Die Deutsche Börse zieht nach drei Jahren Entry Standard eine positive Zwischenbilanz. Trotz des ramponierten Rufs der Mittelstandsanleihen glaubt die Börse an die Zukunft des  Marktsegments. Ein neu vorgestellter Best Practice Guide gibt Empfehlungen für Emittenten, Intermediäre und Investoren. Fest scheint indes zu stehen, dass auch in Frankfurt die Anzahl der Ausfälle steigen.

Deutsche Börse

08.04.14
Finanzierungen

Deutsche Börse glaubt an Mini-Bonds: Zehn bis 15 Emissionen 2014

Die Deutsche Börse zieht nach drei Jahren Entry Standard eine positive Zwischenbilanz. Trotz des ramponierten Rufs der Mittelstandsanleihen glaubt die Börse an die Zukunft des Marktsegments. Ein neu vorgestellter Best Practice Guide gibt Empfehlungen für Emittenten, Intermediäre und Investoren. Fest scheint indes zu stehen, dass auch in Frankfurt die Anzahl der Ausfälle steigen.

Den Begriff der Mittelstandsanleihe schätzt man an der Deutschen Börse nicht besonders: Dieser sei irreführend, sagt Cord Gebhardt, der das Primärgeschäft leitet. Lieber spricht man vom Segment für Unternehmensanleihen kleinerer und mittlerer Unternehmen, das in den letzten drei Jahren bisher 55 Emissionen von 51 Emittenten angezogen hat – mehr als jedes andere mittelständische Börsensegment in Deutschland. Gemessen an der Zahl der Insolvenzen und der Ausfälle ist der Entry Standard mit drei ausgefallenen Emittenten bislang etwas glimpflicher davon gekommen als die anderen Börsensegmente – allen voran das Stuttgarter Segment BondM, in dem die meisten Emittenten aus dem Bereich Erneuerbare Energien gelistet waren.

In den ersten drei Jahren des Entry Standard  wurden bisher rund 2,1 Milliarden Euro platziert. Das entspricht rund 80 Prozent des prospektierten Volumens. Das durchschnittliche Emissionsvolumen liegt bei knapp 38 Millionen Euro pro Mini-Bond. Der Entry Corporate Bond Index steht bei rund 97 Prozent – etwas höher als der marktweite MiBox-Index.

Mittelstandsanleihen: Deutsche Börse glaubt an Emissionen im zweiten Halbjahr

Aber auch in Frankfurt werden die Ausfallraten der dort notierten Mini-Bonds wohl steigen, dies zumindest erwarten die Investoren im Entry Standard. Zwischen 7 bis 10 Ausfälle von Mittelstandsanleihen soll das Jahr 2014 bringen, so erwarten es von der Deutschen Börse befragte institutionelle Investoren und  Privatanleger – bisher verzeichnet der Entry Standard in diesem Jahr „nur“ die Insolvenz von Rena, die zwei Anleihen betrifft. Die höhere Ausfallrate sieht die Deutsche Börse aber als unproblematisch, so Gebhardt. Erst ab einer Insolvenzquote von 25 Prozent würde er von einem Strickfehler des Segments sprechen wollen.

Für das zweite Halbjahr erwartet die Deutsche Börse für den Entry Standard eine Belebung des Emissionsgeschäfts. Mit rund zehn bis 15 Emissionen im Gesamtjahr 2014 rechnet die Deutsche Börse inklusive Privatplatzierungen und ist damit deutlich vorsichtiger als die von ihr befragten Investoren. Dabei stützt die Börse ihren Optimismus nach bislang nur zwei erfolgreichen Emissionen wiederum auf die freilich nicht repräsentative Befragung institutioneller Investoren, die angaben, zumindest selektiv wieder in Mini-Bonds investieren zu wollen.

Best Practice Guide: Unverbindliche Empfehlungen

Gegen das ramponierte Image des Segments will die Deutsche Börse mit einem im Rahmen der Finanzindustrie gemeinsam erarbeiteten Best Practice Guide für Anleiheemissionen vorgehen, an dem führende Emissionsbegleiter wie IKB, Close Brothers Seydler, Steubing, Blättchen & Partner, Equinet und Youmex ebenso teilnahmen wie Anwaltskanzleien wie Clifford Chance und Norton Rose und etwa die Investor-Relations-Beratung Cometis. Wer darin nun feste Regeln sucht, wird allerdings enttäuscht. Herausgekommen sind „Soft Laws“, wie Deutsche Börse-Mann Gebhardt formuliert, die Orientierung geben und zugleich an vielen Stellen doch unscharf bleiben, etwa bei den Auflagen zur Investorenkommunikation mit den Anleihegläubigern.

Die Hoffnung, die die Deutsche Börse mit dem Guide verbindet, lautet gleichwohl, Emittenten, Investoren und Intermediären einen Überblick über alle Zutaten einer Emission zu liefern. Feste Auflagen will die Börse den Emittenten nicht machen. Die Erfahrung der vergangenen 15 Jahre auch im Hinblick auf den Neuen Markt habe gezeigt, dass diese nicht verfangen. „Wir wollen die Emittenten nicht aus der Pflicht nehmen“, formuliert Gebhardt: „Am Ende entscheiden die Investoren, die die Risiken tragen müssen, mit den Füßen.“

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de