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„Korruption kann man nicht outsourcen“

Südostasien lockt deutsche Unternehmen – die die Compliance-Risiken vor Ort allerdings nicht unterschätzen sollten.
Thinkstock / Getty Images

Nicht nur große Unternehmen sind in Südostasien aktiv, auch viele Mittelständler lockt neben China besonders die wachstumsstarke ASEAN-Region, deren Länder jedoch in den bekannten Korruptionsindices immer noch hintere Plätze belegen. Wissen die Unternehmen, welche Risiken sie eingehen?
Nicht unbedingt. Es ist erstaunlich, wie hemdsärmelig gerade mittelständische Unternehmen in der Region vorgehen. Viele schalten einfach einen Agenten ein und interessieren sich dann nicht dafür, was der dort im Detail unternimmt. Dabei übersehen sie, dass fast alle Länder in Südostasien ihre Anti-Korruptionsgesetze in den letzten Jahren deutlich verschärft haben und Korruptionsfälle auch grenzüberschreitend stärker verfolgen. Aber Korruption lässt sich nicht einfach an einen Vermittler „outsourcen“.

Welche Rolle spielen die Vermittler bei Geschäften?
Egal, ob ein deutsches Unternehmen einen Deal machen möchte, einen Joint-Venture-Partner oder bloß Kontakt zu einem lokalen Unternehmen sucht: Für alle Fälle gibt es entweder spezialisierte Consulting-Firmen oder auch private Mittelsmänner, die Kontakte gegen Geld herstellen. Die privaten Mittler sind dabei nicht selten auch ehemalige Regierungsbeamte. Zwar ist gegen den Einsatz eines Mittelsmannes per se überhaupt nichts einzuwenden. Aber nur, so lange er die an ihn gezahlte Provision oder Vergütung nicht zur Bestechung einsetzt. Genau diese Fallkonstellationen haben zum Beispiel bei Siemens oder MAN für die großen Schmiergeldskandale gesorgt.

Wie können sich Unternehmen absichern?
Das Unternehmen muss auf jeden Fall in einen schriftlichen Vertrag mit dem Vermittler aufsetzen, in dem die Tätigkeit des Vermittlers genau beschrieben wird, und die Höhe und die Struktur der Vergütung – zum Beispiel, ob nach Stunden- oder Tagessätzen abgerechnet wird – transparent und nachvollziehbar festgelegt wird. Außerdem muss die Höhe der Vergütung marktüblich sein. Was das genau bedeutet, lässt sich entweder durch Industriestandards oder vor Ort in Erfahrung bringen. Bei vielen Vermittlungsgeschäften liegt eine marktübliche Provision bei etwa 3 bis 5 Prozent der Geschäftssumme. Wird der marktübliche Rahmen überschritten, muss der Vermittler schriftlich erklären, warum er eine höhere als die marktübliche Vergütung verlangt. Außerdem darf in dem schriftlichen Vertrag auf keinen Fall eine Compliance-Klausel fehlen, die vom Mittelsmann verlangt, sich nach den Compliance-Vorgaben des beauftragenden Unternehmens zu richten.

Gerade Mittelständler haben aber ja häufig gar keine detaillierten Compliance-Richtlinien oder einen Code of Conduct.
In solchen Fällen kann man den Geschäftspartner im Vertrag alternativ dazu verpflichten, sich an die nationalen Anti-Korruptionsgesetze zu halten. Da dies im Grunde eine selbstverständliche Erklärung ist, ist es natürlich aber besser, einen eigenen Verhaltenskodex im Unternehmen zu haben, der für alle Mitarbeiter des Unternehmens gleichermaßen gilt. Ein gut verfasster Code of Conduct muss auch gar nicht überbordend sein. Es genügt, wenn er kurz und knapp die wichtigsten Punkte vor allem zu den Themen Korruption und Interessenkonflikt, Wettbewerbsrecht, Geldwäsche und Datenschutz regelt. Dafür können auch einmal fünf Seiten reichen. Wichtig ist, dass der Code of Conduct nicht in kompliziertem Juristenjargon verfasst ist, sondern eine anschauliche und lebendige Sprache verwendet, idealerweise mit Beispielen.

Führt denn generell kein Weg am Einsatz eines Agenten oder Beraters vorbei?
Doch. Zwar gibt es die typischen sensitiven Bereiche wie Energie, Bergbau und Telekommunikation, da kommt man ohne Mittelsmann wirklich nicht weit. Aber in allen anderen Feldern können Unternehmen auf diese Unterstützung verzichten, wenn sie den Markt und die Region erst einmal selbst erforschen – zum Beispiel indem sie vor Aufnahme der Geschäftstätigkeit zunächst ein Büro in dem betreffenden Land eröffnen und sich Zeit nehmen, um selbst Kontakte zu knüpfen.

Die Kosten dafür dürften gerade CFOs kleinerer Unternehmen aber abschrecken.
Das ist genau das Problem. Einen Mittler einzuschalten, ist auf den ersten Blick eine bequeme Lösung. Man sollte sich aber fragen, was am Ende teurer ist: Eine Präsenz vor Ort aufzubauen oder einen Compliance-Vorfall im Unternehmen zu haben. Die Kosten für eine kleine Niederlassung kann der CFO kalkulieren, die Folgekosten eines Bestechungsskandals nicht.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

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