Newsletter

Abonnements

CFO-Dilemma: Aggressive Steuerplanung in der Kritik

Wo liegt die Grenze zwischen Steueroptimierung und aggressiver Steuerplanung?
Thinkstock / Getty Images

Ein Klassiker der aggressiven Steuergestaltung funktioniert verhältnismäßig einfach: Ein Konzern überträgt einer Tochterfirma in einer Steueroase seine Lizenzen, für deren Nutzung seine Gesellschaften in Ländern hoher Steuersätze Gebühren entrichten müssen. Diese mindern einerseits als Kosten den zu versteuernden Gewinn in Ländern mit hohen Steuersätzen, während andererseits der Lizenzgeber in der Steueroase auf sein Einkommen wenig oder sogar keine Steuern zahlen muss. Gespart wird bei diesen sogenannten Inbound-Lizenzen folglich doppelt. Dass Unternehmen diese Modelle nutzen, ist zunächst völlig legal. Schließlich existieren sie als Ergebnis des globalen Standortwettbewerbs, den die verschiedenen Staaten, oder landesweit verschiedene Kommunen anfachen.

Die bisherigen Strategien zur Steuervermeidung sind zwar legal, erscheinen jedoch nicht in allen Fällen legitim. Doch das Feld ist heikel. Der deutsche Corporate Governance Kodex, sonst selten um Ratschläge zur guten Unternehmensführung verlegen, wollte sich diesbezüglich allerdings nicht äußern. Immer häufiger stellen Steuerbehörden die Steuerplanung vieler Großkonzerne an den Pranger, um öffentlichen Druck auszuüben. Kein Wunder: Der Refinanzierungsbedarf der Staaten und Kommunen steigt, Der Kommunale Finanzreport 2013 der Bertelsmann-Stiftung zeigt etwa das Ausmaß der Verschuldung deutscher Gemeinden. Die Konsolidierung der mehrheitlich drastisch überschuldeten Kommunen wird über deutliche Erhöhungen der Gewerbesteuern angestrebt. Die Ergebnisse der DIHK – Hebesatzumfrage 2013 zeigen, dass die kommunalen Gewerbesteuern in den vergangenen Jahren bereits kontinuierlich gestiegen sind. Rund ein Drittel aller Gemeinden ab 50 000 Einwohner erhöht den Hebesatz. Unter den Flächenländern ist Brandenburg mit 378 Prozent am günstigsten und Nordrhein-Westfalen mit 459 Prozent am teuersten.

Auch innerhalb der Bundesländer nimmt die Spreizung deutlich zu. Die einzelnen Standorte weisen Unterschiede von über 200 Prozent auf. Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, die Stadtstaaten und Großstädte ab 500 000 Einwohnern (mit Ausnahme von Dortmund) beließen es bei den bisherigen Hebesätzen. Auch hier funktioniert der Steuerwettbewerb. Für die Unternehmen entsteht damit eine zunehmende Drucksituation: Da sich spätestens seit der Festlegung des Corporate Governance Kodex im Jahr 2002 immer mehr Unternehmen verantwortliches und nachhaltiges Handeln sowie soziales Engagement auf die Fahne schreiben, geraten Unternehmen mit geringer Steuerquote auf öffentlichen Druck in Erklärungsnot. Der Vorwurf der Doppelmoral steht im Raum. Doch ein vorschnelles Urteil wird dem Stakeholder-Konflikt der verantwortlichen Finanzvorstände nicht gerecht. Neben Fiskus und Gesellschaft sind die Anteilseigner der Unternehmen eine weitere wichtige Anspruchsgruppe. Der Shareholder-Value-Gedanke versucht deren Interesse in Form steigender Kurse und Dividenden Rechnung zu tragen. CFOs müssen für hohe Gewinne sorgen, um liquide Mittel freizusetzen und für Investoren attraktiv zu sein.

christiane.durner[at]finance-magazin.de

Lesen Sie im zweiten Teil, welche Folgen das ZEW-Konzept zur Quellensteuer hätte und was das Country-by-Country-Reporting bringen könnte.

Themen