Stolperstein Iran: US-Behörden untersuchen Geschäfte der Standard Chartered Bank mit dem Iran.

Thinkstock/Getty Images

10.08.12
Finanzabteilung

Stolperstein Iran

Brisante Geschäfte könnten die Standard Chartered Bank den Zugang zum US-Geschäft kosten. Dabei geht es, wenn man der Bank glauben darf, nur um Transaktionen im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Für Finanzchefs dürfte es schwieriger werden, Bankpartner für Transaktionen mit einem Hochrisikoland zu finden.

Die vermuteten Verstöße gegen die Iran-Sanktionen haben für Standard Chartered dramatische Folgen: Der Börsenkurs rauschte in die Tiefe, der Ruf leidet enorm, und am schlimmsten wiegt der mögliche Verlust des US-Geschäfts. Denn nichts Geringeres haben die US-Behörden angedroht – und wenn man Standard  Chartered glauben darf, dann liegen diesen drastischen Strafen Zahlungen über gerade einmal 14 Millionen US-Dollar zugrunde.

So hoch ist Angaben der Bank zufolge das Volumen an Zahlungen mit dem Iran, die nicht nach den Ausnahmeregeln für sogenannte U-Turn-Geschäfte getätigt wurden. Mehr als 99,9 Prozent aller Zahlungen seien diesen Regeln gefolgt, die als Ausnahmen zugelassen waren, um Zahlungen für Öllieferungen in US-Dollar durch Einschaltung von Drittbanken zu ermöglichen.

Die Vorwürfe des New York State Department of Financial Services klingen freilich härter: Von 60.000 geheimen Transaktionen mit einem Volumen von mindestens 250 Milliarden Dollar ist dort die Rede. Für die Bank hätte dies dann Hunderte Millionen an Gebühr bedeutet. 

Wie hart Verstöße gegen Iran-Sanktionen bestraft werden mussten in der Vergangenheit schon mehrere Bankhäuser erfahren. Wegen eines Verstoßes gar den direkten Zugang zum US-Markt zu verlieren, wäre für die Standard Chartered Bank eine  Katastrophe – insbesondere, wenn es wirklich wegen Geschäften über 14 Millionen Dollar passiert. Dass Sanktionsverstöße bestraft werden ist natürlich richtig. Wer allerdings als Unternehmen auf Transaktionen mit einem Hochrisikoland angewiesen ist, dürfte zunehmend größere Schwierigkeiten bei der Suche nach Bankpartnern haben. Das Risiko, gegen Regeln zu verstoßen und Geschäft zu riskieren, wird niemand eingehen wollen.

 

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de