Energiewende überfordert Unternehmen

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Ohne Offshore-Windparks keine Energiewende wird oft argumentiert – doch an der Netzanbindung der Windgiganten in der Nordsee beißt sich der niederländische Stromnetzbetreiber Tennet anscheinend die Zähne aus. 15 Milliarden Euro müssten nun in Deutschland investiert werden. Einem unbestätigten Bericht des Handelsblatt zufolge haben Allianz und Munich Re Interesse an der Übernahme und dem Ausbau des Tennet-Netzes – ihre finanzielle Schlagkraft ist erheblich größer als die der Niederländer. Selbst die Bundesregierung soll Tennet zum Verkauf drängen. Zu groß ist anscheinend die Angst, deutsche Haushalte und Unternehmen könnten ohne ausreichende Energieversorgung dastehen.

Derweil kämpfen viele Unternehmen im Sektor der erneuerbaren Energien ums nackte Überleben. Der Bau von Windparks gestaltet sich für viele Firmen schwieriger als gedacht. Viele Windunternehmen schreiben Verluste, Insolvenzen gab es etwa bei SIAG Schaaf, Prokon Nord bzw. Prior Energy. Rotorenhersteller wie Vestas oder REpower kämpfen ebenso um ihre Einkünfte wie die siechende Solarindustrie. Centrosolar-CEO Dr. Alexander Kirsch klagte kürzlich im Interview mit FINANCE-TV:„Noch sinken die Marktpreise schneller als die Kosten. Deshalb ist es nicht möglich, Gewinne zu machen.“

Strauchelnder Liebling

Auch die einstige Solarhoffnung Solarworld schwächelt. Nach dem ersten Halbjahr steht der Konzern von Solarworld-Chef Frank Asbeck, der vorübergehend auf seine Bezüge verzichtet, schlechter da als erwartet. Solarworld gehört zu einer Reihe von Solarunternehmen, die vom steigenden Preisdruck in der Krise getroffen wurden.

Das Unternehmen teilte heute mit, der „durch Preisdumping ausgelöste Preisverfall“ sei wesentlicher Grund für die sinkenden Umsätze. Der Konzernumsatz sank im 1. Halbjahr auf 340,1 Millionen Euro (H1 2011: 533,6 Mio.). Das EBIT betrug im 1. Halbjahr -143,8 Millionen Euro (H1 2011: 70,5 Mio.).
Das Unternehmen meldete, das Ziel eines operativen Gewinns sei in diesem Jahr „unter Berücksichtigung der aggressiven und von illegalen Handelspraktiken geprägten Marktlage“ nicht zu erreichen. Man wolle dem Preisdumping mit technologischen Innovationen begegnen und 50 Millionen Euro in die Entwicklung neuer Produkte investieren. Die Aktionäre überzeugte dies anscheinend wenig, an der Börse brach der Aktienkurs heute Vormittag um mehr als 11 Prozent auf 1,12 Euro ein. Analysten und Händler bezeichneten die Ergebnisse öffentlich als „meilenweit unter den Erwartungen“ und als „richtig übel“.