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AEG Power: Anleihegläubiger wählen gemeinsamen Vertreter

AEG Power Solutions

In der kommenden Woche ist es soweit. Am 18. Dezember soll die zweite Gläubigerversammlung über die Zinszahlung der 3W Power-Mittelstandsanleihe entscheiden. Die Holding des Solarzulieferers AEG Power Solutions musste die Entscheidung über die Kuponzahlung Ende November verschieben, da bei der ersten Anleihegläubigerversammlung wegen des geringen Anmeldungsstands nicht die notwendige Beschlussfähigkeit vorlag, um die Stundung der Zinszahlung zu beschließen. Die letzte Zinszahlung hätte eigentlich am 1. Dezember 2013 erfolgen müssen.

Gläubiger der Mittelstandsanleihe wählen aus drei Unternehmen aus

Auf der zweiten Gläubigerversammlung sollen die Anleihegläubiger auch einen gemeinsamen Vertreter wählen. 3W Power, die die Mittelstandsanleihe mit einem Nennwert von 100 Millionen Euro Ende November 2010 begeben hat, schlägt die Nieding + Barth Rechtsanwaltsgesellschaft als gemeinsamen Vertreter der Anleihegläubiger vor. Einige institutionelle Investoren befürworten hingegen One Square Advisors und Novum Capital als Vertreter. One Square Advisors vertritt bereits die Anleihegläubiger von Solarworld und SiC Processing, Nieding ist als Vertreter der Anleihegläubiger von Solar Millennium eingesetzt.

Im Anschluss an die Entscheidung soll der gemeinsame Vertreter der Anleihegläubiger mit der Anleiheemittentin 3W Power und der AEG Power Solutions als Garantin der Mittelstandsanleihe über deren Restrukturierung sprechen. Die Bondgläubiger müssen sich dabei vermutlich auf Einschnitte gefasst machen.

„Wir gehen davon aus, dass es bei einem Teil der Anleihe einen Debt-to-Equity-Swap geben muss“, sagt Frank Günther von One Square Advisors zu FINANCE. Für die verbleibenden Finanzinstrumente würden entsprechend den zum Schuldendienst zur Verfügung stehenden Cashflows neue Laufzeiten und neue Konditionen vereinbart. „Zu guter Letzt dürfte noch ein neuer Investor eine neue Kreditlinie zur Verfügung stellen“, fügt Günther hinzu. Die die Kandidatur von One Square Advisors unterstützenden Investoren seien bereit, frisches Geld zu investieren, da sie an die Zukunft des Unternehmens glaubten.

„Die institutionellen Investoren wollen Finanzierungsgespräche aufnehmen und über die Restrukturierung sprechen“, sagt Günther weiter. „Am wichtigsten ist es, sobald wie möglich Klarheit über die finanzielle Situation zu bekommen und ein Restrukturierungskonzept, wie wir es bei Solarworld begleiten, zu erarbeiten.“ Ein finales Restrukturierungskonzept gibt es aber noch nicht, ist aus dem Markt zu hören. Die Probleme seien nicht nur kurzfristiger, sondern grundsätzlicher Natur.

Angespannte Lage bei AEG Power Solutions

Dass die Lage bei AEG Power Solutions angespannt ist, zeigen auch die Quartalszahlen, die der Solarzulieferer Mitte November veröffentlicht hat. Damals erklärte AEG Power Solutions, die Liquiditätssituation sei weiterhin angespannt und es bestünde gegenwärtig ein eingeschränkter Zugang zu Krediten. Gerade die Erzielung von Cashflows sei herausfordernd. „Sollte ein Erfolg bei der Verbesserung der Liquiditätslage und der Cashflows für das Unternehmen ausbleiben, könnte der weitere Fortbestand des Unternehmens gefährdet sein“, teilte der Solarzulieferer damals weiter mit.

Bereits Ende Oktober zeichnete sich ab, dass den Gläubigern der Mittelstandsanleihe tiefe Einschnitte bevorstehen. Damals teilte AEG Power Solutions mit, dass „externe Finanz- und Rechtsberater“ an einem umfassenden Rettungskonzepts arbeiten und „den Businessplan, die Liquiditätslage und die Ertragsaussichten“ begutachten. Zudem würde die gegenwärtige Kapitalstruktur überprüft, um gegebenenfalls „Anpassungen“ vorzunehmen.

Hinter der Firma stehen namhafte Investoren wie der PE-Investor Ripplewood. Auch die Unternehmer Roland Berger und Thomas Middelhoff, die AEG Power Solutions 2009 im Rahmen einer „Spac“-Transaktion an die Börse gebracht hatten, sind an dem Solarzulieferer beteiligt.

Verhandlungen mit den Banken über zusätzliche Finanzierungen hat AEG Power Solutions ebenfalls im Herbst schon in die Wege geleitet. Zudem sollen auch „liquide Mittel aus Vermögenswerten außerhalb des Kerngeschäfts“ generiert werden. Damit stehen offenbar auch Verkäufe von Tochtergesellschaften und Beteiligungen auf dem Sanierungsplan des Managements.

Nach dem aktuellen Stand gefragt, erklärte 3W Power auf Anfrage von FINANCE: „Im Hinblick auf die operativen Herausforderungen, die sich uns stellen, arbeiten wir mit aller Intensität an einer Lösung, die allen Beteiligten gerecht wird. Aufgrund der fortlaufenden Prozesse können wir den gegenwärtigen Stand aber nicht weiter kommentieren.“ Wie die nächsten Schritte von AEG Power Solutions aussehen, wird sich in der kommenden Woche entscheiden, wenn die Anleihegläubiger ihre Stimme abgeben.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

sabine.paulus@finance-magazin.de | + posts

Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.

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