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Max-Bahr-Insolvenz: Die Gläubiger zittern

Insolvenz: Nach der Dachmarke Praktiker hat es die Max-Bahr-Märkte ebenfalls erwischt.
Max Bahr

Auch bei Max Bahr gehen nun die Lichter aus. Für die Baumarktkette soll in Kürze Insolvenzantrag gestellt werden, teilte der ebenfalls insolvente Praktiker-Konzern gestern Abend mit. Grund: Die positive Fortführungsprognose ist weggefallen, nachdem ein Warenkreditversicherer dem Unternehmen das Vertrauen entzogen hat.

Die Baumarktkette könnte danach nur noch gegen Vorkasse Ware erhalten. Nach Einschätzung von mit dem Unternehmen vertrauten Personen hätte Max Bahr dafür monatlich mindestens 50 Millionen Euro Cash zusätzlich benötigt, um den Betrieb am Laufen zu halten – dafür hat die restliche Liquidität offenbar bei Weitem nicht gereicht.

Wie viel ist Max Bahr noch wert?

Als vor rund zwei Wochen die Dachgesellschaft Praktiker und acht ihrer Teilgesellschaften Insolvenz angemeldet hatten, ruhte die Hoffnung noch auf einem Überleben der prestigeträchtigeren Max-Bahr-Märke. Die Baumarktkette beschäftigt an 132 Standorten in Deutschland rund 3.700 Mitarbeiter und war integraler Bestandteil der Rettung des Gesamtkonzerns gewesen: Mit der Umwandlung zahlreicher Praktiker-Märkte in Max-Bahr-Filialen sollte das Discounter-Image des Konzerns abgestreift werden. Ein teurer Schritt – allein für die Umrüstung von 27 Märkten im ersten Quartal 2013 veranschlagte Praktiker 10,1 Millionen Euro für Umstrukturierungsaufwand und 16,3 Millionen Euro für Investitionen.
 
Geld, das nun zumindest zum Teil verbrannt sein und bei den wichtigsten Praktiker-Gläubigern die Alarmglocken schrillen lassen dürfte. Denn auch wenn zum Zeitpunkt der Praktiker-Insolvenz die Werthaltigkeit der Max-Bahr-Filialen schon bezweifelt wurde, galten sie immer noch als wichtigstes Asset. Vor allem aber dienten sie den größten Praktiker-Gläubigern als Sicherheit für ihren Super Senior-Loan über 75 Millionen Euro. Daran ist die RBS mit rund 20 Millionen beteiligt, zudem Privatinvestoren wie die Unternehmerfamilie Trautwein. Durch den Insolvenzantrag dürfte das Max Bahr-Portfolio allerdings schlagartig bis zu 150 Millionen Euro an Wert eingebüßt haben.

Gläubiger hoffen auf Gesamtinvestor

Vor diesem Hintergrund dürften sich auch die Pläne des vorläufigen Praktiker-Insolvenzverwalters Christopher Seagon von der Kanzlei Wellensiek, einen Investor für die gesamte Kette zu finden, zerschlagen – in diesem Fall zum Leidwesen der doppelt betroffenen RBS. In den letzten Tagen hatten die Konkurrenten Obi, Hornbach und Hagebau bereits Interesse signalisiert – allerdings nicht am Gesamtpaket, sondern nur an einzelnen Märkten. Die könnten bald zum Schnäppchenpreis verfügbar sein.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de