Frankfurt wird das erste Clearingzentrum für Renminbi außerhalb Asiens.

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04.04.14
Finanzabteilung

Wie CFOs vom Renminbi Clearing in Frankfurt profitieren

Frankfurt wird das erste Renminbi-Clearing-Zentrum außerhalb Asiens. Für deutsche CFOs und Treasurer kann das erhebliche Vorteile mit sich bringen: Der Zahlungsverkehr wird erleichtert und Offshore-Renminbi-Anleihen könnten demnächst auch in der Eurozone begeben werden.

Die Bundesbank und die chinesische Zentralbank (PBoC) haben ein sogenanntes Memorandum of Understanding unterschrieben, in dem vereinbart wurde, dass die Stadt Frankfurt eine Renminbi-Clearing-Bank bekommen soll. Die Vereinbarung vom Freitag ist vor allem deshalb ein großer Schritt, weil Frankfurt damit das erste Clearing Zentrum außerhalb Asiens wird.

Die Stadt Frankfurt hat den Zuschlag nicht zuletzt wegen der engen realwirtschaftlichen Verflechtung zwischen Deutschland und China sowie seiner Infrastruktur bekommen: Frankfurt ist nicht nur Sitz zweier Zentralbanken und zahlreicher Aufsichtsbehörden, sondern auch ein anerkannter Banken- und Börsenplatz. Zudem wickeln die für das Renminbi Clearing in Frage kommenden Banken ihr hausinternes Euroclearing für die Eurozone in Frankfurt am Main ab.  Wer genau die Rolle der Clearing Bank in Frankfurt übernehmen wird, steht noch nicht fest und wird von der PBoC zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben. Daneben soll auch in London eine Clearing Bank errichtet werden, wodurch den beiden wichtigsten Finanzzentren in der EU Rechnung getragen wird. Die älteste und größte Clearing Bank sitzt in Hongkong und wird von der Bank of China geführt. Daneben bestehen neuere Banken unter anderem in Singapur (geführt von der Industrial and Commercial Bank of China) und Taiwan.

Die chinesische Währung, ist heute nicht frei konvertierbar und unterliegt daher bestimmten Devisenbeschränkungen. Der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr ist somit Gegenstand diverser Genehmigungsverfahren durch unterschiedliche chinesische Behörden. China beabsichtigt, diese Beschränkungen langsam abzubauen, um den Renminbi zu einer Weltreservewährung zu machen.

CFOs können auf Erleichterungen im Zahlungsverkehr mit China hoffen

Die Errichtung der Clearing Bank in Frankfurt bedeutet nicht, dass es nun keine Devisenbeschränkungen zwischen Deutschland und China mehr geben wird – ihre Errichtung wird aber zu erheblichen Erleichterungen beim grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr mit China führen. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir rechnet daher fest damit, dass die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und China durch das Abkommen einen Schub bekommen werden. Importeure und Exporteure können ihren chinesischen Handelspartnern nun noch einfacher anbieten, in Renminbi abzurechnen. Importe nach Deutschland werden so üblicherweise günstiger. Daneben gibt es weitere praktische Vorteile wie zum Beispiel deutschsprachige Ansprechpartner in derselben Zeitzone mit denselben Feiertagen.

Auch für Treasurer und CFOs kann die Errichtung der Clearing Bank besonders relevant werden. So besteht die Erwartung, dass die Clearing Bank zu messbaren Kostenvorteilen im grenzüberschreitenden Zahlungs- und Handelsverkehr führt. Bei Zahlungen und die daran gebundenen Formalitäten dürfen CFOs auf eine schnellere Abwicklung und administrative Erleichterungen hoffen. Die erwartete höhere Liquidität des Renminbi in Europa kann auch zu einem größeren Angebot von Fremdwährungsderivaten in Renminbi (beispielsweise Swaps) beitragen und damit zu einer besseren Kostenstruktur für derartige Geschäfte führen.

Offshore-Renminbi-Anleihen bald auch in Frankfurt möglich

Außerdem kann die Einführung des Renminbi als Treasury-Währung um einiges einfacher werden, weil die bis dato aufwendige Kontoführung und der administrative Aufwand verringert werden. Denkbar sind Cash-Management- sowie Cash-Pooling-Systeme und Treasury Center, die den Renminbi auf weniger manuelle Weise als bisher nutzen können, etwa auch durch eine vermehrte Nutzung von Repo-Geschäften. Außerdem können Offshore-Renminbi-Anleihen nun auch direkt in der Eurozone begeben werden. Dies hätte mehrere Vorteile, insbesondere die verstärkte Ansprache europäischer Investoren, denen europäische Namen wohl auch geläufiger sind.

Stimmen die ökonomischen Grundlagen wie Zinsniveau oder die weitere erwartete Entwicklung des Yuan, so kann eine Renminbi-Anleihe dazu dienen, Investitionen in China zu niedrigeren Zinsen als beispielsweise bei Onshore-Darlehen zu finanzieren oder die Investorenbasis zu verbreitern. Die Erfahrung bei der Beratung von Emittenten und Banken im Zusammenhang mit Renminbi-Anleihen zeigt, dass die Emission eines solchen Bonds einer gründlichen Vorbereitung bedarf. Des Weiteren ist auch die Dokumentation dieser Anleihen anzupassen, um der Vereinfachung einer Abwicklung in Frankfurt gerecht zu werden. Abhängig vom weiteren Fortschritt können sich auch Vereinfachungen im grenzüberschreitenden M&A Geschäft ergeben.

Robert Koller, CAIA, ist Partner der internationalen Anwaltssozietät Simmons & Simmons und Mitglied der Renminbi Initiativgruppe Frankfurt.