Newsletter

Abonnements

EZB hat offenbar Anleihen von Siemens und RWE gekauft

Die EZB soll Bloomberg zufolge Unternehmensanleihen von Siemens gekauft haben.
Siemens

Heute hat die Europäische Zentralbank ihr viel kritisiertes Ankaufprogramm für Unternehmensanleihen gestartet – und in Deutschland offenbar gleich bei den ganz großen Unternehmen zugeschlagen.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, soll die EZB bereits Anleihen von Siemens und RWE gekauft haben. Offiziell bestätigt ist das nicht, die Notenbank wird erst am 18. Juli offizielle Angaben dazu machen, bei welchen Unternehmen und in welchem Volumen sie Anleihen gekauft hat.

Neben diesen beiden deutschen Unternehmen soll die EZB auch die Unternehmensanleihen des spanischen Telekommunikationskonzerns Telefonica, der belgischen Brauerei Anheuser-Busch, der italienischen Versicherung Generali, des französischen Automobilkonzerns Renault und des französischen Energieversorgers Engie gekauft haben.

Die EZB hat sich viel Spielraum gelassen

Im März hatte die EZB angekündigt, künftig auch Anleihen von Unternehmen zu kaufen, und hatte damit einige Kritik ausgelöst. Mit dem Programm will sie die Kreditvergabe ankurbeln und Unternehmen so zu mehr Investitionen verleiten. Kritiker warnen, dass der Markt durch den Kauf von Firmenanleihen schnell austrocknen könnte und dass dadurch Anleger aus dem Markt gedrängt werden. Damit die EZB Anleihen kaufen kann, müssen zwar einige Bedingungen erfüllt sein, doch gleichzeitig hat sich die Notenbank durch viele Ausnahmeregelungen einigen Spielraum geschaffen.

So darf die EZB die Anleihen sowohl von Banken und Investoren (Sekundärmarkt) als auch direkt von den Unternehmen (Primärmarkt) kaufen. Die EZB darf bis zu 70 Prozent der ausstehenden Anleihen kaufen, allerdings nur dann, wenn die die Anleihen mindestens mit einem Investment-Grade-Rating bewertet sein. Das Rating muss allerdings von einer der vier Ratingagenturen S&P, Moody’s und Fitch und der kanadischen DBRS kommen. In Deutschland gehören Volkswagen, BMW, Daimler und die Deutsche Telekom zu den Unternehmen, die die meisten ausstehenden Anleihen haben.

Deutsche CFOs müssen sich auf Änderungen einstellen

Die Unternehmen dürfen keine Bank sein, damit sind auch Finanztöchter von Industriekonzernen betroffen. Die Unternehmen müssen ihren Sitz in Europa haben – allerdings darf die EZB auch in Töchter nicht-europäischer Unternehmen investieren, sofern diese Töchter ihre Zentrale auf dem Kontinent haben. Die Bonds können Restlaufzeiten zwischen sechs Monaten und 30 Jahren haben.  Insgesamt kommen mehr als 1.000 Bonds im Wert von circa 600 bis 800 Milliarden Euro für das Kaufprogramm infrage, schätzen Experten.

Wenn die EZB wirklich in großem Stil Anleihen deutscher Unternehmen kauft, müssen sich CFOs auf einige Änderungen einstellen: Immerhin könnte dann die EZB mit bis zu 70 Prozent ihr größter Gläubiger werden.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

julia.schmitt@finance-magazin.de | + posts

Julia Schmitt ist Redaktionsleiterin von FINANCE-Online und Moderatorin bei FINANCE-TV. Nach ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre und Publizistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz stieg sie 2014 bei F.A.Z. BUSINESS MEDIA ein. Sie betreut die Themenschwerpunkte Wirtschaftsprüfung und Bilanzierung und ist Trägerin des Karl Theodor Vogel Preises der Deutschen Fachpresse.

Augenöffner für Finanzentscheider
Inside Corporate Banking: Die Serie zum Banken-Survey 2022
Jetzt Insights sichern »
Jetzt lesen »
Inside Corporate Banking: Die Serie zum Banken-Survey 2022