Will trotz Corona den Börsengang wagen: BCM-Gründer und CEO Marco Brockhaus

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29.06.20
Finanzierungen

Private-Equity-Haus Brockhaus geht an die Börse

Trotz Corona wagt die Private-Equity-Gesellschaft Brockhaus Capital Management den Gang an die Börse. Die heiße Phase ist gestartet, CEO Marco Brockhaus will über 100 Millionen Euro einsammeln.

Der Technologie-Investor Brockhaus Capital Management (BCM) will trotz Coronavirus-Pandemie an die Börse. Durch eine Kapitalerhöhung sollen 100 bis 115 Millionen Euro in die Akquisitionskasse fließen, teilte die Beteiligungsgesellschaft am heutigen Montag mit. Die ausschließlich neuen Papiere sollen im Rahmen einer Privatplatzierung an institutionelle Investoren gehen. Mit dem Erlös will BCM weitere Unternehmen aus Sektoren wie Healthcare, Software und Umwelttechnik übernehmen. BCM spricht von „Technologie-Champions im deutschen Mittelstand mit B2B-Geschäftsmodellen“.

Der IPO soll im dritten Quartal erfolgen. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass BCM noch vor der Sommerpause im August die Bücher zur Zeichnung öffnen wird. Brockhaus strebt in den Prime Standard der Frankfurter Börse. Das Management-Team, das aktuell gemeinsam noch 33 Prozent an BCM hält und auch nach der Verwässerung durch den Börsengang die größte Aktionärsgruppe stellen wird, hat sich zu einer Lock-up-Frist von zwei Jahren verpflichtet. So lange darf das Team um Marco Brockhaus keine Aktien veräußern.

Begleitet wird der Börsengang von den US-Banken Citibank und Jefferies. Die Commerzbank ist als Joint Bookrunner an Bord.

BCM will zwei Firmen pro Jahr übernehmen

Die 2017 gegründete BCM will sich langfristig, ohne die zeitlichen Restriktionen, denen Private-Equity-Fonds unterliegen, mehrheitlich an deutschen Tech-Unternehmen beteiligen. Geplant sind ein bis zwei Zukäufe pro Jahr plus Add-on-Akquisitionen für die bestehenden Portfoliounternehmen. „Wir entdecken und entwickeln Champions des deutschen Technologie-Mittelstands“, erklärt Marco Brockhaus, Gründer und CEO von BCM. Zwei Unternehmen hat BCM bereits erworben: 2017 den Partikelmesstechnik-Spezialisten Palas und 2019 den IT-Komponentenhersteller IHSE, einen Spezialisten für die sichere Übertragung von Daten.

Im vergangenen Geschäftsjahr erzielten beide Firmen zusammen einen Pro-forma-Umsatz von 54 Millionen Euro und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 16 Millionen Euro. Doch nach einem starken Jahresstart mit Umsatzzuwächsen von 20 Prozent brachte die Coronakrise beide Unternehmen vom Wachstumspfad ab. Für das erste Halbjahr rechnet BCM mit einem Umsatzrückgang im einstelligen Prozentbereich, hofft aber, dass ein starkes zweites Halbjahr auf Jahressicht doch noch zu einem leichten Plus führen wird. Für 2021 verspricht Brockhaus eine Rückkehr zu zweistelligem prozentualem Wachstum.

Die Akquisitionspipeline beschreibt Marco Brockhaus als attraktiv und gut gefüllt. Im Schnitt schaue man sich 400 Firmen pro Jahr an, bei 35 suche man das persönliche Gespräch, sagte Brockhaus unlängst dem „Handelsblatt“.

Auch Curevac steht vor dem Börsengang

Zwei Mittelständler sind in diesem Frühjahr bereits erfolgreich an die Börse gegangen: Exasol und PharmaSGP. Ein weiteres bekanntes Unternehmen steht mit seinem Börsengang in den Startlöchern, allerdings in den USA. Dort könnte das Biotech-Unternehmen Curevac im Juli an die Börse gehen, bei dem erst kürzlich der deutsche Staat als Miteigentümer einstieg.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de