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Finanzinvestoren verhandeln Buy-out-Kredite neu

Xella hat gemeinsam mit dem Eigentümer Lone Star zweimal die Kreditbedingungen verbessert. Im Bild die Firmenzentrale in Duisburg.
Xella

13,7 Millionen Euro spart Douglas jedes Jahr, seitdem die Parfümeriekette gemeinsam mit ihrem Eigentümer CVC die Bedingungen des Buy-out-Kredits mit den Geldgebern neu festgesetzt hat. Douglas muss für das Senior-Darlehen jetzt nur noch 3,75 Prozent Zinsen bezahlen, einen Prozentpunkt weniger als vorher – und das bei einer Kreditsumme von stattlichen 1,37 Milliarden Euro.

Douglas konnte bei den beteiligten Banken – die Deutsche Bank war federführend, außerdem waren Goldman Sachs, JP Morgan und Unicredit beteiligt – mit einem gesteigerten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) argumentieren. Aber mindestens genau so schwer wiegt, dass die Marktlage den Nehmern von Leveraged Loans in die Hände spielt: Im hartnäckigen Niedrigzinsumfeld suchen institutionelle Investoren immer stärker nach Rendite, doch die Anzahl neuer Leveraged-Buy-outs bleibt mehr oder weniger gleich. „Es gibt ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage“, resümiert der Finanzierungsberater Marcel Herter.

Immer mehr Geld drängt in den Markt

Damit folgen die riskanteren und teureren Buy-out-Kredite dem Trend, der sich bei gewöhnlichen Unternehmenskrediten schon seit Jahren abzeichnet. „Zuerst sind die Zinsen für sichere Schulden heruntergegangen, jetzt werden auch die Kredite mit geringerer Bonität billiger“, sagt Herter. Der Grund: „Es drängt weiter Geld in den Markt, das nach Rendite sucht.“

Neben CVC hat sich auch der Finanzinvestor Macquarie die Marktbedingungen für Neuverhandlungen zunutze gemacht, und zwar beim Portfoliounternehmen Techem. Der Hersteller von Strommessgeräten hatte nach FINANCE-Informationen ursprünglich für einen nachrangigen Kredit über 475 Millionen Euro 3,125 Prozent Zinsen bezahlt.

Jetzt hat Techem den Zinssatz im Rahmen einer Neuordnung des Finanzierungspakets – zu dem noch andere Kredite gehören – auf 2,75 Prozent gesenkt. Gleichzeitig hat Techem den Kredit um 80 Millionen Euro erhöht sowie die Fälligkeit von 2017 auf 2020 verschoben.

Xella hat zweimal den Leveraged Loan verbilligt

Der Finanzinvestor Lone Star hat beim Baustoffhersteller Xella schon vor Abschluss der Finanzierung zweimal die Bedingungen geändert. Zunächst war mit den Banken um Credit Suisse, Goldman Sachs und Morgan Stanley ein nachrangiger Kredit im Volumen von 1,15 Milliarden Euro und eine Nachranganleihe über 250 Millionen Euro geplant gewesen.

Es folgte ein Zwischenschritt mit einem Kredit über 1,4 Milliarden Euro und einer Anleihe über 50 Millionen Euro. Jetzt sind die Verhandlungspartner bei einem 1,45 Milliarden Euro hohen Kredit ohne begleitende Anleihe gelandet. Für den Kredit zahlt Xella unterm Strich nur noch gut 4 Prozent Zinsen, im ursprünglichen Paket wären es knapp 5 Prozent gewesen.

Herter hält es für unwahrscheinlich, dass die Kreditnehmer ihre Bedingungen zu Lasten der Banken, die die Kredite verpacken und weiterreichen, und der institutionellen Investoren, die sie letztlich begeben, noch weiter verbessern können. „Ich sehe nicht mehr viel Spielraum für eine weitere Verbilligung von LBO-Krediten“, sagt der Finanzierungsberater. Das liege auch am veränderten regulatorischen Umfeld für institutionelle Anleger, dass diese zu höheren Eigenkapitalanteilen in ihren Vehikeln zwingt und damit dazu führt, dass sich die Investition in allzu niedrig verzinste Kredite für sie nicht lohnt.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

Info

Lesen Sie mehr über das Treiben der Finanzinvestoren auf der Themenseite Private Equity.

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