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Grundkapital halbiert: Poster XXL-Minibond wirft Fragen auf

Der Münchner Fotodienstleister PosterXXL hat die Hälfte seines Grundkapitals verloren.
Poster XXL

2012 hat das Start-Up-Unternehmen eine Mittelstandsanleihe platziert und insgesamt 5,4 Millionen Euro in Eigenemission erlöst. 15 Millionen Euro waren in der ersten Bondtranche beabsichtigt, es war die erste Anleihe im Münchner Mittelstandssegment m:access. Alleinvorstand und Mehrheitsaktionär Christian Schnagl hatte den Gang an den Bondmarkt damit begründet, dass der Konzern unabhängig bleiben wolle, um seine ehrgeizigen Wachstums- und M&A-Ziele zu erreichen:  „Die Schnellen fressen die Langsamen, nicht die Großen die Kleinen“, sagte Schnagl im Sommer 2012 zu FINANCE. Dabei erschien Beobachtern die Relation vom damaligen Umsatz zum avisierten Bonderlös schon damals gewagt.

Start-up mit Eigenkapitalrisiken

Die Emission wurde kleiner als gewollt und die erste halbjährliche Zinszahlung hat das Unternehmen inzwischen geleistet. Doch bangen Anleger nun um ihre Einlagen. Trotz eines Umsatzwachstums von über 50 Prozent auf 31 Millionen Euro im Jahr 2012 machte das Unternehmen im selben Geschäftsjahr 1,6 Millionen Euro Verlust. 2011 und 2010 hatte der Konzern noch 0,7 bzw. 0,3 Millionen Euro verdient. Dabei hatte Schnagl im Interview mit FINANCE-TV sehr stark mit dem gewinnsteigernden Effekt neuer Umsätze argumentiert. Die Kuponzahlungen für den mit 7,25 Prozent verzinsten Bond, so sagte Schnagl, seien aus dem EBIT ohne Weiteres möglich. Auf das Cashflowprofil ging der CEO nicht ein. Bei Startups wie PosterXXL ist es allerdings nicht ungewöhnlich, dass aus dem laufenden Geschäft noch Mittel abfließen. Die Eigenkapitalquote des Unternehmens lag 2011 noch bei 31 Prozent, sie dürfte durch die Emission der Mittelstandsanleihe sowie die Verluste nun deutlich gesunken sein. Der Konzern kommuniziert dazu keine Zahlen.

Für den enttäuschenden Geschäftsverlauf macht Poster XXL kostenseitige Sondereffekte wie die Anleiheemission und Marketingmaßnahmen für die Messe photokina verantwortlich, die mit insgesamt 0,9 Millionen Euro zu Buche geschlagen hätten. Zudem seien Umsätze aus dem Weihnachtsgeschäft erst im ersten Quartal diese Jahres gebucht worden. Kostenseitig wirkte sich auch der starke Personalaufbau in allen Unternehmensteilen aus.

Poster XXL sieht sich dennoch auf gutem Kurs, seine Ziele zu erreichen und weiterhin stärker als der Markt zu wachsen. Anleger der Mittelstandsanleihe bangen hingegen um die Zahlung des nächsten Kupons. Auch wenn damit noch kein Ausfall wie bei zahlreichen Solarwerten bevorsteht: Die Unkenrufe, dass eine Mittelstandsanleihe für ein Startup wie PosterXXL die falsche Finanzierungsform war, haben sich damit bewahrheitet.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de