Ende August ist Ge|mit, der Genussscheinfonds für den gehobenen Mittelstand, ausgelaufen. Die allermeisten Schuldner des 320-Millionen-Euro-Fonds dürften ihre Mezzanine-Darlehenfristgerecht zurückgezahlt haben. Zu den guten Schuldnern zählt nach FINANCE-Informationen beispielweise der schwäbische Bohrerspezialist Herrenknecht. So ganz genau weiß man aber nicht, wie es um die Performance des Fonds steht: Den Initiator Buchanan Mezzanine aus Starnberg gibt es nicht mehr. Die DZ Bank, genauer die Beteiligungsgesellschaft DZ Equity Partner, wollte sich dazu gegenüber FINANCE nicht äußern. Ein Grund für das Schweigen könnte darin liegen, dass die Rendite des Fonds deutlich unter dem liegt, was den Investoren vor acht Jahren in Aussicht gestellt wurde. Unter dem Namen Silverlake Gemit 2012 war der Fonds in zwei Klassen (einmal deckungsstockfähig) an Investoren vertrieben worden.
Aus dem Schatz am Silbersee wurde aber nichts, wie sich später herausstellte. Wichtigster Grund für das schwache Abschneiden war eine Fehlentscheidung: Das Fondsmanagement reichte über Ge|mit 30 Millionen Euro an Schieder Möbel aus. Der Fonds finanzierte den Ikea-Lieferanten aus Ostwestfalen zu einem Zeitpunkt, als andere Finanzierer längst die Hände von Schieder ließen. Der Möbelkonzern lag damals bei Euler Hermes Rating knapp unter Investmentgrade, obwohl Ge|mit laut einer FINANCE vorliegende Unterlage nur in Unternehmen mit mindestens BBB+ investieren sollte. Bei der Ratingagentur Moody’s hatte Schieder zuvor sogar nur ein B1 kassiert, der Versuch einer Bondplatzierung war an der schwachen Investorenresonanz gescheitert. So war die Insolvenz von Schieder im Jahre 2007, bei der massiver Betrug zum Tageslicht kam, ein herber Schlag für den jungen Fonds. „Der Ausfall kam viel zu früh“, sagt ein Insider.
DZ Bank nimmt Anteile auf eigenes Buch
Damit nicht genug: Bei der Krise des schwäbischen Werkzeugmaschinenbauer Emag reagierte das Fondsmanagement um Olivier Weddrien, der DZ Equity Partner in diesen Tagen verlassen wird, zu nervös. Der Fonds verkaufte den Genussschein über 20 Millionen Euro weit unter pari an die Bank of America Merrill Lynch (BofAML) – in Finanzkreisen ist von 15 Prozent des Nominalwerts die Rede. Wenig später, als Emag sich wieder berappelt hatte, konnte BofAML das Darlehen mit deutlichem Gewinn weiterreichen.
Zuletzt soll der weitaus größte Teil der Ge|mit-Anteile wieder bei der DZ Bank selbst gelegen haben, wie ein Beobachter FINANCE berichtete. Die Bank habe viele Ge|mit-Anteile – allerdings unter dem Ausgabepreis – wieder auf die eigene Bilanz genommen. „Zu dem Rückkauf kam es Reputationsgründen“, meint ein Beobachter. „Nur ein kleiner Teil der Papiere lag zuletzt noch bei den Investoren der Volks- und Raiffeisenbanken.“
Das zeigt, wie überambitioniert das Projekt von Anfang an gewesen ist. Zwar konnte die DZ Bank bei 430 Millionen Euro bei Anlegern einsammeln, doch am Ende wurden lediglich 320 Millionen investiert und über 100 Millionen Euro wieder an die Investoren zurückgegeben, obwohl das „Investment Committee“ – insbesondere bei Schieder –Zugeständnisse bei den Auswahlkriterien machte. Es waren vor allem preisaggressive Standard-Mezzanine-Fonds wie Preps (HypoVereinsbank/Capital Efficiency Group), die dem Programm der DZ Bank zu schaffen machten.
Info
Genussscheine für den Mittelstand
Der Genussscheinfonds Ge|mit wurde Mitte 2004 gemeinsam von der DZ Bank und Buchanan Mezzanine, einem heute nicht mehr existierenden Finanzierungshaus aus Starnberg, initiiert. Im Gegensatz zu Wettbewerbern wie Preps oder H.e.a.t. Mezzanine handelt es nicht um eine CDO-Konstruktion, sondern um einen Luxemburger Umbrella-Fonds. Darunter gab es die beiden Teilfonds Silverlake Fonds – ge|mit – Genussscheinfonds Mittelstand (2012) 1 und 2. Der erste Teilfonds war ein geschlossener Genussscheinfonds, der zweite ein offener, deckungsstockfähiger Fonds, der sich besonders für Versicherer eignete. Von den ursprünglich eingesammelten 430 Millionen wurden schließlich 320 Millionen Euro an große Mittelständler ausgereicht. Nach FINANCE-Informationen handelt sich dabei u.a. um Herrenknecht, Emag, Benteler, Schieder Möbel und Fiege. Mindestens ein Unternehmen hat bereits vorzeitig getilgt.
Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.
