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Neuer Aufschwung bei Mini-Bonds

Die Karlsberg-Anleihe brach das Eis für einen neuen Aufschwung bei den Mini-Bonds.
Karlsberg

Die Anleihe der Karlsberg Brauerei war der Eisbrecher. Sie war am 10. September schon nach gut zwei Stunden mehrfach überzeichnet, sodass die Zeichnung vorzeitig beendet werden musste. Die Brauerei hat sich einen großen Schluck aus der Flasche gesichert: 30 Millionen Euro zu einem Kupon von 7,375 Prozent.

Keine Frage: Der Markt für Mittelstandsanleihen belebt sich wieder. Mit der Entspannung an den Kapitalmärkten nach der EZB-Intervention häuften sich in den letzten Tagen die Nachrichten von Emittenten, die neue Anleihen begeben wollen.  „Der Erfolg von Karlsberg hat den Weg für weitere Emittenten geebnet“, sagt Thorsten Kuthe, Anwalt in der Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek, der die Transaktion betreute. So begibt etwa die Holdinggesellschaft Enterprise erstmals überhaupt in ihrer Geschichte eine Unternehmensanleihe. Diese hat eine Laufzeit von fünf Jahren und einen Kupon von 7 Prozent. Das Modeunternehmen Eterna hat sich 35 Millionen Euro frisches Kapital beschafft, nachdem der Konkurrent Seidensticker bereits im Januar 30 Millionen Euro einsammeln konnte. Die Zeichnung der Eterna-Anleihe musste ebenfalls wegen Überzeichnung vorzeitig geschlossen werden. KTG Energie sicherte sich 25 Millionen Euro zu 7,25 Prozent bis 2018. Anfang Oktober will zudem das Chemie-, Logistik- und Energieunternehmen PCC gleich zwei
neue Anleihen begeben. Weitere Kandidaten für Bond-Platzierungen in diesem Jahr sind der Spirituosenhersteller  Berentzen sowie die Modefirmen René Lezard und Laurèl.

Experten sehen vermeintlichen Boom kritisch

Experten warnen aber vor übersteigerter Euphorie. „Von außen betrachtet mag einem das wie ein Boom vorkommen“, sagt Kuthe, „Aber de facto gibt es einfach wenige Zeitfenster, in denen Platzierungen am Kapitalmarkt für Mittelständler möglich sind.“ Zwar habe sich die Anlegerstruktur seit Etablierung des Mini-Bond-Segments im Jahr 2010 verändert: „Mittlerweile zeichnen institutionelle Investoren zwischen 50 und 80 Prozent des Volumens. Die Zahl der Privatanleger ist deutlich zurückgegangen.“ Doch dabei handelt es sich tendenziell um Vermögensverwalter und kleine institutionelle Anleger, die in Hauptferienzeit verreist sind. „Die Sommermonate sind in der Regel sehr ruhig, denn da sind Privatleute und Mitarbeiter von Family Offices im Urlaub“, bestätigt Finanzierungsspezialist Hans-Werner Grunow von der Unternehmensberatung Capmarcon.

Insofern ist die aktuelle Marktbelebung eher zyklischer Natur. Die Gründe für das „Sommerloch“ sieht Kuthe zum einen in marktunabhängigen internen Faktoren und zum anderen in Unsicherheiten im Hinblick auf Griechenland. Inzwischen sei die Angst vor der Krise aber gesunken: „Man hat ein wenig die Angst verloren und lässt sich weniger beeinflussen.“ Jetzt drängen einige an den Markt, die eine Anleihe bereits vorbereitet haben. Nach Thorsten Kuthes Einschätzung werden die aktuellen Emissionen noch bis Ende November anhalten. Das nächste Zeitfenster liege dann vor Ostern, wenn die Mittelständler mit neuen Jahreszahlen um Investoren werden können.

