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EZB und EIB wollen den ABS-Markt ankurbeln

Die EZB will mit einem speziellen ABS-Programm die Kreditvergabe an den Mittelstand ankurbeln.
Thinkstock / Getty Images

Die Nachricht ging am Rande der Zinssenkung für die Eurozone auf rekordniedrige 0,5 Prozent und der Vorstellung der neuen 5-Euro-Scheine in Bratislava fast unter, dabei könnte sie für viele Unternehmen deutlich relevanter sein: Die Europäische Zentralbank (EZB) will gemeinsam mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) den Markt für verbriefte Unternehmenskredite endlich wieder in Gang bringen.

Das Vehikel, mit dem die Zentralbank den in vielen Ländern Europas nach Kredit lechzenden Mittelstand unterstützen will, sind die seit 2007 vielgeächteten Asset Backed Securities (ABS). Laut Reuters will die EZB der EIB ermöglichen, die von ihr ausgegebenen Kredite zu verbriefen und bei der EZB für Repo-Operationen zu hinterlegen. Das soll den nach Worten von EZB-Chef Mario Draghi „toten“ ABS-Markt wiederbeleben.

Hartmut Bechtold, Geschäftsführer von TSI, einer Initiative von dreizehn Banken in Deutschland zur Förderung des deutschen Verbriefungsmarktes, bestätigt, dass Draghis Diagnose zutrifft. „Die beiden einzigen ABS-Märkte, die in Deutschland noch halbwegs funktionieren, sind diejenigen für Leasing- und Handelsforderungen und für Automobilkredite. Zusammen sind das etwa 22 Milliarden Euro Volumen im Jahr.“ Andere ABS-Märkte seien seit der Krise nicht wieder angesprungen.

Grenzen der Geldpolitik

Hintergrund der EZB-Überlegungen ist der Umstand, dass die klassische Geldpolitik der EZB ihre Grenzen erreicht hat. Vor allem in den Peripherieländern übertragen sich die niedrigen Leitzinsen  nicht mehr in niedrige Kreditzinsen für Unternehmen. Daher sucht die EZB nun nach Wegen, die Finanzierung von mittelständischen Betrieben gezielter und direkter zu fördern als bisher.

Noch seien die Überlegungen in einer extrem frühen Phase, so Draghi. Es scheint zudem noch nicht klar, ob die Möglichkeit nur für die EIB gelten wird oder ob das Programm auch auf Geschäftsbanken ausgedehnt werden könnte. In Großbritannien ist das der Fall. Dort hat die Bank of England im Juli 2012 das „Funding for Lending Scheme“ aufgelegt. Dies gewährt britischen Banken deutliche Refinanzierungsvorteile für jedes zusätzliche Pfund, das sie an kleine und mittelständische Unternehmen sowie an private Haushalte verleihen.

Auch in Deutschland gibt es schon Erfahrungen mit ähnlichen Programmen. So hatte die  KfW 2001 nach dem Platzen der Dotcom-Blase ein Verbriefungsprogramm namens Promise (Program for Mittelstand Loan Securitization) aufgelegt, um deutschen Banken und Sparkassen Mittelstandsrisiken von den Büchern zu nehmen und ihnen damit Luft für neue Kredite zu verschaffen.

Regulatoren als Gegenspieler

Ob die EZB damit das Wachstum in der Eurozone wieder in Gang setzen kann, ist jedoch fraglich – vor allem, weil sie einen mächtigen Gegenspieler hat. „Die EZB versucht, den Markt wieder in Gang zu bringen, während der Regulator genau das Gegenteil erreichen will“, erklärt Bechtold. Die Aufsichtsbehörden haben immer noch die Subprime-Krise im Hinterkopf, die von Verlusten aus Verbriefungen ausgelöst wurde. Regulatorische Neuerungen wie die Solvency II-Regeln für Versicherungen und die jüngsten Vorschläge zur Behandlung von Verbriefungen unter Basel III verunsichern die Marktteilnehmer so sehr, dass viele von ihnen lieber die Finger von langlaufenden Verbriefungen lassen.

armin.haeberle[at]finance-magazin.de

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