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Porsche: Hedgefonds-Urteil gibt Ex-CFO Härter Rückenwind

Das OLG Stuttgart hat die Klage mehrerer Hedgefonds zurückgewiesen, die sich über Porsches Informationspolitik im Vorfeld der gescheiterten VW-Übernahme beklagt hatten.
Porsche Holding SE

Teilerfolg für Porsche: Das Oberlandesgericht Stuttgart hat die Schadensersatzklage von 19 Hedgefonds zurückgewiesen. Die Hedgefonds hatten insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro von dem Automobilhersteller gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, eine Revision wurde vom OLG Stuttgart jedoch nicht zugelassen. Die Hedgefonds können aber eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof einreichen.

Hintergrund der Klage waren Kursveränderungen der VW-Aktie im Zusammenhang mit dem gescheiterten Übernahmeversuch durch Porsche. Die Fonds behaupten, der damalige Vorstand der Holding rund um CEO Wendelin Wiedeking und CFO Holger Härter hätte bereits im Februar 2008 die feste Absicht gefasst, 75 Prozent der VW-Stammaktien zu erwerben und dann einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit dem Automobilkonzern angestrebt. Offiziell gab Porsche diese Absicht und den geplanten M&A-Deal jedoch erst im Oktober 2008 bekannt.

Porsche hatte nach Ansicht der Hedgefonds im Vorfeld irreführende Angaben gemacht. Bei der Beweisführung stützen sich die Hedgefonds auf eine Pressemitteilung und öffentliche Äußerungen von Porsche sowie die Angaben des Investor-Relations-Managers, in denen 2008 zunächst eine mögliche Aufstockung der Anteile an VW dementiert worden war. Die Hedgefonds hatten damals aufgrund der Informationen auf sinkende Kurse gewettet und massive Verlust eingefahren, als der Kurs der VW-Aktie nach der offiziellen Übernahmeankündigung zwischenzeitlich enorm in die Höhe schnellte.

Porsche: Klage über 1,2 Milliarden Euro in zweiter Instanz abgewiesen

Das OLG Stuttgart konnte indes keine „grob unrichtigen Auskünfte“ feststellen. Die Pressemitteilung der Porsche Holding sei „allenfalls doppeldeutig gewesen“, heißt es. Zudem hätten die Hedgefonds selbst den Kontakt zu Porsche gesucht und die Aussagen des Investor-Relations-Managers nicht als zielgerichtete Desinformation gewertet werden können. Damit bestätigt das OLG Stuttgart das Urteil des Landgerichts Stuttgart vom März 2014, das die Klage in erster Instanz abgewiesen hatte.

Trotz des Teilerfolgs sieht sich die Porsche SE jedoch mit zahlreichen weiteren Rechtsstreitigkeiten konfrontiert, die durch den Übernahmekrimi entstanden sind, unter anderem an den Landgerichten Hannover, Braunschweig und Frankfurt am Main. Insgesamt stehen noch Forderungen institutioneller Anleger von über 5 Milliarden Euro im Raum. In allen vier bislang abgeschlossenen Verfahren wurde Porsche bislang Recht gegeben.

Gute Nachrichten für Ex-CFO Härter?

Für den früheren CEO Wiedeking und CFO Härter laufen indes noch strafrechtliche Verfahren wegen des Verdachts auf Marktmanipulationen. Für ihre Anwälte dürfte das zivilgerichtliche Urteil eine Steilvorlage sein: Zwar sind die Strafrichter nicht an die Entscheidung des Zivilgerichts gebunden. Sie dürften sich den Erkenntnissen dort allerdings wohl kaum vollständig widersetzen – es sei denn, es tauchen neue Beweise auf.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

jakob.eich@finance-magazin.de | + posts

Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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