Smava

18.02.19
Finanzierungen

Kreditvermittler Smava plant IPO

Der Kreditvermittler Smava plant den Börsengang. Dieser könnte das Fintech mit bis zu einer halben Milliarde Dollar bewerten. Reagiert Smava-Chef Artopé damit auf das Exit-Bedürfnis von Großaktionär Vitruvian?

„Wir bereiten uns auf einen Börsengang vor“: Mit diesem Vorstoß überraschte am heutigen Montag  Smava-Chef Alexander Artopé. Er gab aber weder Details zum Datum noch zur Bewertung preis und äußerte sich auch nicht zu den Gründen für einen baldigen Börsengang. Nur so viel: Das Listing werde an einer deutschen Börse stattfinden, sagte Artopé gegenüber der Nachrichtenagentur dpa-afx.

Trotz der fehlenden Details sorgt Artopés Ankündigung für Aufsehen in der deutschen Finanzszene, gehört Smava doch zu den wichtigsten deutschen Fintechs. Smava hat im vergangenen Jahr eigenen Angaben zufolge Kleinkredite mit einem Gesamtvolumen von 2 Milliarden Euro vermittelt – ein Wachstum von 70 Prozent. „Seit 2012 sind wir jährlich im Durchschnitt sogar um 90 Prozent gewachsen“, sagte Artopé. Im Januar 2018 hatte sich Smava zuletzt frisches Kapital bei Investoren abseits der Börse beschafft. Zu den Geldgebern der 65 Millionen US-Dollar schweren Finanzierungsrunde gehörten unter anderem der Finanzinvestor Vitruvian und der Risikokapitalgeber Runa Capital.

Ist Smava eine halbe Milliarde Dollar wert?

In der damals neu geordneten Gesellschafterstruktur könnte auch der Grund für Artopés überraschenden Vorstoß liegen, denn in der vergangenen Woche kamen Gerüchte auf, wonach Vitruvian – kaum ein Jahr nach dem Einstieg – schon wieder den Exit aus Smava plant. Einer Reuters-Meldung zufolge hat Vitruvian, dessen genaue Anteilshöhe an Smava nicht öffentlich bekannt ist, mehrere Investmentbanken damit beauftragt, Pläne für einen Verkauf der Anteile oder einen Börsengang von Smava auszuarbeiten. Dabei könnte das Fintech mit bis zu 500 Millionen US-Dollar (rund 450 Millionen Euro) bewertet werden.

Der Vergleich mit einer aktuellen M&A-Transaktionen legt nahe, dass diese Bewertungsvorstellung nicht unrealistisch ist. „Unser Umsatz legte 2018 um 75 Prozent auf 70 Millionen Euro zu“, sagte Artopé bei seiner heutigen IPO-Ankündigung. Damit übertrifft das 2007 gegründete Fintech den Umsatz des Wettbewerbers Finanzcheck.de, der im vergangenen Jahr für 285 Millionen Euro von Scout24 gekauft wurde. Finanzcheck.de erwirtschaftet dem MDax-Konzern zufolge rund 42 Millionen Euro. Mit einem vergleichbaren Umsatz-Multiple bewertet, käme Smava tatsächlich auf einen Unternehmenswert von rund 450 Millionen Euro.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de