Covestro

11.01.18
Finanzierungen

Bayer-Verkauf bringt Covestro an die Schwelle zum Dax

Schon wieder hat sich Bayer von einem großen Aktienpaket an Covestro getrennt. Jetzt steht die frühere Bayer-Tochter vor dem Sprung in den Dax.

Bayer hat sich am heutigen Donnerstag ein weiteres Mal von Covestro-Anteilen getrennt. Es ist schon das fünfte Mal seit dem vergangenen März, dass der scheidende Bayer-Finanzchef Johannes Dietsch im großen Stil Covestro-Aktien auf den Markt wirft. Und trotzdem kennt der Aktienkurs der 2015 an die Börse gegangenen Covestro kein Halten. Inzwischen notiert Covestro bei 88 Euro gegenüber rund 25 Euro direkt nach dem Börsengang.

Bayer platzierte heute Nacht zu 86,25 Euro und nahm damit rund 1,8 Milliarden Euro ein. Ursprünglich geplant war ein Platzierungsvolumen von 1,5 Milliarden Euro. Doch wegen der hohen Nachfrage stockte Bayer die Platzierung auf.

Die Covestro-Aktie auf ihrem Weg in den Dax

Covestro Aktie

Covestro Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Covestro hängt Wirecard und Deutsche Wohnen ab

Covestro, aktuell im MDax notiert, könnte Analysten zufolge nun bald in die Premiumliga Dax aufsteigen. Nachdem Bayer heute erneut über 10 Prozent der Anteile veräußert hat, erhöht sich der Streubesitz der Covestro-Aktien auf rund 77 Prozent. Damit steigt der Marktwert des Streubesitzes auf rund 14 Milliarden Euro, inklusive des Bayer-Anteils bringt Covestro sogar fast 18 Milliarden Euro auf die Waage. Das ist mehr als bei den fünf aktuellen Dax-Mitgliedern Commerzbank, Thyssen Krupp, Lufthansa, RWE und ProSiebenSat1.

Der Rückzug von Bayer aus dem Covestro-Kapital erhöht außerdem den Handelsumsatz des MDax-Konzerns. Der Börsenwert des Streubesitzes und das durchschnittliche Handelsvolumen sind die Kriterien, nach denen die Deutsche Börse ihre Indizes zusammensetzt. Indexbeobachter glauben, dass Covestro im September in den Dax einziehen wird. Die beiden anderen möglichen Kandidaten Wirecard und Deutsche Wohnen geraten durch den forcierten Bayer-Ausstieg bei Covestro immer stärker ins Hintertreffen.

Bayer kassiert 6,6 Milliarden und stärkt Pensionskasse

Dass neben Covestro auch Bayer von der starken Performance profitiert, zeigt eine Analyse der großen Covestro-Platzierungen. Im März, Juni und September 2017 platzierte Bayer in drei Tranchen knapp 30 Prozent der Covestro-Aktien zu Kursen zwischen 62 und 66 Euro. Ende September erzielten die Leverkusener über eine Umtauschanleihe auf Covestro-Aktien 70 Euro je Aktie, und jetzt  86,25 Euro.

FINANCE-Berechnungen zufolge hat Bayer über die insgesamt fünf Trades seit März 2017 über 46 Prozent der Covestro-Aktien bei neuen Investoren untergebracht. Der durchschnittliche Platzierungspreis liegt fast genau bei 70 Euro, und insgesamt flossen Bayer Verkaufserlöse in Höhe von 6,6 Milliarden Euro zu. Außerdem hat der Dax-Konzern 8,9 Prozent der Covestro-Aktien in die Bayer-Pensionskasse eingelegt, was den Ausfinanzierungsgrad der Pensionsverbindlichkeiten zum Jahresende massiv erhöht haben dürfte.

Die Kombination aus viel höher als erwarteten Verkaufserlösen und einer starken Reduktion der Pensionsverbindlichkeiten stärkt Bayer für die bevorstehende Monsanto-Übernahme. Es wird immer unwahrscheinlicher, dass die für die Refinanzierung benötigte Kapitalerhöhung die anfangs vermuteten 15 bis 20 Milliarden Euro erreicht. Inzwischen rechnen Analysten eher mit 10 Milliarden Euro. 

kerstin.hammann[at]finance-magazin.de