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Defined Contribution Modell auf dem Vormarsch

Die Airline SAS stellt ihren Pensionsplan auf defined contribution um.
SAS

Im Kampf um das wirtschaftliche Überleben macht die skandinavische Fluggesellschaft SAS auch vor den Pensionsansprüchen ihrer Mitarbeiter nicht halt: Um die Verpflichtungen in der Bilanz gering zu halten und negative Auswirkungen auf das Eigenkapital zu begrenzen, stellt das Unternehmen seinen Pensionsplan um. In Zukunft haben die Angestellten keinen Anspruch mehr auf eine Auszahlung in einer bestimmten Höhe – und das Unternehmen zahlt dafür so viel ein wie notwendig, trägt also das gesamte Investmentrisiko. Von nun an ist stattdessen der Firmenbeitrag fix und die Betriebsrente richtet sich nach der Situation auf dem Kapitalmarkt: vom defined benefit (DB) zum defined contribution (DC) System.

Das DC-System ist aber nicht nur für kriselnde Unternehmen interessant. Auch CFOs gutlaufender Firmen plagen derzeit Sorgen, weil die Pensionszusagen an ihre Mitarbeiter immer mehr zur Last in der Bilanz werden: Wegen der niedrigen Zinsen auf AA-geratete Anleihen, die als Referenzsatz für die Bewertung von Pensionsverpflichtungen herangezogen werden, müssen sie die Zusagen mit einem höheren Wert auf der Passivseite ansetzen. Laut einer Studie der Beratung Towers Watson stiegen die Verpflichtungen aus der Betriebsrente bei DAX-Unternehmen von 259 Milliarden Euro Ende 2011 auf 281 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2012, im MDAX von 34 auf 37 Milliarden Euro – und der Trend zeigt weiter nach oben. „Wir erwarten für Ende 2012 eine weitere erhebliche Steigerung aufgrund der Zinssituation“, sagt Alfred Gohdes, Pensionsexperte bei Towers Watson.

Negative Auswirkungen auf Eigenkapital möglich

Die Lage sei zwar nicht rosig, aber auch nicht alarmierend, wie Gohdes versichert. Denn zum einen würde die große Mehrheit der Zusagen erst in den kommenden Jahrzehnten fällig, zum anderen steigen derzeit auch die Vermögen auf der Aktivseite – der Deckungsgrad der Verpflichtungen sinkt also nur leicht. „Die Rendite ist momentan nur für frisch gekaufte Papiere gering. Weil Pensionskassen aber langfristig anlegen, profitieren sie jetzt von den höheren Renditen alter Wertpapieren, wegen den niedrigen Marktzinsen steigt auch ihr Wert in den Büchern“, so Gohdes.

Trotzdem können die niedrigen Zinsen schon jetzt gravierende Folgen haben: Volkswagen etwa musste seine Rückstellungen zwischen Juli und September um 2,5 Milliarden Euro erhöhen, RWE und Siemens jeweils um rund 1 Milliarde Euro. Diese höheren Reserven verschieben wiederum das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital – und könnten damit die Ratings einiger Unternehmen gefährden.

Mehr Planungssicherheit mit DC-Modell

Das DC-System kann dieses Problem zumindest eindämmen, denn hier leistet das Unternehmen einen festen Beitrag zur betrieblichen Altersvorsorge – unabhängig von der Situation am Kapitalmarkt. Für die Arbeitnehmer kann das gut oder schlecht sein, für CFOs bedeuten die festen Beiträge aber vor allem eines: Mehr Planungssicherheit, was die Kosten angeht. Und so können sie auch Bilanzkennzahlen aktiver managen. Wegen dieser Vorzüge hatte bereits 2009 eine Studie von Allianz Global Investors ergeben, dass europäische Pensionsexperten mit einer Umstellung von DB- auf DC-Modelle rechnen: 58 Prozent der deutschen Experten erwarteten damals eine Dominanz des DC-Modells, in der UK und der Schweiz waren es sogar 90 Prozent. Wegen der aktuell niedrigen Zinsen rückt das Thema nun noch stärker in den Fokus.

Laut Gohdes haben die Unternehmen ihre Hausaufgaben in den vergangenen Jahren gemacht und sich bereits vom reinen DB-System verabschiedet: „Viele haben bereits vor Jahren vorgesorgt und die Risiken ihrer Pensionsplänen neu strukturiert oder abgesichert. So sind beispielsweise die Pensionen nicht mehr automatisch an Gehaltserhöhungen geknüpft und anstelle von lebenslangen Renten sind die Systeme häufig auf Kapitalzusagen umgestellt worden.“ Die Annäherungen an das DC-Modell sind unübersehbar.

redaktion[at]finance-magazin.de

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