140.000 Euro Zwangsgelder wurden gegen die Deutsche Cannabis AG aufgesetzt, weil sie gegen eine Vorschrift des Wertpapierhandelsgesetzes verstoßen hat.

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29.09.16
Finanzabteilung

Dicke Strafe für Deutsche Cannabis AG

Die BaFin hat die Deutsche Cannabis AG zu einem hohen Zwangsgeld verdonnert: 140.000 Euro fordert die Finanzaufsicht wegen fehlender Finanzberichte. Doch das schillernde Investmenthaus hat noch einen Ausweg.

Die Deutsche Cannabis AG, ein deutscher Finanzinvestor, der in US-Cannabishersteller investieren will, hat von der Finanzaufsicht BaFin ein Zwangsgeld in Höhe von 140.000 Euro aufgebrummt bekommen. Das Unternehmen ist laut BaFin seiner Pflicht zur Vorankündigung von Finanzberichten nicht nachgekommen. Um welche Jahre es sich genau handelt, durfte die Finanzaufsicht nicht mitteilen.

Die Deutsche Cannabis gab jedoch gegenüber FINANCE zu, dass ihre Jahresbilanzen von 2011 bis 2014 noch nicht veröffentlicht worden seien. Grund dafür sei eine interne Umstrukturierung. „Als die F.A.M.E AG 2014 zur Deutschen Cannabis geworden ist, hat keine geordnete Übergabe durch den damaligen Vorstand stattgefunden“, verteidigt sich André Müller, der seit Ende 2015 Vorstandschef der Deutschen Cannabis ist. Ihm zufolge seien das neue Management und seine Steuerberater dabei, die Bilanzen der vergangenen Jahre zu sichten und zusammenzustellen. Das scheint nicht ganz einfach zu sein: „Sie wurden nur in Papierform abgeheftet und sind auf keinem Server gespeichert“, erklärt Müller.

Kann die Deutsche Cannabis der Strafe noch entgehen?

Gemäß Paragraph 37 des Wertpapierhandelsgesetzes müssen börsennotierte Unternehmen ihre Jahresbilanz innerhalb von vier Monaten nach Abschluss des Geschäftsjahres erstellt und veröffentlicht haben. Die Höhe von Zwangsgeldern richtet die BaFin nach der Relevanz des jeweiligen Verstoßes. Die Höchstgrenze liegt bei 250.000 Euro.

Die Deutsche Cannabis will nun versuchen, im Dialog mit der BaFin das Zwangsgeld herunter zu handeln oder die Strafe gar ganz abzuwenden. CEO Müller geht mit einer klaren Zusage in die Gespräche mit den Finanzaufsehern: „Die Jahresbilanzen von 2011 bis 2014 werden wir voraussichtlich bis November oder Dezember diesen Jahres veröffentlichen.“

Liefert Müller, hat die Deutsche Cannabis gewisse Chancen, zumindest der BaFin-Strafe noch zu entgehen. Wenn die Vorankündigungen nachgeholt werden, „entfallen die Zwangsgelder grundsätzlich“, teilte die Finanzaufsicht gegenüber FINANCE mit. Allerdings hat das Unternehmen auch die Berichtspflichten verletzt. So könnten der Deutschen Cannabis AG noch Bußgelder von der Deutschen Börse und/oder den Justizbehörden drohen.

So merkwürdig das bei einem börsennotierten Unternehmen klingen mag: Für die Deutsche Cannabis könnte die Frage, ob die nicht gelieferten Finanzberichte tatsächlich zu Strafzahlungen führen, existentielle Bedeutung annehmen. Die Finanzholding bringt es gerade mal auf einen Börsenwert von 1 Million Euro. Wie es um die Finanzlage steht, ist völlig unklar. Der Börsenwert liefert aber Hinweise darauf, dass die im Raum stehenden Strafen und Zwangsgelder für die Deutsche Cannabis AG kein Pappenstiel sind.

Kapitalerhöhung der Deutschen Cannabis gefloppt

Das Berliner Private-Equity-Hauswar einst auf Investments in Solarparks und Photovoltaikanlagen spezialisiert, ist damit allerdings 2013 insolvent gegangen. Ein neues Management erweckte die leere AG-Hülle im September 2014 wieder zum Leben und setzt auf das Geschäft mit Cannabisprodukten, das in Nordamerika boomt, seit Cannabis in einigen US-Bundesstaaten legalisiert worden ist.

Die dafür angestrebte Kapitalerhöhung endete Anfang 2015 aber mit einer Enttäuschung. Das Unternehmen konnte offenbar statt der geplanten 4,5 Millionen nur 250.000 neue Aktien zum Bezugspreis von 1 Euro das Stück platzieren. Auch ein geplanter PR-Coup glückte dem Unternehmen nicht. Von dem Plan, die 1. Deutsche Cannabismesse zu veranstalten, nahm die Deutsche Cannabis AG im vorigen Jahr schnell wieder Abstand.   

Auch zu der Frage, inwieweit schon nennenswerte Investments in den US-Cannabismarkt getätigt worden sind, gibt es keine gesicherten Erkenntnisse.  Vorstandschef Müller sieht das Unternehmen aber  dennoch auf einem guten Weg: „Die Lage bei der Deutschen Cannabis hat sich nach der Neuausrichtung 2014 verbessert. Dies spiegelt sich auch in der Wiederbelebung des operativen Geschäftes wieder.“

Die Aktie wird kaum gehandelt, die Kursentwicklung hat nur wenig Aussagekraft. Im Frühsommer 2014 lag der Aktienkurs noch bei 0,10 Euro, inzwischen liegt er zwischen 0,30 und 0,40 Euro.

bita.mohammadi[at]finance-magazin.de