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25.09.18
Finanzierungen

Tech-Finanzinvestor will an die Börse

Die Gründer des TecDax-Konzerns Cancom wollen ihre Beteiligungsholding Primepulse an die Börse bringen. Dies würde ihre Schlagkraft am M&A-Markt enorm erhöhen.

Der Tech-Investor Primepulse strebt an die Börse. Der Finanzinvestor, der Beteiligungen an Technologie-Unternehmen aus dem Mittelstand eingeht, will noch im vierten Quartal dieses Jahres im Regulierten Markt in Frankfurt notiert werden. Primepulse will im Rahmen einer Kapitalerhöhung einen Bruttoemissionserlös von 250 Millionen Euro erzielen.

Auch die Hauptaktionäre Stefan Kober, Raymond Kober und Klaus Weinmann – die Gründer des TecDax-Konzerns Cancom – wollen sich von Aktien trennen. Ihre Papiere werden im Rahmen der Mehrzuteilungsoption platziert, die 15 Prozent des Basisangebots umfassen soll, also Aktien im Wert von 37,5 Millionen Euro.

Die drei Hauptaktionäre halten derzeit über die Abcon Holding rund 98 Prozent der Aktien von Primepulse. Auch nach dem Börsengang werden sie weiterhin die Mehrheit an dem Unternehmen halten. Daraus lässt sich ableiten, dass Primepulse einen Börsenwert im hohen dreistelligen Millionenbereich anstrebt. Mit dem Börsengang betraut sind die Deutsche Bank sowie Hauck & Aufhäuser, unterstützt von der Mainfirst Bank.

Primepulse will IPO-Erlös für Zukäufe nutzen

Die neuen Gelder aus der Kapitalerhöhung sollen zum Erwerb von neuen, aber auch zur Aufstockung bestehender Beteiligungen genutzt werden. Das Investmenthaus, zu dem unter anderem über eine Holding eine Mehrheitsbeteiligung von 54 Prozent an der börsennotierten Stemmer Imaging gehört, verfolgt eine „Buy-Build-&-Develop“-Strategie und fokussiert sich auf technologiegetriebene Mittelständler vor allem aus den Bereichen IT Cloud Transformation, Vision Technology, Electronics, E-Business, Automotive, Gardentech und Air Technology.

Primepulse ist auch mit 10,1 Prozent an Cancom beteiligt. Der Primepulse-Anteil an Cancom ist aktuell rund 140 Millionen Euro wert, das Stemmer-Imaging-Paket rund 160 Millionen Euro.

Mit dem IPO-Erlös soll der ambitionierte Wachstumskurs der Münchener gestützt werden:  Primepulse erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2018 einen Umsatz von 394 Millionen Euro. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren es 221,2 Millionen Euro, woraus sich ein Zuwachs von 78 Prozent errechnet. Analog dazu wuchs der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Halbjahresvergleich von 22,4 auf 39,9 Millionen Euro.

Weinmann & Co. schaffen sich Freiraum für Primepulse

Die personelle Basis für den Ausbau von Primepulse zu einem der größten deutschen Tech-Investmenthäuser ist vor kurzem geschaffen worden: Ende dieses Monats gibt Cancom-Gründer Klaus Weinmann nach 25 Jahren die Führung des TecDax-Konzerns ab. Ihm folgt Thomas Volk, Weinmann strebt einen Sitz im Aufsichtsrat an.

Mitgesellschafter Stefan Kober ging den gleichen Schritt: Er zieht sich bei der Al-Ko Kober Gruppe vom Vorstand in den Aufsichtsrat zurück. Auch an Al-Ko Kober ist Primepulse beteiligt. Im Aufsichtsrat löst Kober wiederum den Aufsichtsratsvorsitzenden Weinmann ab, der aus dem Gremium ausscheidet.

Mit ihren Börsenplänen verschärft Primepulse den Wettbewerb um Tech-Beteiligungen im Mittelstand. An diesen zeigen auch immer mehr klassische Private-Equity-Häuser Interesse. Neben traditionell tech-affinen Finanzinvestoren wie Summit Partners oder General Atlantic haben zuletzt auch eigentlich eher industrie-orientierte Häuser wie Emeram, Gilde und Capvis Tech-Investments getätigt. Hinzu kommen aufstrebende deutsche Tech-Investoren wie Brockhaus Capital Management, Digital+ Partners oder EMH Partners. Beide haben zuletzt mit neuen Fonds und überraschenden Deals für Nachrichten gesorgt.


antonia.koegler[at]finance-magazin.de