Newsletter

Abonnements

Krisenfälle: Automotive rückt in den Brennpunkt

In der Automobilbranche gibt es verstärkt Reparaturbedarf.
Thinkstock / Getty Images

Deutschland erlebt zurzeit eine beeindruckende Sonderkonjunktur. Trotz schwieriger makroökonomischer Rahmenbedingungen erweist sich die Wirtschaft als robust. Gleichwohl gehen die im FINANCE Restrukturierungsbarometer befragten Experten, das in Zusammenarbeit mit Struktur Management Partner durchgeführt wird (siehe Kasten), mehrheitlich davon aus, dass die Zahl der Unternehmenskrisen in den kommenden sechs Monaten steigen wird. Mehr als die Hälfte rechnet mit zunehmenden bzw. deutlich zunehmenden Zahlen. Besonders krisengefährdet werden die Branchen Umwelttechnologie und erneuerbare Energien, Fahrzeugbau und -zubehör sowie Transport, Logistik und Touristik eingeschätzt.

Das verwundert nicht, waren aus diesen Sektoren – allen voran aus der Automobil- und aus der Solarbranche – in den vergangenen Monaten doch regelmäßig Hiobsbotschaften zu vernehmen. „Einige Automobilzulieferer spüren vor allem den Absatzeinbruch in Europa, was sehr stark vom OEM-Mix im Portfolio abhängt“, hat etwa Georgiy Michailov, Partner bei der Beratung Struktur Management Partner, beobachtet. Allerdings zeigt sich im Zeitablauf auch, dass die Experten etwas optimistischer sind als noch im Sommer 2012: Damals erwarteten sogar noch mehr Befragte eine Zunahme, der befürchtete Einbruch der Konjunktur zum Jahreswechsel und weitere Schocks aus Euroland sind aber ausgeblieben.

Darüber hinaus könnte die Refinanzierung von Standard-Mezzanine-Programmen für (weitere) unliebsame Überraschungen sorgen. Ein Viertel der befragten Finanzierer rechnet damit, dass Unternehmen, die „Preps“, „H.e.a.t. Mezzanine“ oder „Equinotes“ in Anspruch genommen haben, in vielen Fällen Probleme mit der Refinanzierung bekommen werden. Immerhin noch 50 Prozent der Befragten glauben, dass dies zumindest vereinzelt der Fall sein wird.

Zahl der Krisenfälle leicht gestiegen

Rückblickend ist die Zahl der Krisenfälle bereits leicht gestiegen. Im zweiten Halbjahr 2012 bekamen 37 Prozent der befragten Finanzierer mehr neue Fälle zur Bearbeitung als noch in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres. Lediglich 24 Prozent registrierten dagegen eine geringere Anzahl neuer Engagements. Allerdings konnten in der zweiten Jahreshälfte 2012 mehr Restrukturierungsfälle in den Marktbereich zurückgeführt werden als noch in der ersten Jahreshälfte. 28 Prozent der befragten Experten haben mehr Engagements aus der „Intensivstation“ entlassen. Lediglich 13 Prozent der Umfrageteilnehmer berichteten von einer höheren Anzahl Insolvenzen.

Nach Ansicht der Experten sind die Krisenursachen bei neuen Restrukturierungsfällen vor allem struktureller Natur (48 Prozent). Das heißt: Viele Schieflagen sind hausgemacht, also durch die Managementfehler der vergangenen Jahre hervorgerufen. „Das ist auch unsere Einschätzung“, erklärt Berater Georgiy Michailov. „Die meisten Krisen sind hausgemacht und sehr häufig zurückzuführen auf die nicht konsequente Umsetzung notwendiger, aber oft unangenehmer Maßnahmen.“

Finanzierung von Restrukturierungsfällen

Anhaltend schwierig ist die Finanzierung von Restrukturierungsfällen. Dieser Ansicht sind 44 Prozent der Befragten während lediglich gut 11 Prozent von einer verbesserten Finanzierungssituation berichten (siehe Grafik). Einen Peak gab es im Sommer 2012, als die Euro-Krise hochkochte: Damals empfanden nur wenige Restrukturierer die Finanzierung von Krisenfällen als leicht oder sehr leicht. Zur Beruhigung trägt momentan wohl bei, dass die Euro-Krise als beherrschbar(er) empfunden wird: Ein breite Mehrheit von 55 Prozent der Befragten rechnet nicht mit Schocks für die deutsche Wirtschaft durch ein Wiederaufflammen. Naturgemäß ist bei dem schwer vorhersehbaren Thema (Stichwort Zypern) der Anteil derjenigen, die sich keine Meinung zutrauen („weiß nicht“), mit 15 Prozent recht hoch.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de

 

Info

Das Restrukturierungsbarometer …
… ist eine Onlineumfrage, die regelmäßig von FINANCE in Zusammenarbeit mit dem Beratungshaus Struktur Management Partner unter Professionals aus dem Intensive-Care-Bereich von Banken durchgeführt wird. Die Umfrage beleuchtet die aktuelle Marktsituation in der Finanzierung von Krisenfällen. An der aktuellen Umfrage haben 94 Spezialisten teilgenommen und die Fragebögen ganz oder teilweise ausgefüllt. Zu den vollständigen Ergebnissen geht es hier.

FINANCE Daily Newsletter
Das Wichtigste aus der FINANCE-Welt – täglich direkt in Ihr Postfach.
Jetzt abonnieren »
Jetzt abonnieren »
FINANCE Daily Newsletter