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Working Capital: Deutsche CFOs sollten später zahlen

Volkswagen könnte durch besseres Working Capital Management 30 Milliarden Euro Cash freisetzen, hat die Beratung REL errechnet.
Volkswagen

Die Summen sind schwindelerregend: Dreistellige Milliardenbeträge schlummern ungenutzt in den Bilanzen europäischer Unternehmen. Dies besagen zwei aktuelle Studien. Wenn sich europäische CFOs im Bereich Working Capital am oberen Viertel ihrer jeweiligen Branche orientieren würden, könnten die weniger erfolgreichen Unternehmen laut Ernst & Young zwischen 490 Milliarden Euro an Kapital freisetzen. REL kommt bei seinen Berechnungen gar auf 762 Milliarden Euro. Solche Zahlen sind freilich mit Vorsicht zu genießen. Das Stimmungsbild allerdings ist klar: Einige CFOs lassen beim Working Capital noch viel Geld liegen.

Allein für Deutschland liegt der Betrag, der durch besseres Working Capital Management gehoben werden könnte, demnach bei 103 Milliarden Euro (E&Y) beziehungsweise 183 Milliarden Euro (REL). „Das ist ein klarer Wettbewerbsnachteil für Deutschland“, sagt Daniel Windaus, REL-Geschäftsführer für die DACH-Region und UK. „Denn das im Umlaufvermögen gebundene Kapital steht den Unternehmen für selbstfinanzierte Investitionen und andere Wachstumsmaßnahmen nicht zur Verfügung.“ Allein Volkswagen könnte laut REL noch 30,5 Milliarden Euro generieren. BASF verfügt gemessen an den Top-Performern der Chemiebranche immerhin noch über ein Potential von 5,6 Milliarden Euro.

Diese Zahlen sollten allerdings ebenfalls mit Vorsicht genossen werden, da es sich um Stichtagsbetrachtungen handelt. Der Vergleich zum Vorjahr zeigt in vielen Fällen eine hohe Volatilität, sodass nicht klar ist, wie nachhaltig die Verbesserungen des Working Capitals tatsächlich sind: Bei EnBW etwa verlängerte sich die Kapitalbindungsdauer 2012 um 226 Prozent gegenüber 2011, bei Sixt sank sie um 84 Prozent.

Deutschland hinkt beim Working Capital in Europa hinterher

Die Studien bescheinigen deutschen CFOs zwar Fortschritte bei der Optimierung ihres Working Capitals: Laut Ernst & Young konnten sie die Kapitalbindungsdauer im vergangenen Jahr um durchschnittlich 4 Prozent gegenüber 2011 drücken. Besonders die Pharma- und Versorgerbranche stachen mit Verbesserungen um 8 beziehungsweise 13 Prozent hervor. Diese Sektoren hätten dem Thema Cash in der Vergangenheit weniger Bedeutung beigemessen, meint die Beratung.

Doch im europäischen Vergleich hinken die deutschen CFOs noch hinterher: Während deutsche Unternehmen 51,1 Tage dafür brauchen, Working Capital in Umsatz zu wandeln, sind italienische, portugiesische und spanische Firmen mit 25 bis 40 Tagen deutlich schneller.

Insbesondere bei den Days Payable Outstanding (DPO) sehen die Studien noch Verbesserungspotential in Deutschland. Hier stehen die südeuropäischen Länder mit ihren längeren Zahlungszielen naturgemäß besser da: Obwohl sich die Zahlungsmoral in Deutschland in den vergangenen Monaten verschlechtert hat, könnten Unternehmen durch spätere Begleichung ihrer Lieferantenrechnungen noch einmal 83 Milliarden Euro an Liquidität freisetzen, meint REL.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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