Was die Investoren fordern

Besonders leicht fällt es weiterhin denjenigen Firmen, die mit einer bekannten Konsummarke aufwarten können. Grunow führt Seidensticker, Underberg, Valensina oder Katjes an. „Viele Anleger springen auf Marken an, das ist nicht immer rational begründet. Für eine erfolgreiche Anleihe sind eigentlich die notwendigen Zahlungsströme und ein solides Management erforderlich “, bestätigt Kuthe. Doch nicht nur bekannte Namen aus dem Mittelstand sind derzeit erfolgreich. Die Unternehmensgruppe Hahn aus Bergisch-Gladbach konnte beispielsweise innerhalb von einem Tag 20 Millionen platzieren. Der Kupon ist für eine Mittelstandsanleihe mit 6,25 Prozent relativ niedrig, während der Durchschnitt laut Kuthe bei 7,4 Prozent liegt. Das Kaufargument war hier, dass die Anleihe gut besichert ist.

Sicherheiten sind im Mini-Bond-Segment weiterhin die Ausnahme. Viele Investoren unterschätzen laut Hans-Werner Grunow die Risiken. Zudem hegt er Zweifel an der Qualität der Ratings jüngerer Agenturen, die noch nie einen kompletten Emissionszyklus von der Ausgabe bis zur Rückzahlung erlebt haben. „Es gibt keine Korrelation zwischen Risiko und Zinssatz, die Kupons liegen meist zwischen sieben und acht Prozent.“ Bei diesen Sätzen bestehe bei manchen Unternehmen überdies die Gefahr, dass die Zinszahlungen das komplette Ebit „auffressen“. Da dürfe dann wirklich nichts schief gehen – sonst drohe ein Zahlungsausfall wie bei Siag Schaaf, BKN Biostrom oder Solarwatt.

Anleihen von Unternehmen aus dem Erneuerbare-Energien-Sektor seien derzeit kaum noch platzierbar, meint Kuthe. Unterhalb eines B-Ratings seien Platzierungen fast unmöglich. Er sieht aber allgemein einen Vorteil in Ratings: „Das ist ein absolutes Muss und Merkmal der Seriosität.“ Kuthe betont jedoch, dass sich gewisse Anlegerschutzklauseln inzwischen etabliert haben. „Mittelständler sind häufig Familienunternehmen. Wenn sich die Familie zurückzieht, wollen die Investoren diese Möglichkeit auch haben“, nennt er als Beispiel. Üblich seien auch Anleihekündigungsrechte, falls Banken Kredite kündigen. Auch Covenants wie Verschuldungsgrenzen und Mindestquoten beim Eigenkapital seien zunehmend zu beobachten. Hier gebe es aber keine einheitlichen Regelungen.

Börsen rüsten sich für den Mittelstandsmarkt

Zwischen den deutschen Börsen – insbesondere Stuttgart, Frankfurt und Düsseldorf – entspinnt sich inzwischen ein richtiggehender Wettkampf um Emittenten. Die Deutsche Börse will bald ihren neuen Prime Standard für Mittelstandsanleihen starten. Die Frankfurter wollen auf die Nische zwischen Mini-Bonds und Großkonzern-Anleihen abzielen und damit der Börse Stuttgart mit ihrem Mini-Bond-Segment BondM Konkurrenz machen. Kuthe sieht im neuen Mittelstands-Prime-Standard allerdings eher eine Markterweiterung als einen Konkurrenzfaktor: „Das ist ein Ansatz, um auch etwas größere Emittenten zu gewinnen und eine Lücke zu schließen. Dieses Geschäft ging bisher nur über Banken und soll nun auf die Börsen gelenkt werden.“

Der Mittelstands-Prime-Standard richtet sich an Firmen mit mehr als 300 Millionen Euro Umsatz und einem Anleihevolumen ab 100 Millionen Euro. Die Transparenzanforderungen sollen höher liegen als im Entry Standard. Joachim von Preysing, Leiter des Primärgeschäfts der Deutschen Börse, gab sich in einem Interview für FINANCE TV kämpferisch: „In einem Jahr werden wir Stuttgart überholt haben und Marktführer bei Mittelstandsanleihen sein.“ Hans-Werner Grunow sieht den Prime Standard jedoch eher skeptisch: „Das sind keine typischen Mittelständler mehr. Wer im Prime Standard an den Markt gehen kann, der kann eigentlich auch auf ganz normalem Wege an den Markt gehen.“

alina.bartscher[at]finance-magazin.de