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Volatile Bilanzen wegen IAS 19

iStock / Thinkstock / Getty Images

Die erstmalige Anwendung des überarbeiteten Rechnungslegungsstandards IAS 19 hätte das Eigenkapital der DAX-Unternehmen auf Basis des 2012er Zahlenwerks um 2,5 Prozent oder 22 Milliarden Euro reduzieren. Das geht aus einer aktuellen Analyse des Beratungsunternehmens Towers Watson hervor. Der neue Standard, der erstmals für  Geschäftsjahre die 2013 beginnen anzuwenden ist, soll die Adressaten der Jahresabschlüsse in die Lage versetzen, die Verpflichtungen aus Pensionszusagen und deren Risiken besser zu verstehen und einordnen zu können. Die bedeutendste Änderung des neuen IAS 19 betrifft die Behandlung der versicherungsmathematischen Gewinne und Verluste. Bisher konnten diese entweder sofort in der GuV oder im Eigenkapital erfasst werden oder im Rahmen des sogenannten Korridorverfahrens zeitverzögert außerhalb der Bilanz fortgeschrieben werden.

Das Korridorverfahren wird nun abgeschafft. Künftig sind versicherungsmathematischen Gewinne und Verluste sofort und vollständig im sonstigen Ergebnis zu erfassen. Nach Einschätzung von Allianz Global Investors wendet aktuell rund ein Drittel der DAX-Unternehmen das Korridorverfahren an. Bei mittelständischen Unternehmen ist der Anteil noch viel größer sein. Für die Unternehmen dürfte sich mit dem neuen IAS 19 die Volatilität in der Bilanz sowie die des Eigenkapitals erhöhen.

Neue Offenlegungsstrategie

Darüber hinaus verlangt der geänderte Standard, dass die ergebniswirksam erfasste Verzinsung des Planvermögens nicht mehr auf Grund von Erwartungen, sondern auf Basis des Diskontierungszinses der Pensionsverpflichtungen erfolgt. Im vergangenen Jahr ist der Rechnungszins, der sich an der Rendite hochwertiger Unternehmensanleihen orientiert (AA-Rating), um 125 Basispunkte auf durchschnittlich 3,5 Prozent gesunken. Bei der BASF beispielsweise führt diese Bilanzierungsmethode zu einer Reduzierung des Finanzergebnisses um rund 80 Millionen Euro für das Jahr 2012. Im aktuellen Geschäftsjahr rechnet der Chemiekonzern mit einem Minus von rund 100 Millionen Euro.

Neben den Auswirkungen auf das Zahlenwerk verlangt IAS 19 insbesondere auch eine neue Offenlegungsstrategie im Anhang, um die Charakteristik der Pensionspläne und die damit verbundenen Risiken zu erklären. Zudem wird ein Pensionsrisikomanagementsystem vorausgesetzt. Nach Einschätzung von Towers Watson gibt es in diesen Punkten noch viel zu tun. Einer Umfrage zum Stand der IAS-19-Vorbereitungen zufolge hatten Ende 2012 lediglich 40 Prozent der befragten Unternehmen bereits ein Konzept für die Darstellung der neuen Anhangangaben.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de

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