation haben CFOs weltweit noch eine andere Gemeinsamkeit: weitere Kostensenkungen. In Belgien beispielsweise ist die Prozentzahl der Finanzchefs für die Kostenreduktion die höchste Priorität hat, mit 66 Prozent laut den Studienautoren die höchste der vergangenen zwei Jahre. Die Prozentzahl ist ähnlich hoch in Deutschland (63 Prozent), mit 89 Prozent ist sie in der Schweiz sogar noch höher.

Von den 125 befragten deutschen CFOs geben fast zwei Drittel an, das Costcutting in den kommenden zwölf Monaten erste Priorität hat. Im Vergleich zu den Prioritäten vor sechs Monaten bedeutet das ein Anstieg von 20 Prozentpunkten. „Gleichzeitig verfolgen die deutschen Unternehmen aber auch ihre Wachstumsstrategien weiter“, sagt Börsch. „Das ist ein Unterschied beispielsweise zu den Unternehmen in UK, die derzeit keine Innovationen vorantreiben.“ Rund die Hälfte der deutschen Unternehmen wollen im Laufe der kommenden Monate neue Produkte und Dienstleistungen einführen, fast ein Drittel in neue Märkte expandieren. „Die deutschen Firmen verfolgen als Strategie eine kontrollierte Defensive.“

Vor diesem pessimistischen Hintergrund sind CFOs in jeder Region auch vorsichtig beim Thema Investitionen. In Großbritannien glauben die Finanzchefs laut Studie, dass das unvorhersehbare wirtschaftliche und finanzielle Umfeld der wichtigste Grund für die Zurückhaltung bei Investitionen ist. In Belgien haben sogar bereits 80 Prozent der CFOs ihre Investitionspläne zurückgeschraubt. In den USA sanken die Wachstumserwartungen bei den Kapitalinvestitionen von 11,4 Prozent auf 4,7 Prozent im dritten Quartal. Insgesamt zeigen die globalen Signale der CFOs laut „Global CFO Signal“-Studie, dass Finanzchefs weltweit weit entfernt davon sind, optimistisch in die Zukunft zu blicken.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de