Taulia

26.04.16
Finanzierungen

So will das Fintech Taulia bei deutschen CFOs punkten

Fünf deutsche Unternehmen nutzen derzeit die Lieferantenplattform von Taulia, bis Jahresende sollen es 15 sein. Das verrät Mitgründer Bertram Meyer gegenüber FINANCE. Der Supply-Chain-Finance-Anbieter profitiert ausgerechnet vom Negativzinsumfeld.

Bislang gibt es kaum FinTechs, deren Angebote tatsächlich in den Finanzabteilungen von deutschen Unternehmen zum Einsatz kommen. Die im vergangenen Sommer von der Deutschen Börse übernommene Devisenhandelsplattform 360T ist eine der wenigen Ausnahmen. Nun werben gleich zwei Anbieter mit Lieferantenfinanzierungen: Das deutsche Start-up CRX Markets – hinter dem auch die Gründer von 360T stecken – und das US-FinTech Taulia.

Taulia hat sich in Deutschland ehrgeizige Ziele gesetzt, wie Bertram Meyer im Gespräch mit FINANCE verrät: „Bis zum Jahresende wollen wir 15 deutsche Unternehmen als Kunden für unsere Plattform gewinnen. Derzeit sind es fünf Unternehmen.“ Darunter sind zwei der größten deutschen Lebensmitteleinzelhändler, deren Namen Meyer nicht nennen möchte. Mit der Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (DVV) hatte Taulia kürzlich den ersten deutschen Referenzkunden präsentiert.

Coca Cola, Vodafone und Ericsson nutzen Taulia

Meyer hatte Taulia 2009 mit drei weiteren Deutschen im Silicon Valley gegründet. Weltweit nutzen derzeit etwa 100 Unternehmen die Supply-Chain-Finance-Plattform von Taulia, darunter große Multinationals wie Coca Cola, Vodafone und Ericsson. Im vergangenen Sommer waren es noch 75. 

Grundlage der Taulia-Idee ist das sogenannte Dynamic Discounting: Je früher ein Unternehmen seine Lieferanten bezahlt, desto höher fällt das ihm eingeräumte Skonto aus, abzüglich einer Vermittlungsgebühr für Taulia. Die Lieferanten wiederum profitieren davon, dass ihre Rechnungen weniger lange offen bleiben und sie so ihr Working Capital optimieren.

Beim Dynamic Discounting setzen Unternehmen ihr eigenes Cash ein, um Lieferanten früher zu bezahlen. Die Ausnutzung von Skonto ist dabei nur ein Argument, das aktuelle Negativzinsumfeld das zweite: „Die Unternehmen können ihr Cash kurzfristig ohnehin kaum noch zum Nulltarif anlegen, geschweige denn gewinnbringend“, sagt Meyer. „Für viele deutsche Unternehmen ist das ein Argument, ihre Lieferanten gewinnbringend vorzeitig zu bezahlen.“

70 Investoren treten als Zwischenfinanzierer auf

Seit knapp zwei Jahren bietet Taulia aber auch eine Fremdkapitalvariante an, die inzwischen etwa die Hälfte der Neukunden einsetzt. Beim Reverse Factoring springen an die Plattform angebundene Investoren als Zwischenfinanzierer ein – darunter Pensionsfonds, Versicherungen, Banken, Family Offices und Hedge Fonds aus aller Welt. „Derzeit sind rund 70 verschiedene Investoren dabei“, sagt Meyer.

Sie zahlen den Rechnungsbetrag minus Finanzierungskosten an den Lieferanten, am Ende des Zahlungsziels überweist der Kunde den Rechnungsbetrag an den Investor: „Die Konditionen orientieren sich dabei am Marktzins und der Bonität des Kunden“, sagt Meyer. 90 Prozent der Taulia-Kunden verfügten laut Meyer über Ratings im Investmentgrade-Bereich. 

Cloud-Plattform greift auf SAP-System zu

Die Transaktion erfolgt über eine Cloud-Plattform, die sowohl beim Kunden als auch bei den Lieferanten auf die Daten des ERP-Systems zugreifen kann. Wenn das Unternehmen SAP nutzt, ist die Integration einfach, sagt Meyer: „Taulia ist dort als zertifiziertes Add-on-Modul verfügbar.“

Mit dem Zugriff auf das SAP-System stellt Taulia sicher, dass Rechnungen nicht erst auf der eigenen Plattform hochgeladen werden müssen, sondern direkt verfügbar sind. Das erleichtert die Implementierung und erweitert auch den Lieferantenkreis: „Es ist keine Voraussetzung, dass der Lieferant eine elektronische Rechnung verschickt. Auch eingescannte Rechnungen können über die Plattform gehandelt werden.“ Das ist wichtig, schließlich dominiert insbesondere im deutschen Mittelstand noch immer die Rechnung aus Papier.

Die Konkurrenz durch CRX Markets, die mit der Lufthansa und Vattenfall ebenfalls zwei prominente Unternehmen zu seinen Kunden zählt, fürchtet Taulia-Mitgründer Meyer nicht: „Im Zentrum unseres Geschäftsmodells steht der Netzwerkeffekt: Je mehr Lieferanten wir angebunden haben, umso höher ist der Nutzen für das Unternehmen.“ Hier sieht sich Taulia dank seiner längeren Historie und der insgesamt 100 internationalen Kunden im Vorteil gegenüber Wettbewerbern.

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