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„Alternative Route“: Auch IVG schlüpft unter den Schutzschirm

Nun also doch: IVG beantragt das Schutzschirmverfahren.
IVG

Die Rettung in letzter Sekunde ist nun doch gescheitert: Die Bonner IVG Immobilien AG, Muttergesellschaft des hochverschuldeten Immobilienkonzerns, hat das Schutzschirmverfahren beantragt. Das operative Geschäft laufe unverändert weiter, hieß es. Nun soll das bereits erarbeitete Restrukturierungsprogramm  zum Tragen kommen. Als Sachwalter wurde der Düsseldorfer Restrukturierungsexperte Horst Piepenburg eingesetzt.

Der IVG-Vorstand bedauerte das Scheitern der Restrukturierungsverhandlungen mit den unterschiedlichen Gläubigergruppen trotz „intensiver, wochenlanger Vermittlungs- und Verhandlungsbemühungen“. Dies sei umso bedauerlicher, da „wesentliche Kernaktionäre der Gesellschaft bereits signalisiert hatten, das von Vertretern der Gläubiger des SynLoan I / LBBW Kredit und der Wandelanleihe vorgelegte Restrukturierungskonzept zu unterstützen.“ Wie zu erwarten scheiterte die Verhandlung demnach an der fehlenden Zustimmung der Gläubiger des im Gegensatz zum SynLoan I nur partiell besicherten syndizierten Kredits II (SynLoan II). Ein in die Verhandlungen Involvierter kommentiert: „Das hätte man vermeiden können. Wie so häufig gab es aber zu viele Partikularinteressen, daher kommt jetzt keine außergerichtliche Lösung zustande.“ Aktionäre wie auch Gläubiger der Hybridanleihe würden demnach leer ausgehen.

Besser sieht es für die vorrangigen Banken aus: Diese sollten mit Befriedigungsquoten zwischen 86 und 89 Prozent klar bevorzugt werden. Die Gläubiger des nur partiell besicherten SynLoan II sollten 46 bis 55 Prozent erhalten, die Gläubiger der Wandelanleihe zwischen 27 und 41 Prozent. Anlegeranwalt Klaus Nieding forderte die IVG auf, die Geheimgespräche zu beenden und die Gläubiger der Hybridanleihe zu beteiligen: "Für die Gläubiger der Hybridanleihe muss es einen Platz am runden Tisch geben wie für die anderen Gläubiger auch, nicht nur einen Tribünenplatz wie bisher", sagte der Kapitalmarktrechtler.

IVG-CEO Schäfers: Schutzschirm nur „alternative Route“

Dabei sollten die Gläubiger des syndizierten Kredits von 2007, des bilateralen Kredits über 100 Millionen Euro (dem sog. LBBW-Kredit) und der Wandelanleihe FINANCE-Informationen nach auf Forderungen in Höhe von 1,85 Milliarden Euro verzichten, dafür im Gegenzug aber 96,5 Prozent der Anteile an der IVG bekommen. Rechnete man auch noch die Forderungen der Hybridanleihegläubiger hinzu, stand eine Summe des Forderungsverzichts von insgesamt 2,25 Milliarden Euro im Raum.

Nach Darstellung des Vorstand werde der Sanierungskurs nunmehr lediglich „über eine alternative Route“ weiter verfolgt, die Schäfers schon vor Wochen ins Gespräch gebracht hatte. Diese Auffassung lässt das  ESUG-Verfahren als gleichsam komfortablen Kurs zur Sanierung erscheinen, das die Abschneidung von Altschulden etwa durch den Debt-to-Equity-Swap erleichtert. Und in der Tat hatte der Vorstand alles getan, um eine reguläre Insolvenz zu vermeiden und im Amt bleiben zu können: So wurde vorsorglich der konzernweite Cashpool  abgeschaltet und eine weitere Brückenfinanzierung für den daraus entstehenden höheren Liquiditätsbedarf abgeschlossen. Allerdings bemängeln Beobachter, dass der Vorstand viel zu spät auf die Krise reagiert habe.

IVG will sich als Asset Manager neu positionieren

Derweil hat die IVG ihr neues Geschäftsmodell bekräftigt. Auch zukünftig will die IVG sowohl eigenes und fremdes Geld in Immobilien und Kavernen investieren. Die IVG will integrierter Asset Manager bleiben. Basis dafür sei dann aber ein wesentlich konservativeres und weniger volatiles Geschäftsmodell „mit marktüblicher Verschuldung und einer soliden Kostenstruktur“.  Eine teilweise Neubewertung des Immobilienportfolios steht offenbar noch bevor, ebenso ein Abverkaufsprogramm über 500 Millionen Euro von 60 kleineren Immobilien bis 2016, die die Rendite des Eigenbestands auf 5,7 Prozent erhöhen soll. Das zukünftig schwach erwartete Kavernengeschäft soll deutlich reduziert werden. Der Vorstand um Schäfers hat nun drei Monate gewonnen: Nach wie vor scheint nach einem Schutzschirmverfahren auch eine reguläre Insolvenz im Bereich des Möglichen zu sein.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

Info

Verfolgen Sie die Verhandlungen mit aktuellen Updates auf der Themenseite zu IVG Immobilien.

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