Am Mittwoch wetteten mehr Hedgefonds auf einen Kursverfall, als üblich: Gleich bei 9 Prozent aller Wirecard-Aktien wurden Short-Positionen eingegangen.

Wirecard

25.02.16
Finanzierungen

Hedgefonds haben massiv auf Wirecard-Kursrutsch gewettet

Nach schweren Vorwürfen ist die Aktie von Wirecard massiv eingebrochen. Jetzt hat sich herausgestellt, dass ungewöhnlich viel Geld auf den Verfall des Papiers gewettet wurde. Die Angelegenheit wird immer dubioser.

Am gestrigen Mittwoch ist die Aktie von Wirecard nach schweren Vorwürfen gegen das Unternehmen abgestürzt. Jetzt stellt sich heraus, dass im Vorfeld mit ungewöhnlich viel Kapital auf den Verfall der Papiere gewettet worden ist.

Laut der Süddeutschen Zeitung (SZ) wurden auf fast 9 Prozent der 123,6 Millionen Aktien solche so genannten Short-Positionen abgeschlossen. Odey Asset Management und Blue Ridge Capital gehören zu den Hedgefonds, die auf diese Art auf den Verfall der Papiere spekuliert haben.

Zatarra erhebt schwere Vorwürfe gegen Wirecard

Das wirft ein neues Licht auf den Kurseinbruch der Wirecard-Aktie am Mittwoch. Das Papier gab zwischenzeitlich um mehr als 20 Prozent auf rund 32 Euro nach und ging am Abend bei einem Kurs von 33,40 Euro aus dem Handel. Heute steht die Aktie wieder bei 34,50 Euro. Auffällig ist, dass laut Süddeutscher Zeitung bis zum gestrigen Nachmittag mehr als zehnmal so viele Wirecard-Aktien gehandelt wurden wie an einem gesamten Durchschnittstag.

Das bestärkt den Verdacht, dass eine Menge Investoren in erheblichem Maße von den Kursturbulenzen finanziell profitiert haben könnten – auch wenn unklar ist, wie stark der Hebel auf die Short-Positionen war und ob die Hedgefonds ihre Gewinne realisiert haben.

Auslöser für den Kursrutsch war der hundert Seiten umfassende Bericht eines bis dato unbekannten Research-Hauses namens Zatarra. Einer der Vorwürfe in dem Bericht ist, dass Wirecard undurchsichtige Geschäfte mit Firmen ehemaliger oder amtierender Manager des Unternehmens betrieben haben soll. Auch beschuldigt das Research-Haus Wirecard, in Geldwäscheaktivitäten verwickelt zu sein. Das Unternehmen wies die Vorwürfe entschieden zurück und kündigte rechtliche Schritte gegen Zatarra an.

Dubioses Research-Haus hat selbst mit Wirecard-Aktien gehandelt

Ebenfalls bemerkenswert: Zatarra räumt laut SZ am Ende des Berichts ein, selbst mit Wirecard-Aktien zu handeln. Zudem wurde die Website von Zatarra offenbar erst vergangene Woche angemeldet, und zwar bei der Agentur Icann, die Internet-Adressen vergibt. Antragsteller war die Firma Perfect Privacy. Diese wirbt damit, dass die Betreiber der von ihr angemeldeten Seiten nicht zurückverfolgt werden können.

Dass hinter Zatarra ein Hedgefonds steht, der mit dem Research-Bericht gezielt die Kurspanik bei Wirecard ausgelöst hat, ist somit nicht ausgeschlossen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de