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CFOs im Mittelstand erwarten Finanzierungsprobleme

Der deutsche Mittelstand ist in der Welt zu Hause.
Thinkstock / Getty Images

Deutsche Mittelständler rechnen mit wachsenden Finanzierungsproblemen. Das geht aus der gerade veröffentlichten Commerzbank-Studie Unternehmerperspektiven hervor, für die insgesamt 4.000 mittelständische Unternehmen in Deutschland zu ihrer internationalen Aufstellung befragt wurden. Mehr als zwei Drittel der Studienteilnehmer zeichnen darin ein eher düsteres Bild über den künftigen Zugang zu Kapital. Weitere Sorgen der großen Mittelständler betreffen eine schwankende Nachfrage und häufige Zahlungsausfälle im internationalen Geschäftsverkehr.

Überdurchschnittlich Exportorientiert

Die konjunkturellen Aussichten beurteilen die meisten Mittelständler in den nächsten drei bis fünf Jahren als schwierig. Vor allem im Euroraum rechnen die Unternehmen mit schwachen Wachstumsraten. Zudem befürchtet der große Mittelstand überdurchschnittlich häufig die Zunahme von Protektionismus. Das träfe den deutschen Mittelstand besonders hart, denn 74 Prozent der großen mittelständischen Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz setzen ihre Produkte und Dienstleistungen auch im Ausland ab. Allerdings ist der Anteil der Unternehmen mit Auslandsumsatz im Vergleich zu 2007 nahezu konstant geblieben. Wegen der unsicheren Rahmenbedingungen wird die Aufnahme von Auslandsgeschäften derzeit sogar deutlich seltener geplant als noch 2007.

Europa bleibt zwar der zentrale Markt für international tätige Unternehmen. Der Handel mit Schwellenländern gehört aber heute zum Regelfall. Mehr als vier Fünftel der großen international tätigen Unternehmen setzen auch außerhalb der etablierten Volkswirtschaften ab. Immer mehr in den Fokus rückt dabei Asien. Dabei hat sich der große Mittelstand im Vergleich zur Situation von vor sechs Jahren vor Ort stärker vernetzt. Es gibt deutlich mehr Unternehmen, die langfristige Kooperationen im Ausland eingehen, aber auch mehr Firmen mit Niederlassungen und Tochtergesellschaften im Ausland. Die externen Herausforderungen nehmen jedoch zu – vor allem in Form von Währungsrisiken und Handelsbarrieren, aber in besonderem Maße auch beim Schutz geistigen Eigentums.

Regelfall Global Sourcing

Mehr als zwei Drittel der großen mittelständischen Unternehmen beschaffen Produkte oder Dienstleistungen aus dem Ausland. Auch hier ist der große Mittelstand überdurchschnittlich internationalisiert. Die mittelständischen Beschaffungsmärkte sind globalisiert; sie liegen häufig auch in den BRIC-Staaten und weiteren Schwellenländern. 56 Prozent der Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 100 Millionen Euro produzieren selbst im Ausland. Dabei haben zwei Drittel der Unternehmen im großen Mittelstand mindestens einen Auslandsstandort, wobei die Präsenz vor Ort primär der Markterschließung dient.

Im Vergleich zu den Studienergebnissen von vor der Krise ist die Kritik an den Finanzinstituten zurückgegangen. Ein Drittel der Unternehmen im großen Mittelstand hält das deutsche Bankensystem allerdings immer noch für zu schwach aufgestellt, um eine internationale Expansion der deutschen Wirtschaft zu unterstützen. Verbesserungsbedarf wird vor allem in der strategischen Beratung: beim Verständnis individueller internationaler Geschäftsstrategien, bei der Entwicklung individuellere Lösungen für schwierige Länder und in der Beurteilung von Risiken.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de

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