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„Praktiker-Management hatte Angst vor Imageverlust“

Praktiker verschwindet nach der Insolvenz vom Markt – die Zukunft von Max Bahr ist immer noch ungewiss.
Praktiker

Praktiker wird nach der Insolvenz vom Markt verschwinden, auch bei der hochwertigeren Marke Max Bahr hängt die Zukunft am seidenen Faden. Musste es so weit kommen?
Nein, das ich glaube nicht. Der Knackpunkt war, dass das strategische Konzept einfach nicht dauerhaft tragfähig war. Praktiker stand ja nur noch für billig, im Gegensatz zu Max Bahr, wo es deutlich besser lief. Die Verantwortlichen haben das erkannt und gemeinsam mit Roland Berger ein Sanierungskonzept erarbeitet: Ein Teil der Praktiker-Märkte wurde zu Max Bahr umgeflaggt, die übrigen sollten zu echten Discountern gemacht werden. Das Umflaggen war aus meiner Sicht eine gute Idee, aber die Abtrennung der Discounter war nicht finanzierbar.

Wieso?
Zu dem Zeitpunkt war nicht mehr viel Liquidität vorhanden. Die Sanierung außerhalb der Insolvenz hätte aber nochmal zu ganz anderen Kosten geführt als dieselben Schritte in einem Insolvenzverfahren. Allein der Sozialplan für die Mitarbeiter der künftigen Discounterfilialen hätte geschätzt Kosten von 2,5 Millionen Euro verursacht – etwa vier Mal so viel wie bei einer Insolvenz. Das konnte gar nicht klappen. Deshalb hätte man das Umflaggen zügig über die Bühne bringen sollen und danach in eine Planinsolvenz in Eigenverwaltung gehen sollen, anstatt nach und nach alle Reserven zu verbrennen. Schon durch Einsparungen bei der Umsatzsteuer hätte das Management so etwa 20 Millionen Euro generieren können.

Die Sanierung in Eigenverwaltung hat das ESUG ab dem 1. März 2012 deutlich vereinfacht. Warum haben die Verantwortlichen das nicht gemacht?
Ich kann mir das nicht anders erklären als mit Prestigegründen. Ein Teil der Verantwortlichen bei Praktiker war definitiv aus Prinzip gegen eine Insolvenz, die Angst vor einem Imageverlust war zu groß. Ich weiß, dass einige Kreditversicherer das ähnlich gesehen haben, aber die hätte man mit Sicherheit abholen können – sie hätten mit dem frühen Gang zum Insolvenzrichter und einer gut vorbereiteten Sanierung in Eigenverwaltung wahrscheinlich kaum Ausfälle gehabt. Als dann die Anträge aber endlich gestellt worden sind, gab es überhaupt keine Zeit mehr, um eine mögliche Sanierung unter Eigenregie vorzubereiten.

Wie stehen Ihrer Meinung nach die Chancen, dass Max Bahr nun das Schicksal von Praktiker – die Zerschlagung – erspart bleibt?
Ich glaube, dass es Jens-Sören Schröder als Verwalter nicht leicht hat, weil der Markt übersättigt ist. Trotzdem denke ich, dass die Chancen für den Einstieg von Hellweg gut stehen. Zum jetzigen Zeitpunkt halte ich es für wahrscheinlich, dass der Deal klappt.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

Info

Robert Buchalik ist Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei Buchalik Brömmekamp in Düsseldorf.