Die Euribor-Reform des European Money Markets Institute kommt nicht voran. Nun denkt die EZB über einen eigenen Referenzsatz nach.

MissPassionPhotography/iStock/Thinkstock/Getty Images

05.05.17
Finanzierungen

Herber Rückschlag bei Euribor-Reform

Die Initiative zur Neuaufstellung des Referenzzinssatzes Euribor ist vorerst gescheitert. Das European Money Markets Institute, das die täglichen Euribor-Sätze veröffentlicht, will einen neuen Versuch starten – die EZB denkt aber schon über einen eigenen Referenzsatz nach.

Die Reform des Referenzzinssatzes Euribor ist offenbar schwieriger als gedacht: Nach einer sechsmonatigen Testphase für eine neue Erhebungsmethode hat das European Money Markets Institute (Emmi) jetzt mitgeteilt, dass das Projekt vorerst gescheitert ist. Der Euribor steht in der Kritik, seit bekannt wurde, dass sowohl der Euribor als auch der Libor in der Vergangenheit manipuliert worden waren. Bislang wird der Referenzsatz ermittelt, indem ein Panel aus derzeit 20 europäischen Banken ihre Angebotssätze melden. Dies nutzten einige Händler in der Vergangenheit für Absprachen und Manipulationen.

Eine Reform der Euribor-Ermittlung soll einen solchen Missbrauch künftig verhindern. Das an der Reform arbeitende Emmi zählt allerdings selbst zur Finanzbranche. In dem Institut sind die Nationalen Bankvereinigungen der EU-Mitgliedsstaaten sowie der Efta-Länder vertreten, aus Deutschland etwa der Bundesverband deutscher Banken.

EZB prescht mit eigenen Euribor-Überlegungen vor

Schon seit 2013 arbeitet das Emmi an der Euribor-Reform. Die Analyse startete damals allerdings in einem völlig anderen Marktumfeld, als beispielsweise Negativzinsen noch nicht abzusehen waren. Das wird nun zu einem Problem: In einem Vortest, dem „Pre-Live Verification Program“, hat die Emmi zwischen September 2016 und Februar 2017 Transaktionsdaten von 31 Banken aus zwölf Ländern gesammelt und analysiert.

Das Ergebnis ist ernüchternd. Unter den aktuellen Marktbedingungen sei es nicht möglich, die aktuelle Euribor-Methodik auf ein vollständig transaktionsbasiertes Modell umzustellen, musste das Emmi jetzt einräumen.

Das Scheitern der Euribor-Reform ruft nun die Europäische Zentralbank (EZB) auf den Plan. Sie hat offenbar die Geduld mit den Emmi-Reformbemühungen verloren und denkt über eine eigene Alternative zum Euribor nach. Die EZB und das Eurosystem stünden bereit zu prüfen, ob sie einen eigenen Geldmarkt-Referenzsatz auflegen, zitiert das „Handelsblatt“ einen EZB-Sprecher. Dieser Satz könnte dann als alternativer Referenzwert dienen.

Emmi setzt künftig auf Hybrid-Modell zur Euribor-Ermittlung

Der Vorstoß der EZB setzt das Emmi zusätzlich unter Druck. Dort ist die rein transaktionsbasierte Methode vom Tisch: Die Marktaktivität sei stark zurückgegangen, rein transaktionsbasierte Werte böten daher im aktuellen Marktumfeld keine ausreichend robuste Benchmark, urteilt das Emmi. Stattdessen will das Emmi  nun ein Hybrid-Modell erarbeiten.

Eine Hybrid-Methode würde sich auf Transaktionsdaten stützen, wann immer diese verfügbar sind, würde aber bei Bedarf auch andere Quellen heranziehen, erklärte das Institut. Welche zusätzlichen Quellen dies sind, wurde bislang nicht näher erläutert. Bis ein neues Modell gefunden ist, wird der Euribor weiter nach der bisherigen Methode bereitgestellt.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de