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04.02.13
Finanzierungen

Wirtschaftsveteranen verpflichten Dirk Notheis als Fondsmanager

Dirk Notheis ist wieder da. Der in den strittigen Umständen der EnBW-Übernahme zurückgetretene Ex-Deutschlandchef von Morgan Stanley wird gemeinsam mit Ex-Carlyle-Manager Marc Pahlow und dem früheren West LB-Banker Fritz Koop die neugegründete Mittelstandsinitiative Rantum Capital leiten. Der Fonds will einen dreistelligen Millionenbetrag ins Eigenkapital des Mittelstands investieren.

Was man sich so alles auf Sylt ausdenken kann: Eine Kapitalanlagestrategie in den deutschen Mittelstand. Die Liste der Ankerinvestoren liest sich wie ein Who-Is-Who der deutschen Wirtschaft: Ex-Henkel-CFO Lothar Steinebach, von FINANCE zum CFO des Jahres 2011 gekürt, der frühere BDI-Chef und Voith-Chef Michael Rogowski, Air Berlin-Gründer Joachim Hunold, Ex-Metro-Chef Hans-Joachim Körber, TRIMET Gründer Heinz Peter Schlüter und noch einige mehr. Sie alle haben Zeit, Geld und Ideen. Für die Umsetzung des neuen Fonds engagierten die Finanzmanager Notheis, Pahlow und Koop. Der nach dem Sylter Ort der Ideenfindung benannte Fonds Rantum Capital beginnt heute mit dem Fundraising beginnt. Er soll dazu beitragen, die Eigenkapitalausstattung deutscher mittelständischer Unternehmen zu verbessern. Investieren will der Fonds in Wachstumsunternehmen in Form von Nachrangdarlehen mit einer Laufzeit zwischen sieben und zehn Jahren.

Im Rating als Eigenkapital anerkannt

Wie FINANCE erfuhr, soll der erste Fonds zwischen 100 und 300 Millionen Euro umfassen. Die beteiligten Honoratioren der deutschen Wirtschaft investieren selbst mit, das Closing soll wenn möglich noch in diesem Jahr stattfinden. Gute Chancen rechnen sich die Investoren durch die Fülle der auslaufenden Mezzanine-Finanzierungen aus. In den Jahren 2013 und 2014 werde ein Volumen von 2,3 Milliarden Euro fällig. Bislang erwies sich die Hoffnung auf mezzanine Anschlussfinanzierungen aber als trügerisch: Die guten Unternehmen nutzen eigene Cashflows oder Bankkredite zur Tilgung. Die schwachen sind zum Teil dermaßen existenzbedroht, dass sie für eine „normale“ Mezzanine-Finanzierung nicht in Frage kommen.

Ratingtechnisch sollen die Einlagen als Eigenkapital gelten dürfen, steuertechnisch hingegen werden die Nachrangdarlehen als Fremdkapital bewertet. Rantum erhofft sich Interesse bei angelsächsischen Investoren, aber auch aus der deutschen Versicherungswirtschaft. Das Niedrigzinsumfeld könnte dem Vorhaben in die Karten spielen.

Verzinsung wie bei Mezzanine – jährliche Fälligkeiten

Die Verzinsung der Nachrangdarlehen soll individuell ausgehandelt werden und liegt, wie bei Mezzanine üblich, im zweistelligen Bereich. Anders als bei klassischem Mezzanine sind die Darlehen nicht endfällig. Verzinsung und Erfolgsbeteiligung fallen jährlich an. Bei KfW-Mitteln stauten sich Zinsen und Einlagen am Laufzeitende an, so dass dann oft der 2,5-fache Nennwert zahlbar war.

Anders als die KfW-Programme (und die auslaufenden Mezzanine-Programme) sollen die Rantum-Investments nicht verbrieft werden, sondern auf den Büchern des Fonds bleiben. Einzelne Finanzierungen sollen Größenordnungen zwischen 2 und 20 Millionen Euro umfassen. Dem gehobenen Mittelstand könnte es gefallen. Für Dirk Notheis sind das aber deutlich kleinere Brötchen als noch zu Zeiten des EnBW-Deals.


marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de