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Deutsche Börse eröffnet Venture Network

Die Shopping-Plattform Stylefruits ist eines der Start-ups, die bei der Deutsche Börse Venture Netwirk mitmischen.
Stylefruits/Kostenko Maxim

Die Deutsche Börse backt kleine Brötchen: Ein neues Börsensegment für Start-ups, wie es unter dem Stichwort Neuer Markt 2.0 im Gespräch war, wird es nicht geben. Dafür kommt eine Plattform mit dem etwas schwerfälligen Namen Deutsche Börse Venture Network. Sie soll zur „Verbesserung der Finanzierungsmöglichkeiten von jungen Wachstumsunternehmen“ beitragen, heißt es in einer offiziellen Mitteilung.

Die Plattform soll vor allem bei der Anbahnung von Finanzierungsrunden helfen, indem sie verheißungsvolle Start-ups und finanzierungswillige Venture Investoren zusammenbringt. Außerdem werden für die Mitglieder Trainingsangebote und Workshops ermöglicht, um ihr Wissen rund um das Thema Kapitalmarktfinanzierung zu vertiefen, wie es heißt. „So können Unternehmen auch die eigene Reporting- und Corporate Governance-Struktur kontinuierlich auf die Anforderungen des Kapitalmarkts vorbereiten“, sagt die Deutsche Börse. So schafft der Handelsplatz den Start-ups die Möglichkeit, einen Zwischenschritt auf dem Weg zum IPO zu gehen – eine stark abgespeckte Version des ursprünglich geplanten Börsensegments Neuer Markt 2.0.

Deutsche Börse: Start-ups müssen Aufnahmekriterien erfüllen

Mitmachen kann nicht jedes Unternehmen, denn die Aufnahme ist an bestimmte Kriterien gekoppelt. So müssen sich die Unternehmen bereits in einer Growth-, Late-Stage- oder Pre-IPO Phase befinden. Außerdem spielen bestimmte Kenngrößen wie zum Beispiel Umsatz, Umsatzwachstum oder Nettojahresgewinn bei der Aufnahme eine Rolle.

Aus dem Umfeld des Projekts erfuhr FINANCE sechs konkrete Kriterien, von denen drei mindestens für eine Aufnahme erfüllt sein müssen. Die Unternehmen müssen innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens zehn Millionen Euro eingesammelt haben. Basierend auf der letzten Finanzierungsrunde muss der Unternehmenswert bei über 20 Millionen Euro liegen. Es müssen mehr als zehn Millionen Euro jährlich an Umsatz generiert werden und das durchschnittliche jährliche Umsatzwachstum sollte in den vergangenen zwei Jahren bei mindestens 30 Prozent liegen. Der jährliche Nettogewinn muss 500.000 Euro übersteigen. Es sollten mehr als fünf Millionen Euro an haftendem Eigenkapital vorhanden sein und nicht zuletzt sollte das Unternehmen seit mindestens zwei Jahren im Geschäft sein. Im Vorfeld berichtete auch Gründerszene.de von diesen Kenzahlen. Die Deutsche Börse wollte sich auf Anfrage von FINANCE zu diesen kolportierten Bedingungen nicht äußern.

Mister Spex und Co: Viele namhafte Start-ups dabei

Diese Kriterien erfüllt haben bislang 27 Unternehmen, darunter Szenengrößen wie Auctionata, Brille24, Home24, Mister Spex oder Stylefruits. Mitglied des neuen Netzwerks sind außerdem bereits 42 Investoren, unter anderem Allianz Global Investors, Auctus Capital Partners, Earlybird Venture Capital, Holtzbrinck Ventures oder SHS.  

Die neue Plattform scheint auf Interesse bei den jungen Unternehmen zu stoßen, denn vor einigen Monaten waren es nur erst 12 Unternehmen, die eine Mitgliedschaft hatten. Auf der Start-up-Plattform deutsche-startups.de haben sich bereits einige Mitglieder geäußert: „Uns geht es vor allem darum, Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen auszutauschen, neue Funding-Opportunities zu identifizieren und noch genauer auszuloten, wann und ob ein Börsengang für Stylefruits attraktiv sein könnte”, sagt zum Beispiel Ingo Heinrich, Geschäftsführer von Stylefruits. Die Start-ups scheinen es begrüßen, dass es sich um kein neues Börsensegment, sondern um eine Plattform zum Austausch handelt.

Kritik: Börsenkandidaten könnten abwandern

Auch schon vor rund einem Jahr, als Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel zum ersten Mal von einem Markt 2.0 sprach, stieß der Vorschlag nicht gerade auf Gegenliebe. In einem Interview mit FINANCE erklärte beispielsweise Ben Esser, CEO und Gründer des Online-Anbieters für Heimtextilien Urbanara: „Ein Markt 2.0 ist nicht per se schlecht, aber er geht an den Bedürfnissen des derzeitigen Marktes vorbei. Der Finanzierungsbedarf liegt viel niedriger, bei vielleicht vier bis zehn Millionen Euro“. Er hat sich damals bewusst für eine Form des Crowdfunding entschieden, die einem IPO gar nicht so unähnlich ist: Im November 2013  sammelt sein Unternehmen 3 Millionen Euro über die Internetplattform Bergfürst, auf der die Anleger auch mit Aktien handeln können.  

Doch nicht alle finden es positiv, dass die Wirtschaft sich nicht zu einem Börsensegment durchgerungen hat. Der Bundesverband Deutsche Start-ups beispielsweise sieht es als kritisch an, dass die neue Plattform nur einen Zwischenschritt bis zur Börse darstellt: „Wenn wir zu lange damit warten einen Börsenindex für Wachstumsunternehmen zu schaffen, werden sich unsere wachstumsstärksten Technologiegründungen für andere internationale Börsenplätze entscheiden oder zum Unternehmensverkauf gezwungen sein“, heißt es in einer Stellungnahme Ende April.  

julia.becker[at]finance-magazin.de

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