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Wie Compliance M&A-Deals beeinflusst

Treten im Target Rechtsverstöße auf, kann der M&A-Deal für den Käufer mit einer bösen Überraschung enden.
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In immer mehr M&A-Prozessen prüfen Käufer vorab die Compliance-Strukturen des Targets. Ist ein Transaktionspartner mit Sitz in Großbritannien oder den USA am M&A-Deal beteiligt, ist dies sogar Pflicht. „Greifen Regelungen wie der UK Bribery Act oder der Foreign Corrupt Practices Act, muss ein Käufer sich unbedingt Gedanken über Compliance-Risiken beim Target machen“, erklärt Dr. Finn Zeidler, Partner bei Latham & Watkins.

Einen festen Katalog an Prüfvorgaben gibt es allerdings nicht. „Der Umfang variiert je nach Gefährdungslage“, sagt Zeidler. Doch es gibt klare Alarmzeichen, die deutlich machen, wann M&A-Verantwortliche und Finanzvorstände eine vertiefte Compliance Due Diligence vornehmen sollten: Indizes wie der Corruption Perceptions Index zeigen, welche Länder besonders korruptionsanfällig sind. Hat ein Target oder eine Geschäftseinheit des Zielunternehmens dort viel Geschäft, sollte der Kaufinteressent genau hinschauen. Hohe Bargeldbestände in solchen Unternehmen können ein weiterer Anlass für eine Prüfung sein. 

Auch die Zusammenarbeit mit einer Vielzahl an freien Handelsvertretern ist aus Compliance-Sicht mitunter problematisch: Für den Käufer ist es besonders schwer, deren Arbeitsweise nachzuvollziehen. Im Datenraum sollte sich daher zumindest ein Mustervertrag finden, in dem die  Handelsvertreter deutlich auf die Compliance-Regeln hingewiesen werden.

M&A-Deal kann an Compliance-Themen scheitern

Stellt der Kaufinteressent im Rahmen der Prüfung Compliance-Verstöße fest, heißt es im Zweifel: Finger weg von dem M&A-Deal. Andernfalls läuft der Käufer Gefahr, dass der frisch erworbene Unternehmensteil mit teuren Sanktionen belegt oder die Marke stark beschädigt ist. Häufig sind auch wichtige Mitarbeiter dann nicht mehr haltbar. Konzentrieren sich die Verstöße nur auf einen Unternehmensteil, wird dieser in der Praxis häufig aus dem Target herausgelöst, etwa über einen Carve-out. „Als Käufer wird man die korrupten Geschäftsteile nicht mit übernehmen. Drohen Sanktionen, weil man Inhaber der übergeordneten Rechtseinheit des einstmals korrupten Firmenteils geworden ist, kann man sich dagegen zusätzlich über Klauseln im Kaufvertrag absichern. Das funktioniert aber nicht immer“, sagt Zeidler.

Die Kosten für eine Compliance Due Diligence schwanken stark, je nachdem, wie risikoanfällig ein Target zu sein scheint. Üblicherweise liegen die Kosten im unteren fünfstelligen Bereich – doch Ausnahmen bestätigen die Regel. „Wir hatten schon Fälle, bei  denen die Compliance Due Diligence nach kurzer Zeit erledigt war und die Aufwendungen bei 5.000 Euro lagen“, sagt Zeidler. Ein anderes Mandat dagegen erforderte eine äußerst langwierige Compliance Due Diligence. „Das Thema war von zentraler Bedeutung, die Prüfung kostete mehr als 500.000 Euro“, erinnert sich der Anwalt. Letztlich scheiterte dieser M&A-Deal dann auch an den Ergebnissen der Compliance Due Diligence. Eine gute Entscheidung des Käufers, wie sich wenig später herausstellen sollte. Nur Monate nach dem Abbruch der Verhandlungen wurde eine zentrale Figur aus dem Umkreis des Zielunternehmens wegen ihrer Verstöße zu einer Haftstrafe verurteilt.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.