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EZB greift bei Corporate-Bond-Emissionen zu

Die EZB kauft verstärkt am Primärmarkt für Unternehmensanleihen.
typhoonski/iStock/Thinkstock/Getty Images

Die Europäische Zentralbank hat ihr Kaufprogramm für Unternehmensanleihen auch nach der Sommerpause mit unverminderter Geschwindigkeit fortgesetzt. In der Woche vom 9. bis zum 16. September hat die Zentralbank Bonds für 2,7 Milliarden Euro gekauft. Das ist der höchste Wert, den die EZB bisher in einer Woche am Corporate Bondmarkt umgesetzt hat, kommentieren die Analysten vom Bankhaus Metzler. Seit Beginn des Programms im Juni 2016 hat die Zentralbank bereits Unternehmensanleihen für mehr als 25 Milliarden Euro gekauft.

Schritt für Schritt schraubt die EZB dabei den Anteil der Bonds nach oben, die sie direkt bei der Emission kauft. Kurz nach Beginn des Kaufprogramms im Juni lag der Anteil der Primärmarktkäufe noch bei rund 3,7 Prozent. Ende August hat er sich auf 6,5 Prozent gesteigert. In absoluten Zahlen sind das Corporate-Bonds im Wert von fast 1,3 Milliarden Euro.

EZB gehen Möglichkeiten am Sekundärmarkt aus

Dieser Wert dürfte sich im September weiter erhöht haben, da der Monat nach der Sommerpause traditionell emissionsreich ist und sich der EZB viele Möglichkeiten geboten haben, ihr Ankaufprogramm zu beschleunigen. Rund 29 Milliarden Euro wurden nach Angaben des Bankhauses Metzler bisher im September von Unternehmen am Eurobondmarkt platziert. Auch deutsche Konzerne waren am Euro-Markt aktiv: Henkel, die Schaeffler-Verwaltungs-Holding und die Deutsche Bahn platzierten zusammen rund 3,9 Milliarden Euro.

„Wir gehen davon aus, dass sich der Anteil der Käufe der EZB am Primärmarkt auch in dem kommenden Monaten noch weiter steigern wird“, sagt Fixed-Income-Analyst Dwight Bolden von Metzler. Grund dafür ist auch: Am Sekundärmarkt wird die Lage für die EZB immer schwieriger. „In diesem Zinsumfeld, in dem gute Anlagemöglichkeiten immer seltener werden, wollen viele Investoren ihre Unternehmensanleihen einfach behalten“, meint Bolden. Folge: Kaufmöglichkeiten für die Zentralbank gebe es immer weniger, die Liquidität trockne aus. Diese Entwicklung treibt die Zentralbank in die direkte Unternehmensfinanzierung, was nicht unumstritten ist.

„Wenn die EZB weiter stark am Sekundärmarkt kaufen wollen würde, dann ginge das nur über starke Preisverzerrungen“, warnt Bolden. Dies dürfte jedoch nicht im Interesse der Zentralbank sein. Alternativ könnte sie die Bedingungen für ihre Bondkäufe weiter lockern. Bislang kauft die Zentralbank Anleihen mit negativer Rendite zum Beispiel nur dann, wenn diese noch über dem negativen Einlagenzins der EZB von minus 0,4 Prozent liegt. Das ist zwar momentan kein Thema. Wenn das Zinsniveau allerdings weiter fällt, könnte im Frankfurter Ostend eine Anpassung der Programmvorgaben auf die Tagesordnung kommen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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