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So hohe Kartellbußen wie noch nie

In vielen Ländern sind 2014 so hohe Kartellstrafen verhängt worden wie noch nie.
Alexander Raths/iStock/Thinkstock/Getty Images

Das Bundeskartellamt hatte schon lange vor Ende des Jahres 2014 die bisherige Höchstmarke an verhängten Kartellstrafen übertroffen. Aber nicht nur in Deutschland, auch in anderen Ländern war das vergangene Jahr ein Jahr der Bußgeldrekorde. Das zeigt das Paper „Global Cartel Enforcement Review (2014)” der Kanzlei Allen & Overy, das die Daten von den Kartellbehörden in zehn großen Industrienationen sowie der EU-Kommission miteinander vergleicht.
 
Die EU-Kommission liegt mit einem Gesamtvolumen verhängter Kartellstrafen von knapp 1,7 Milliarden Euro zwar leicht unter den 1,9 Milliarden Euro des Vorjahres, bleibt aber in absoluten Zahlen Spitzenreiter. Die insgesamt zweithöchsten Bußgeldbescheide hat im vergangenen Jahr die brasilianische Wettbewerbsbehörde verschickt: Sie verhängte Strafen von 1,2 Milliarden Euro – ein Vielfaches gegenüber dem Jahr 2013, in dem die Gesamtsumme bei gerade einmal 161 Millionen Euro gelegen hatte.

Der sprunghafte Anstieg ist allerdings schnell erklärt: Allein für ein Kartell zwischen Zementherstellern verhängten die brasilianischen Wettbewerbshüter Bußgelder von mehr als 1 Milliarde Euro.

Höhere Kartellstrafen auch in Asien

Aber auch andere Länder wie Südkorea, Japan und China haben 2014 insgesamt deutlich höhere Strafen gegen Kartellteilnehmer ausgesprochen als noch im Vorjahr. Leicht rückläufig waren die Zahlen dagegen in den USA: Einem Wert von 756 Millionen Euro in 2013 stehen 639 Millionen Euro für das US-Haushaltsjahr 2014 (1. Oktober 2013 bis 30. September 2014) gegenüber.

Die US-Zahlen verblassen aber angesichts der Bilanz des Bundeskartellamts: Auf etwas über 1 Milliarde Euro summieren sich die Bescheide, die Deutschlands oberste Kartellbehörde im vergangenen Jahr verschickt hat. Der Wert übertrifft den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2003 – da waren es 700 Millionen Euro – deutlich.

Deutschland: Drei Kartelle für Löwenanteil verantwortlich

Der Chef des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, relativiert die Rekordsumme allerdings: „2014 war im Hinblick auf verhängte Bußgelder ein Ausnahmejahr“, sagt der Präsident des Bundeskartellamts. „Wir haben mit den Verfahren gegen Zuckerhersteller, Bier-Brauereien und Wursthersteller drei große, lang laufende Untersuchungen zu Ende gebracht.“ Auf die Beteiligten an diesen Kartellen entfallen allein schon 956 Millionen Euro Kartellstrafen und damit fast 95 Prozent des Gesamtbetrags. Aber nicht nur in Deutschland und in Brasilien, auch in den USA und Japan machen einzelne Großfälle den Löwenanteil der Bußgelder aus.

Dennoch bedeuten die die internationalen Rekordwerte 2014 nicht automatisch, dass es tatsächlich auch mehr große Kartellfälle gibt. Die Aufarbeitung komplexer Fälle, bei denen die Kartellanten häufig über weit verzweigte Netzwerke operiert haben, dauert oft viele Jahre – wie gesehen bei den drei Rekordfällen auf dem deutschen Markt.

Dabei helfen verbesserte technische Möglichkeiten den Behörden mittlerweile, mehr Fälle aufzudecken als früher. Hinzu kommt: Durch Kronzeugenregelungen melden Beteiligte Verstöße auch häufiger. „Etwa die Hälfte unsere Fälle geht auf dieses Instrument zurück“, sagte Mundt bereits im vergangenen Jahr gegenüber der FINANCE-Redaktion.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

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