„Auch nach intensiven Bemühungen konnten keine ausreichenden Finanzierungszusagen final gesichert werden.“ Mit diesen Worten verkündete der frühere Roland-Berger-Manager Markus Krall vor wenigen Minuten das Aus für die Europäische Ratingagentur, für deren Gründung Krall mehr als drei Jahre lang gekämpft hatte. Am Ende gelang es Krall nicht, die für den Start benötigten 300 Millionen Euro einzuwerben.
Ende vergangenen Jahres hatte sich die finanzielle Lage schon so weit verschlechtert, dass Krall von seinem ursprünglich favorisierten Stiftungsmodell abweichen und zur Finanzierung auf ein Investorenmodell umschwenken musste. Doch die Verhandlungen mit einem privaten europäischen Investorenkonsortium seien nun beendet worden, erklärte Krall. Damit ist das Ende des Projekts besiegelt.
Markus Krall: „Das Systemrisiko bleibt bestehen“
Zwischenzeitlich hatte es für das von Beginn an zäh laufende Projekt wieder recht gut ausgesehen, als die EU im vergangenen Jahr die Regulierung der Ratingindustrie verschärfen wollte. Dies hätte Krall in die Karten gespielt. Im Interview bei FINANCE-TV hatte er erklärt, dass seine Ratingagentur viele der von der EU aufgebrachten Vorschläge bereits berücksichtige. Den CFOs der von seiner Ratingagentur beurteilten Unternehmen versprach er einen schlankeren Prozess, den Investoren eine höhere Transparenz der Ratings. „Ich denke, dass wir 2013 an den Start gehen können“, hatte Krall noch im Dezember 2012 bei FINANCE-TV gehofft.
Das Aus begründet Krall mit den fehlenden rechtlichen Rahmenbedingungen für das von ihm favorisierte Bezahlmodell, bei dem nicht mehr – wie es aktuell der Fall ist – die Emittenten, sondern die Kapitalmarktinvestoren die Ratingeinschätzungen bezahlen sollten. Doch es ist kein Geheimnis, dass auch jenseits der rechtlichen Erwägungen die Resonanz der Investoren auf Kralls Bezahlmodell enttäuschend war.
Mit seinem Modell verband Krall auch das Ziel, die Interessenkonflikte auf Seiten der Ratingagenturen zu beseitigen, die seiner Meinung nach eine entscheidende Rolle beim Crash des US-Hypothekenmarkts und der globalen Finanzbranche 2008 gespielt hatten. Zum Abschied warnt Krall, dass diese Systemgefahren das globale Finanzsystem nach wie vor bedrohen: „Das im aktuellen Status quo liegende systemische Risiko wird ohne neue globale Konkurrenz im Ratingmarkt weiterhin bestehen bleiben.“
