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Neue Instrumente und Anbieter für Handelsfinanzierung

Die Außenhandelsfinanzierung ist ein wichtiges Schmiermittel in der globalen Wirtschaft: Doch genau hier hakt es. Neue Instrumente sollen helfen.
Thinkstock/GettyImages

Emerging Markets, vor allem die exportlastigen asiatischen Länder, sind für ihr Wirtschaftswachstum stark auf Export- und Handelsfinanzierungen angewiesen. Die Nachfrage nach Handelsfinanzierungen, Letters of Credit oder Akkreditiven ist für den Handel in und mit Asien daher trotz der globalen Wirtschaftsschwäche ungebrochen hoch. Aber europäische Banken, traditionell die Platzhirsche unter den Trade Finance-Anbietern in der Region, ziehen sich angesichts strenger regulatorischer Anforderungen und zunehmender Refinanzierungsschwierigkeiten zunehmend aus dem Markt zurück, auch wenn das Geschäft dort eine attraktive Einnahmequelle darstellt.

Eine Folge dieses Trends ist laut einer Analyse des Kreditversicherers Marsh ein Erstarken lokaler Banken im Trade Finance-Bereich; eine andere die zunehmende Verwendung von Handelskreditversicherungen.

Neue Anbieter

Der Rückzug ist dabei nicht nur ein Problem für die Banken selbst, die sich selbst von Einkommensquellen abschneiden, sondern auch für handelsabhängige Exportnationen in Asien. Die Lücke im Trade Finance-Bereich wird teilweise durch neue, regionale Anbieter gefüllt, die von starken Bilanzen und geringeren Regulierungsauflagen profitieren. Laut Dealogic kamen im ersten Quartal 2012 drei der fünf wichtigsten Trade Finance-Anbieter in der Region asiatische Banken. Im vergangenen Jahr war nur eine asiatische Bank unter den ersten fünf. Die Asia Development Bank hat 2011 ein eigenes Trade Finance Program aufgesetzt und im vergangenen Jahr Deals von gut $3,5 Milliarden unterstützt.

Doch europäische Banken geben das lukrative Geschäft nicht kampflos auf. Um weiterhin am Trade Finance-Geschäft partizipieren zu können, setzen viele von ihnen inzwischen Versicherungslösungen ein. „Europäische Banken haben die Wahl: Entweder sie reduzieren ihr Trade Finance-Geschäft in Asien signifikant oder sie nutzen strukturierte Trade Finance-Versicherungen, um am Markt bleiben zu können und zugleich ihr Exposure zu reduzieren“, sagt Richard Green, Asia Leader in der Political Risk and Structured Trade Credit Practice von Marsh. „In der ersten Jahreshälfte hat Marsh entsprechende Versicherungspolicen im Wert von etwa $450 Millionen abgeschlossen; im vergangenen Jahr waren es im selben Zeitraum noch $85 Millionen – ein Zuwachs von 425 Prozent.“

Um für Banken attraktiver zu werden, haben Versicherer ihre Produkte angepasst. Policen sind inzwischen deutlich weniger einschränkend. Damit kommen sie Banken sowohl was deren interne Kreditvergabekriterien als auch regulatorische Kapitalanforderungen angeht deutlich entgegen. Sie könnten Trade Finance-Angebote für CFOs aber auch leicht verteuern. Daher lohnt es sich für Finanzvorstände auf jeden Fall, bei der nächsten Exportfinanzierung nach Asien genauer hinzuschauen und neben den etablierten Anbieter vielleicht sogar erstmals regionale Institute zu berücksichtigen. Schließlich will kein CFO Geschäft in Asien verpassen, nur weil seine europäische Bank die Handelsfinanzierung (und sei es nur vorläufig) nicht stemmen kann.

armin.haeberle[at]finance-magazin.de