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FX-Hedging: Wie CFOs 2015 das Währungsrisiko absichern

Wird den Wechselkurs des Euros im kommenden Jahr maßgeblich beeinflussen: die EZB.
JChambers/iStock/Thinkstock/Getty Images

Für das kommende Jahr zeichnet sich ein wichtiger Trend für CFOs und Treasurer ab: „Die Politik der Zentralbanken wird die Währungsmärkte 2015 dominieren“, sagt Michael Sneyd, FX-Stratege bei BNP Paribas.

Denn die EZB verschärft ihre Rhetorik: Noch verzichtet die Zentralbank zwar auf breitangelegte Ankäufe von Staatsanleihen. Doch Zentralbankchef Mario Draghi kündigte bei der gestrigen EZB-Sitzung an: Schon 2015 könnte die quantitative Lockerung (QE) an Geschwindigkeit zulegen. Damit will die Notenbank vor allem die geringe Inflationsrate von zuletzt 0,3 Prozent im Euroraum anheizen. Den Verfall des Euro, den sie damit ebenfalls vorantreibt, nimmt sie mindestens billigend in Kauf, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Während die EZB ihre Geldpolitik weiter lockert, erwarten die Analysten von BNP Paribas, dass die Fed und die Bank of England ihre Zügel im kommenden Jahr anziehen werden. Schon Mitte 2015 könnte die US-Notenbank angesichts besserer Konjunkturzahlen ihren Leitzins von derzeit 0 bis 0,25 Prozent erhöhen. „Die Bank of England dürfte ebenfalls zur Jahresmitte anziehen, weil wir wahrscheinlich zu Beginn des Jahres einen Anstieg des Lohnwachstums in Großbritannien sehen werden“, sagt Sneyd. Der Euro, der schon heute mit 1,24 US-Dollar und 0,79 Pfund auf langjährigen Tiefständen notiert, dürfte dadurch weiter an Wert verlieren.

FX-Analysten uneinig: Mehr Volatilität oder mehr Stabilität?

Doch ob dies in einem zweiten Schritt auch zu einem Währungskrieg führen wird  – die Fed und die Bank of England also wieder expansiver agieren werden, wenn die heimische Währung zu stark wird –, darüber gehen die Meinungen stark auseinander. „Falls sich die wirtschaftlichen Daten aus den USA verschlechtern, könnte die Fed durchaus ihre Geldpolitik überdenken und die Währungsmärkte daraufhin die Richtung wechseln“, sagt Martin Güldenberg, Managing Director bei Barclays. Der Euro könnte also wieder aufwerten, vor allem würden die Wechselkurse in diesem Szenario noch unberechenbarer.

BNP Paribas ist anderer Meinung: „Wir gehen davon aus, dass der Markt im kommenden Jahr wichtige Währungsentwicklungen deutlicher im Blick haben wird als in den vergangenen drei bis vier Jahren“, sagt Sneyd. Mit anderen Worten: Weniger Überraschungen und weniger Ausschläge bei den Wechselkursen.

Einen Währungskrieg erwartet der FX-Analyst nicht: „Die USA und Großbritannien werden von der expansiven Geldpolitik der EZB profitieren, denn das wird die wirtschaftliche Aktivität  beflügeln und für sie die Risiken für das eigene Wachstum reduzieren.“ Die positiven Wachstumseffekte dürften die Bedenken der Notenbanker hinsichtlich der Wirkung einer Aufwertung von US-Dollar und Pfund überwiegen.

CFOs und Treasurer sollten beim Hedging flexibel bleiben

Für CFOs und Treasurer bedeutet die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Wechselkurse, dass sie beim Hedging flexibel bleiben müssen. „In deutschen Unternehmen ersetzen deshalb gerade vermehrt optionsbasierte Absicherungsstrategien die klassischen Währungstermingeschäfte“, beobachtet Barclays-Experte Güldenberg. Eine weitere Abwertung der Gemeinschaftswährung wäre ein Vorteil für alle Unternehmen, die hohe Forderungen in Fremdwährungen haben – und eine schwere Hypothek für Firmen mit hoher Verschuldung in Fremdwährungen.

Mit Optionsgeschäften, die in die Gegenrichtung ausgerichtet sind, könnten CFOs, denen bilanziell oder cashflow-seitig Nachteile aus der Währungsentwicklung ins Haus stehen, cash-wirksame Absicherungsgewinne realisieren. Die Kosten für dieses sonst eher teure Absicherungsinstrument seien historisch gesehen gerade niedrig, so Güldenberg.

BNP Paribas: Keine Kapitalflucht aus den Schwellenländern

Etwas klarer scheint die Lage beim Währungsrisiko in den Schwellenländern:„Gegenüber dem Euro dürften die Schwellenländerwährungen aufwerten“, ist sich BNP-Analyst Sneyd sicher. 2013 hatte die Ankündigung der Fed, das Quantitative Easing zurückzufahren, noch für eine Kapitalflucht aus den Schwellenländern gesorgt und den brasilianischen Real, die türkische Lira oder die indische Rupie stark unter Druck gesetzt. All diese Währungen hatten zuvor von Carry Trades profitiert, die zu hohen Kapitalflüssen in die Schwellenländer geführt hatten.

Die Reaktion auf einen Zinsanstieg der Fed im kommenden Jahr dürften hingegen ruhiger ausfallen, erwartet Sneyd: „2013 war das Tapering eine Überraschung, für das kommende Jahr haben die Märkte eine Zinserhöhung hingegen schon eingepreist.“ Außerdem hätten jüngst eingeleitete Reformen etwa in Mexiko und Indien dazu geführt, dass diese Länder bei Investoren beliebter würden. Deutsche Exporteure würden sich darüber freuen – jene Unternehmen, die vor Ort lokal für den Export in Nachbarländer produzieren, eher nicht.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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