Newsletter

Abonnements

Insolvent: Conergy-Konsortialbank stimmt gegen neuen Investor

Geschmolzen wie Schnee in der Sonne: Conergys Cashreserven sind erschöpft.
Conergy

Das letzte Aufbäumen war zwecklos: Erst Mitte Mai hatte Conergy eine Wandelanleihe  bei zwei strategische Investoren platziert und 4,5 Millionen Euro Liquidität erlöst. Seine Umsatzprognose hatte Conergy zu dem Zeitpunkt sogar nochmals leicht erhöht. Doch schmolzen die Millionen offenbar wie Schnee in der Sonne. Bereits im vergangenen Jahr hatte Conergy einen Cashabfluss zu verzeichnen: Ende März 2012 noch 23,4 Millionen Euro Cash in der Kasse, waren es Ende Dezember 2012 nur noch 18,9 Millionen Euro. 2013 muss sich die Cashverbrennungsrate beschleunigt haben. Für Ende März weist der Quartalsbericht nur noch Zahlungsmittel von 7,3 Millionen Euro aus. Die Nettoverschuldung stieg im selben Zeitraum von rund 116 auf 128 Millionen Euro. Zuletzt fiel eine Zahlung in knapp zweistelliger Millionenhöhe aus einem Großprojektgeschäft aus, wie FINANCE erfuhr. Auch die 6 Millionen Euro  Vergleichssumme aus dem Rechtsstreit mit den Ex-Vorständen des Konzerns sind anscheinend noch nicht geflossen. Das Genick brach Conergy schließlich ein negatives Votum des aus zehn Banken bestehenden Konsortiums um Deutsche Bank und Commerzbank. Eine Bank stemmte sich mit Macht gegen den laut Unternehmens-angaben „weit verhandelten“  Einstieg eines neuen Aktionärs, bei dem es sich um einen asiatischen Investor handeln soll. Das machte den Schritt zum Hamburger Amtsgericht unumgänglich.

Zu wenig Cash: Keine Insolvenz in Eigenregie möglich

Mangels Cashreserve ist keine Insolvenz in Eigenregie möglich, wie FINANCE erfuhr. Dabei standen die Vorzeichen 2013 besser als zuvor: Die Umsätze sind laut Aussage des mit der Restrukturierung beauftragten CEO Philip Comberg erstmals wieder gestiegen. Das kapitalintensive Großkundengeschäft sollte vorangetrieben werden. Doch Geld verdiente der Konzern offenbar nicht, auch wenn er sich zuletzt als Outperformer der gebeutelten Solarbranche sah. Nun muss Conergy eingestehen, dass sowohl der umfassende Schuldenschnitt via Debt-to-Equity-Swap 2011, bei dem die Deutsche Bank und der US-Investor New York Capital viel Geld abschreiben mussten, wie auch die anschließende Kapitalerhöhung und Refinanzierung über eine drei Tranchen umfassende Kreditlinie letztlich vergebens waren.

Nach wie vor gibt sich Comberg zuversichtlich, einen neuen Investor zu finden. Dabei könnte ihm sein chinesischer Hintergrund helfen. Comberg hat enge Beziehungen zur chinesischen Solarindustrie und beherrscht die Sprache fließend. Als er Anfang 2012 nach der vergeblichen Suche nach einem externen CEO-Kandidaten aus dem Aufsichtsrat an die Unternehmensspitze gesandt wurde, sagte er: „Mein China-Knowhow wird Conergy nutzen.“

Dies muss er nun in Rekordzeit beweisen. Zugleich scheint sich nach Q-Cells, das an einen koreanischen Investor verkauft wurde, der Ausverkauf eines weiteren Subventionsgrabs nach Fernost zu wiederholen.
marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

FINANCE Daily Newsletter
Das Wichtigste aus der FINANCE-Welt – täglich direkt in Ihr Postfach.
Jetzt abonnieren »
Jetzt abonnieren »
FINANCE Daily Newsletter