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Selecta kämpft um Covenants

Selecta bietet Snacks für Zwischendurch, kämpft aber mit Finanzierungsproblemen.
dpa

Snacks, Getränke und Schwangerschaftstests – dies alles ist erhältlich in Verkaufsmaschinen von Selecta, die sich in Bahnhöfen und Fußgängerpassagen finden. Das Unternehmen mit Schweizer Wurzeln betreibt in 22 europäischen Ländern rund 150 000 Automaten. Doch jetzt kämpft Selecta um die Einhaltung der Kreditklauseln („Covenants“) und steht deswegen stark unter Druck.

Nach FINANCE-Informationen haben sich wegen der prekären Lage jüngst Banken von Darlehen getrennt und diese an NPL-Investoren weitergereicht. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Investoren in die Schulden der Schweizer eingekauft hätten. Bereits im Sommer 2012 hatte es diesbezügliche Medienberichte gegeben. Ein Name, der damals genannt wurde, war der PE-Investor Oaktree.

SVP und Centerbridge kaufen sich ein

Mittlerweile scheinen andere das Ruder in die Hand genommen zu haben. Nach neuesten Medienmeldungen ist der Finanzinvestor Centerbridge, der auch bei der gerade laufenden Restrukturierung der Werkstattkette A.T.U eine entscheidende Rolle spielt, in erstrangige Kredite investiert. Der PE-Investor Strategic Value Partners (SVP) – vor wenigen Monaten der zentrale Akteur beim Debt-Equity-Swap von Solarworld –  soll derweil nachrangige Tranchen auf dem Sekundärmarkt gekauft haben, die aktuell bei 30 Prozent des Nominalwerts gehandelt werden. Es könnte sein, dass nachrangige Darlehen in Eigenkapital gewandelt und erstrangige Darlehen zu par refinanziert werden. SVP hatte in ähnlicher Manier nicht nur bei der Restrukturierung von Solarworld mitgewirkt, sondern im vergangenen Jahr über die Schulden auch den Folienhersteller Klöckner Pentaplast übernommen.

Die Geschäfte der Verkaufskette mit Schweizer Wurzeln und einem Jahresumsatz von rund 700 Millionen Euro entwickeln sich unter den Erwartungen, problematisch sind zudem die hohen Schulden. Der PE-Investor Allianz Capital Partners  hatte Selecta im Mai 2007 von der britischen  Compass Group übernommen. Der Kaufpreis lag bei 772,5 Millionen britischen Pfund (damals rund 1,1 Milliarden Euro) und war mit 690 Millionen Euro Schulden hochgradig fremdfinanziert.

Die Schulden sind nach Angaben des britischen Nachrichtendienstes Debtwire inzwischen sogar auf rund 800 Millionen Euro gestiegen und sind für eine LBO-Transaktion typisch strukturiert: in Betriebsmittellinie, Investitionskredite, First und Second Lien sowie Mezzanine-Kapital. Besonders durch Schuldenthesaurierung, etwa im Mezzaninebereich, und Zinseszinseffekte wurden die Verbindlichkeiten über die Jahre hinweg mehr statt weniger. 

Allianz Capital Partners scheitert mit Verkauf

Der deutsche PE-Investor Allianz Capital Partners, der sich inzwischen weitgehend aus dem Buy-out-Geschäft zurückgezogen hat, versuchte in der Vergangenheit mehrfach, sich von Selecta zu trennen. Bereits Ende 2011 leiteten die Münchener einen Verkaufsprozess ein, der aber ergebnislos verlief. Nach verschiedenen Medienberichten lagen die Gebote für Selecta unter der Höhe der Verbindlichkeiten.

ACP hatte auch mit anderen Investments wenig Freude: Schon vor vielen Jahren musste die Beteiligung an der Bundesdruckerei abgeschrieben werden. 2011 schlitterte mit dem Druckmaschinenhersteller Manroland ein Portfoliounternehmen in die Insolvenz. Gegenüber FINANCE lehnte ACP eine Stellungnahme zu Selecta ab.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

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Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.