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Ranking der Compliance-Berater: Boutiquen halten mit

Die Compliance-Beratung ist ein lukratives Betätigungfeld – auf dem auch kleine Boutiquen einen ordentlichen Marktanteil und Reputation erkämpft haben.
violetkaipa/iStock/Thinkstock/Getty Images

Compliance-Beratung ist für Anwälte ein lukratives Spielfeld geworden, auf dem sich neben den internationalen Großkanzleien auch immer mehr kleinere Boutiquen behaupten. Das zeigt ein Ranking, das die „Wirtschaftswoche“ veröffentlicht hat.
 
Gehörte das Compliance-Feld vor ein paar Jahren noch gemeinsam mit dem Wirtschaftsstrafrecht zu einer Nische, die viele Kanzleien für die prestigeträchtigen Bereiche wie M&A- und Kapitalmarkt-Beratung vernachlässigt haben, hat mittlerweile jede große Kanzlei selbstverständlich Compliance im Beratungsportfolio.

Und nicht nur das: Daneben entstehen immer mehr Boutiquen, die sich ausschließlich auf Compliance- und Wirtschaftsstrafrechtsfragen spezialisieren – kein Wunder, denn die Nachfrage steigt mit der immer weitreichenderen Haftung von Spitzenmanagern; Viele Vorstände treffen wichtige Entscheidungen nicht mehr ohne den Haftungsexperten an ihrer Seite.

Für Anwälte zahlt sich Compliance-Beratung aus

Für die Anwälte zahlt sich die Nachfrage unmittelbar aus, sie können heute im Compliance-Bereich deutlich höhere Stundensätze aufrufen als in den meisten anderen Bereichen. Gut zehn Jahre nach dem Aufkommen der großen Compliance-Welle haben sich auch viele Spezialkanzleien schon einen Namen in der Szene gemacht und werden in dem WiWo-Ranking der Top 25 Compliance-Beratungen auf Augenhöhe mit den klassischen Playern gelistet. Über die Positionierung entschieden hat ein dreistufiges Verfahren, in dem Datenbankrecherchen und Experteneinschätzung berücksichtigt worden sind.

In die Bewertung eingeflossen sind Faktoren wie Erfahrung der Berater und Erfolge in vergangenen Mandaten, aber auch die Größe des Teams. Wenig überraschend ist, dass sich gut zwei Drittel der Top-25-Kanzleien aus bekannten internationalen Law Firms wie Allen & Overy, Freshfields und Linklaters beziehungsweise unabhängigen deutschen Großkanzleien wie Hengeler Müller und Noerr rekrutiert.

Aber trotz der Bedeutung großer Teams haben es auch sechs Anwaltsboutiquen mit maximal 17 Berufsträgern in das Ranking geschafft: Die Kanzleien Baum Reiter, Dierlamm, Glade Michel Wirtz, Knierim, tdwe Thomas Deckers Wehnert & Elsner sowie Wessing & Partner.

Viele Manager setzen auf kleinere Kanzleien

Neben der generellen Compliance-Beratung, die die Risikoanalyse eines Unternehmens und den Aufbau von Überwachungsstrukturen umfasst, profilieren sich kleinere Kanzleien besonders mit der Verteidigung von Einzelpersonen. So hat der Jurist Sven Thomas von tdwe sich in der Öffentlichkeit als Verteidiger von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone und Rechtsbeistand des ehemaligen Arcandor-Chefs Thomas Middelhoff einen Namen gemacht.

In ähnlicher Weise ist auch der einzige im Ranking vertretene Einzelanwalt, Franz Salditt aus Neuwied, bekannt geworden: Er hat – lange, bevor „Compliance“ in deutschen Unternehmen zum Thema geworden ist – in den 1990er-Jahren bereits den Bauunternehmer Jürgen Schneider in einem der bis dato größten Wirtschaftsstrafprozesse in Deutschland vertreten. Auch heute, zwei Jahrzehnte danach, zählt Salditt noch zu den wichtigsten Compliance-Anwälten Deutschlands.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

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