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Walter Services: Gläubiger nehmen Insolvenzplan an

Die Unternehmenszentrale in Ettlingen: Walter Services ist mit der Zustimmung der Gläubiger zum Insolvenzplan einen Schritt weiter. Aber es ist nur ein Etappensieg.
Walter Services

Walter Services hat ein wichtiges Etappenziel erreicht: Die Gläubiger des zweitgrößten deutschen Call-Center-Dienstleisters haben die Insolvenzpläne für zehn Gruppengesellschaften mit großer Mehrheit genehmigt. Das teilte das Unternehmen heute mit. Damit könnten die Gesellschaften nun in der kürzest möglichen Zeit, die in Insolvenzverfahren zulässig ist, durch Insolvenzpläne saniert werden. Die zehn einzelnen Verfahren sollen bis zum 31. Dezember 2013 aufgehoben werden.

Das Restrukturierungskonzept, das Sanierungsgeschäftsführer Jan Markus Plathner und Christoph Morgen vom Insolvenzverwalter Brinkmann & Partner in Abstimmung mit dem Sachwalter Arndt Geiwitz erarbeitet haben, sieht unter anderem 500 Stellenstreichungen vor. Walter Services hatte zuvor bereits 500 Mitarbeiter entlassen. Einen wichtigen Punkt lässt der Plan dagegen offen: Wie es mit den fünf Standorten, die bisher exklusiv für einen großen Telekommunikationskunden arbeiten, weiter gehen soll, bleibt unklar.

Wie aus dem Unternehmensumfeld zu hören ist, soll es sich bei dem Kunden um die Telekom handeln. Die Übernahmeverhandlungen für die Standorte dauerten derzeit noch an. Auch hier solle möglichst bis Dezember eine Lösung gefunden werden. Denkbar sei aber auch zumindest eine teilweise Weiterführung durch Walter Services. Bislang hat das Unternehmen nur den Standort in Hamburg geschlossen. Hier könnten noch weitere Einschnitte nötig sein.

PE-Investor HIG Capital schießt Eigenkapital nach

Der wichtigste Baustein des Sanierungsplans dürfte wohl die Liquiditätsspritze der PE-Investoren HIG Capital und Anchorage gewesen sein. Wie FINANCE aus dem Unternehmensumfeld erfuhr, haben die Investor einen „signifikanten Beitrag“ neues Eigenkapital nachgeschossen. Ein Sprecher von HIG hatte bereits im Juli gegenüber zu FINANCE die Bereitschaft dazu signalisiert.

Mit dem Sanierungsplan wollen HIG Capital und Anchorage nun doch noch den Turnaround bei dem zweitgrößten deutschen Call-Center-Dienstleister schaffen. Die beiden PE-Investoren hatten Walter Services 2011 gemeinsam durch einen Debt-to-Equity-Swap übernommen und die Vorbesitzer Odewald und Capiton hinaus gedrängt. Der Schuldenstand des Unternehmens ist nach FINANCE-Informationen zwar nach der Transaktion auf null gesunken, dem operativen Geschäft nützte das allerdings wenig: Der Konzernumsatz sank 2012 auf unter 173 Millionen Euro. Walter Services ist stark von Großkunden wie der Telekom abhängig, hinzu kommen Überkapazitäten auf dem Call-Center-Markt.

Mit den „verschlankten Strukturen“ soll es nun in die Zukunft gehen. Doch so lange im Hinblick auf immerhin fünf Standorte noch Unsicherheit herrscht, dauert der Weg noch an. Dass der Callcenter-Markt für PE-Investoren interessant ist, zeigte zuletzt die Übernahme von Competence Call Center durch Silverfleet.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de