BEA

08.08.13
Finanzierungen

Mittelstandsanleihen: Refinanzierungswelle rollt 2015 an

Die Wall of Debt rollt auf den Markt für Mittelstandsanleihen zu: 2015 und 2016 müssen jeweils 670 Millionen Euro refinanziert werden. Durch den deutlich steigenden Anteil der Emissionsvolumina im Verhältnis zur Bilanzsumme dürften einige Refinanzierungen teuer, wenn nicht sogar heikel werden.

Mit der ersten Refinanzierungswelle nähert sich die Stunde der Wahrheit für deutsche Emittenten von Mittelstandsanleihen. Das 2009 gestartete Segment steht bald vor der ersten Bewährungsprobe. Während 2014 mit Fälligkeiten rund 185 Millionen Euro noch vergleichsweise moderat wird, stehen nach Zahlen der Ratingagentur Scope 2015 und 2016 jeweils 670 Millionen Euro tatsächlich platzierter Anleihen zur Refinanzierung an. Ginge man vom ursprünglich geplanten Emissionsvolumen aus, wäre die Schuldenwand noch deutlich höher.

Betroffen von der Refinanzierung sind zunächst die Großunternehmen. Gleich zweimal muss Air Berlin an den Markt: Der Bond Air Berlin I (Benennung nach Statistik der Ratingagentur URA) über 200 Millionen Euro läuft 2015 aus. Schon 2014 muss der nur dreijährige Bond Air Berlin III aus 2011 über 150 Millionen Euro verlängert werden. Finanzchef Ulf Hüttmeyer dürfte dann gute Argumente für die Anleger benötigen, um diese erneut zu überzeugen. Den dreijährigen Bond musste er den Investoren schon mit einem Kupon von 11,5 Prozent schmackhaft machen.

2015 werden auch die beiden Bond-Tranchen von Dürr über 225 Millionen Euro fällig. Angesichts der positiven Nettofinanzposition und der herausragenden Geschäftsentwicklung dürfte der CFO des Lackiermaschinenbauers, Ralph Heuwing, diesem Stichtag gelassen entgegen sehen.

Mittelstandsanleihen: Wie präsent sind die Firmen am Kapitalmarkt?

Interessanter wird die Finanzierungsfrage für die kleineren Emittenten: Auch das Landwirtschaftsunternehmen KTG Agrar hat 2015 50 Millionen Euro ausstehen, gilt in Finanzkreisen aber mit seinem omnipräsenten CEO und guten Kommunikator Siegfried Hofreiter als Blaupause für ein vorbildliches Kapitalmarktdebüt. Für am Kapitalmarkt weniger präsente Unternehmen dürfte die Roadshow deutlich kräftezehrender werden. Schließlich stehen dann die Jahresabschlüsse von fünf Jahren zur Diskussion – für viele CFOs von Familienunternehmen eine ungewohnte Situation.

Der Maschinenbauer Rena muss 2015 die erste Mittelstandsanleihe über knapp 44 Millionen Euro tilgen,  2016 muss dann auch Valensina zwei Anleihetranchen über insgesamt 65 Millionen Euro refinanzieren. Auch Katjes muss 2016 eine zweiteilige Mittelstandsanleihe über 45 Millionen Euro refinanzieren, die mit Spannung erwartete Rückzahlung der beiden Mittelstandsanleihen von Windreich steht 2015 und 2016 an.

Heikel: Der Anteil des Emissionsvolumens zur Bilanzsumme steigt

Heikel wird die Refinanzierungsaufgabe durch das steigende Risikobewusstsein der Anleger, die sich in steigenden Spreads ausdrückt. Eine Kennzahl könnte Investoren dabei besonders ins Auge fallen: die Relation von Emissionsvolumen zur Bilanzsumme der Unternehmen. Diese stieg Scope-Angaben zufolge von 13,7 Prozent im Jahr 2010, geprägt durch große Emittenten wie Air Berlin und Dürr über 24,7 Prozent im Jahr 2011 auf  auf 31,1 Prozent im vergangenen Jahr.

Von den 2016 zur Refinanzierung anstehenden Mittelstandsanleihen sind FINANCE-Informationen zufolge insbesondere die des Saftherstellers Valensina (65 Millionen Euro, 7,375 Prozent Kupon), des Belletristikverlags Bastei Lübbe (30 Millionen Euro, 6,75 Prozent) und das Papier des Druckluftnaglerherstellers Johann Friedrich Behrens (30 Millionen Euro, 8 Prozent) hinsichtlich dieser Kennzahl auffällig. Alle drei Unternehmen wiesen eine Relation des Anleihevolumens zur Bilanzsumme von 40 bis 50 Prozent aus. Dies ist nicht notwendigerweise ein Stolperstein für eine erfolgreiche Zweitemission, jedoch ein Garant für weiter steigende Risikoaufschläge.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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