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Druck durch die Telekom? M&A-Experte Wagner verlässt Hogan Lovells

Interessenkonflikt wegen der Deutschen Telekom? Hogan Lovells und Christoph Wagner haben sich getrennt.
Thinkstock / Getty Images

Der bekannte M&A-Anwalt Christoph Wagner hat die Kanzlei Hogan Lovells unerwartet verlassen. Wagner war bis Ende August Leiter des Berliner Büros vom Hogan Lovells und zudem stellvertretender Europa-Chef der Bereiche M&A, Medien und Telekommunikation. Er arbeitete seit der Gründung für Hogan Lovells, zuvor war er Partner im Berliner Büro der Kanzlei Hogan & Hartson, die sich 2010 mit Lovells zusammenschloss. Wagner gilt als einer der bekanntesten M&A- und Medienanwälte in Deutschland und hat sich unter anderem mit Transaktionen der Sender Vox und ProSiebenSat1 sowie der langjährigen Beratung des Abosenders Sky einen Namen gemacht.

Ausgerechnet die enge Beziehung von Hogan Lovells zur Deutschen Telekom könnte Wagner nun möglicherweise zum Verhängnis geworden sein. Wagner hatte im Mai in einem Beitrag in der F.A.Z. geschrieben, dass die Pläne der Telekom, die Internetzugänge ihrer Kunden ab einem bestimmten Datenvolumen zu drosseln, eventuell zu Konflikten mit dem Kartellrecht führen könnten. Die Telekom ist langjährige Mandantin der Kanzlei. Zuletzt hatte Hogan Lovells die Citigroup beraten, die die Telekom bei der erstmaligen Begebung einer Scrip-Dividende  unterstützt hatte. Hogan Lovells wollte sich auf Anfrage nicht zu den Ursachen für Wagners Ausscheiden äußern, sondern verwies lediglich darauf, dass der Ausstieg „vereinbart“ gewesen sei.

Die Telekom ist langjährige Lovells-Mandatin

Ob die Telekom infolge von Wagners Artikel Druck auf Hogan Lovells ausgeübt hat oder ob die Kanzlei sich selbst gezwungen gesehen hat, ein Zeichen zu setzen, bleibt damit im Dunkeln. Für eine einseitige Kündigung durch Hogan Lovells dürfte Wagners Zeitungsbeitrag wohl keine ausreichende Grundlage geboten haben. Berufsrechtlich ist dieser Weg zwar möglich, wenn ein Anwalt seine Loyalitätspflicht gegenüber einem Mandanten verletzt – dabei geht es allerdings um die Annahme von Mandaten für Konkurrenzunternehmen oder die Weitergabe vertraulicher Informationen.

Nicht auszuschließen ist zumindest, dass es der Telekom sauer aufgestoßen ist, als sie von den kartellrechtlichen Bedenken aus der Zeitung erfahren hat und Hogan Lovells sich daher mit Wagner auf eine Aufhebung verständigt hat.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

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